Plastination - Anatomische Präparate für die Ewigkeit
Körperwelten
Grundlage für die Plastination ist der Austausch des Gewebswassers und Gewebefetts durch einen Kunststoff wie Silikon, Epoxyd oder Polyester. In einem Lösungsmittelbad werden dazu Gewebswasser und Gewebefett durch ein Lösungsmittel ersetzt. Das so entwässerte und entfettete Präparat wird danach in eine Kunststofflösung eingelegt.
Im Vakuum wird das Lösungsmittel zum Sieden gebracht und dem Präparat entzogen. Durch den entstehenden Sog zieht Kunststoff in das Gewebe ein. Anschließend erfolgt die Härtung. Je nach Art des verwendeten Kunststoffs mit Hilfe von Gas, Licht oder Wärme.
Entwickelt wurde dieses Verfahren von dem Anatom Gunther von Hagens. Zunächst wurden die Plastinate in der Lehre eingesetzt, bis Gunther von Hagens 1988 begann, ausgewählte Präparate einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Ausstellung "Körperwelten" wurde Ende 1997 erstmals in Mannheim gezeigt. Neben Quer- und Längsschnitten durch menschliche Organe umfasste sie auch ganze präparierte Körper in lebensnaher Haltung.
Zwischen Faszination und Entsetzen
Von Hagens stellte 1997 rund zweihundert seiner Menschenpräparate aus, darunter, erstmals in Europa, fünfzehn Ganzkörperpräparate. Da es sich bei den Exponaten um echte, mit einem Spezialverfahren konservierte Leichen und Leichenteile handelt, war die Ausstellung "Körperwelten" vom ersten Tag an heftig umstritten. Während die einen von Geschmacklosigkeit, Gruselkabinett und skandalöser Geschäftemacherei sprachen, feierten die anderen die Ausstellung als gelungen. Das Interesse des Publikums war enorm, auch wenn die meisten sich nicht eindeutig erklären konnten, worin die Faszination der Körperwelten-Ausstellung bestand.
Thomas Kamp, Stand vom 23.11.2011
Sendung: Leben mit Kunststoff - Von Nylonstrümpfen, Plastikstühlen und Müllbergen , 24.11.2011






