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Bakelit - Urstoff der modernen Alltagskultur

"Es ist zwar, zum Beispiel als Pfeifenmundstück, dauerhafter als Zelluloid, es ist geruchlos, es widersteht der Hitze, es brennt nicht, es ist dabei bedeutend billiger. Als Billardball steht es dem elfenbeinernen Ball nicht nach. Es kann zu Griffen, Knöpfen, Messergriffen verwendet werden. Aber die Anwendung des Bakelits für solche Luxusgegenstände hat mich wenig interessiert, solange es so viele wichtigere technische Anwendungen gibt." (L. H. Baekeland in: Josef Hausen. Wir bauen eine neue Welt. S.142. Berlin, 1957)

Eine Porträtaufnahme von Leo Hendrik Baekeland. (Rechte: Bakelite AG)

Baekeland gab dem Bakelit seinen Namen

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Billiger Ersatzstoff

Produkte aus Rohstoffen wie Elfenbein und Edelhölzern waren im 19. Jahrhundert für das Gros der Bevölkerung zu teuer und nicht in ausreichender Menge verfügbar. Daher suchte man nach Ersatzstoffen, die edles Material vortäuschten und Erzeugnisse für die breite Masse der Konsumenten erschwinglich machten. Der Durchbruch gelang mit "Bakelit", dem ersten vollsynthetischen Kunststoff. Er erhielt seinen Namen nach seinem Erfinder, dem Belgier Leo Hendrik Baekeland. Der flämische Chemiker beschäftigte sich unter anderem mit der Kondensation von Phenolen mit Formaldehyd und deren Reaktion miteinander. Dies führte 1907 zur Erfindung der Phenolharz-Pressmassen, dem "Bakelit".

Ein dunkelroter Föhn aus Bakelit. (Rechte: Stadtmuseum Berlin)

Föhn aus Bakelit

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Der Erfinder

Leo Hendrik Baekeland wurde 1863 in Gent als Sohn eines Schumachers geboren. Er studierte Chemie an der Universität Gent und gilt als einer der Begründer der Kunststoffchemie und -technologie. Er erfand unter aanderem das "Velox-Papier" - ein extrem lichtempfindliches Fotopapier und gründete in Belgien und den USA Fabriken für photographisches Material. Durch den Verkauf seiner Patente und Fabriken an die Firma "Kodak" im Jahr 1906 konnte er sich nunmehr materiell abgesichert weiteren Forschungen widmen. 1907 erfand er bereits die oben genannten Phenolharz-Pressmassen, die Baekeland in Anlehnung an seinen Namen "Bakelit" nannte. Das entscheidende Patent, das Hitze-Druck-Patent, wurde in Deutschland im Jahre 1908 erteilt.

Das Patent für die Herstellung von "Bakelit" in Europa verkaufte Baekeland an die 1849 gegründeten "Rütgerswerke" bei Berlin, die Steinkohleteeröle für die Konservierung von Eisenbahnschwellen herstellten. Dabei fiel Phenol an. Bei "Rütgers" hatte man sofort den Nutzen der Patente Baekelands erkannt. Gemeinsam gründeten die "Rütgerswerke" und Baekeland 1910 die "Bakelite GmbH", wenig später lief die Produktion an. Die Elektroindustrie gehörte zu den stärksten Nachfragern. Bakelit, das elektrisch hervorragend isoliert und nicht brennt, fand Verwendung in Ummantelungen, Schaltern, Leiterplatten und Fassungen.

Im Oktober des gleichen Jahres errichtete Baekeland in den USA die "General Bakelite Company". Dies war der Anfang der großindustriellen Herstellung der vollsynthetischen Plaste. Im Jahr 1939 verkaufte er seine Firma an die Firma "Union Carbide". Er war Berater der amerikanischen Regierung und saß in einigen Vorständen wissenschaftlicher Vereinigungen. Am 23.02.1944 verstarb Baekeland zurückgezogen in Becon im US-Bundesstaat New York.

Ein roter Aschenbecher aus Bakelit. (Rechte: Stadtmuseum Berlin)

Ein Aschenbecher aus Bakelit

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Siegeszug im Alltag

Aus dem Lautsprecher tönt dumpfe Nazi-Propaganda - Deutschland in den späten 30er Jahren. Das Gehäuse des Radioempfängers ist aus Bakelit. Erst dieser Werkstoff ermöglicht die billige Massenproduktion des VE 301, des so genannten Volksempfängers von 1938 - der "Goebbelsschnauze". Doch schon vor dieser Erfindung zieht Bakelit in die Haushalte der 20er und 30er Jahre ein.

In zahlreichen Ausstellungen lassen sich noch heute die faszinierenden Alltagsgegenstände bewundern, die das Bakelitzeitalter hervorgebracht hat: in marmorierten Braun- und Rottönen gehaltene Dosen für Seife und Shampoo, aber auch Kästchen für Zigarren sowie Feldtelefone der damaligen UdSSR und der Wehrmacht. Auch Küchenwaagen und Thermosflaschen kamen ohne Bakelit nicht aus.

Wie in der Bundesrepublik erfreute sich Bakelit auch in der DDR beständiger Beliebtheit: So stellte man noch 1956/57 im VEB Döbelner Beschläge und Metallwaren den Mixer "Mixette" her. Bis 1960 wurde von Siemens das bekannte Bakelit-Telefon W48 produziert.

Thomas Kamp, Stand vom 23.11.2011
Sendung: Leben mit Kunststoff - Von Nylonstrümpfen, Plastikstühlen und Müllbergen , 24.11.2011

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Bildcollage zum Thema Werkstoffe. (Rechte: WDR)

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