Kunststoffe als Problemlöser
Kunststoff für einen "Knochenjob"
Der menschliche Körper enthält 212 verschiedene Knochen. Robert Schavan stellt dazu fest: "Sie ahnen nicht, auf wie viele verschiedene Weisen man sich die brechen kann." Schavan ist ein Mann, der den Medizinern die Knochen hinhält. Gewissermaßen. Denn Robert Schavan arbeitet bei "Mathys". In den Kellerräumen dieses Bochumer Unternehmens stehen Kisten bis zum Rand voll mit Knochen: Oberschenkel, Unterschenkel, Hand und Fuß. Hin und wieder erscheinen fachkundige Menschen, die den Gebeinen mit Bohrmaschinen und Schraubenziehern zu Leibe rücken.
"Das ist weniger makaber, als es klingt", sagt Schavan. Denn die Knochen sind aus Kunststoff, genau genommen aus Polyurethan. Daran lernen Ärzte, wie man zum Beispiel einen Oberschenkelhalsbruch wieder zusammenflickt. Früher hat man dazu Leichen herangezogen. Aber das geht aus Pietäts- und auch hygienischen Gründen heute natürlich nur noch in Ausnahmefällen."
Die Polyurethan-Knochen eignen sich, da man nur mit diesem Material sowohl das schaumstoffartige Innere echter Knochen wie auch ihre harte Hülle nahezu perfekt nachahmen kann, so dass sich jede Schraubendrehung anfühlt wie unter Live-Bedingungen im OP. Dieter Skoupi von "Bayer Polymers" hat das Spezial-Material für die Übungsgebeine zusammen mit einem Schweizer Kunstknochen-Hersteller auf echt getrimmt. "Fehler macht man eben besser auf dem Übungstisch als im Operationssaal", sagt Skoupi mit Blick auf die chirurgischen Übungen in Schavans Keller. "Da muss auch beim Probelauf das OP-Gefühl stimmen, damit später jeder Griff sitzt. Wenn eine Schraube durchdreht, weil beim Üben das Knochen-Feeling nicht gestimmt hat..." - lieber nicht dran denken.
Mit Kunststoff gegen den Durst der Welt
Er hat die einfache, aber geniale bauchige Form eines Kegels, ist transparent und hat das Zeug zum Lebensretter in Entwicklungsländern. Sein Name: "Watercone" (Wasserkegel). Wichtiger aber als das formschöne Aussehen ist, was er kann - frisches Trinkwasser produzieren. Seine Funktionsweise ist so einfach wie genial: Der Kegel wird auf möglichst feuchten Boden gestellt. Durch die Sonneneinstrahlung verdunstet das Wasser, kondensiert, und die Wassertropfen laufen an der Innenseite des Kegels herab in eine Auffangrinne. Pro Tag können so mehr als ein Liter frisches Trinkwasser gewonnen werden. Selbst aus Dreckstümpeln.
Trinkwasser wird weltweit immer knapper. Zwar sind 70 Prozent der Erdoberfläche von Wasser bedeckt. Aber nur ein Bruchteil kann als Trinkwasser verwendet werden - weniger als ein Prozent. Und zu diesem einen Prozent hat das Gros der Weltbevölkerung, das zumeist in Entwicklungsländern lebt, nur sehr schwer oder gar keinen Zugang. "Watercones" sind völlig mobil und eignen sich besonders für Überschwemmungsgebiete, wie zum Beispiel in Bangladesch. Denn "Watercones" können sogar auf ruhigem Wasser schwimmen und Trinkwasser produzieren.
Thomas Kamp, Stand vom 23.11.2011
Sendung: Leben mit Kunststoff - Von Nylonstrümpfen, Plastikstühlen und Müllbergen , 24.11.2011






