• Zum Inhalt springen
  • Zur Hauptnavigation springen
  • Zur Themennavigation springen
  • Zum Suchfeld springen
Logo von Planet Wissen

Planet Wissen
Werkstattbesuch - In einer Gerberei

  • Hilfe
  • Kontakt
  • WDR
  • SWR
  • BR Alpha

Themennavigation

  • Natur Technik
  • Politik Geschichte
  • Kultur Medien
  • Länder Leute
  • Sport Freizeit
  • Alltag Gesundheit

Suche

Hauptnavigation

  • Startseite
  • Sendungskalender
  • Wissen interaktiv
  • Bildergalerien
  • Podcast
  • Kontakt
  • Newsletter
  • Hilfe
  • Impressum

Navigationspfad

Sie befinden sich hier:

  • Planet Wissen
  • Alltag & Gesundheit
  • Werkstoffe
  • Leder
  • Werkstattbesuch - In einer Gerberei

Werkstattbesuch - In einer Gerberei

Er ist einer der letzten seiner Zunft: Manfred Oettrich betreibt im südbrandenburgischen Doberlug-Kirchhain eine Gerberei und geht damit einem Handwerk nach, das in Deutschland in dieser Form nahezu ausgestorben ist. Vor rund hundert Jahren gab es in seiner Heimatstadt zahlreiche Gerbereien. Heute erinnern nur noch die Gerberstraße und das Weißgerber-Museum an diese Tradition. Und natürlich Manfred Oettrich, der die Gerberei seiner Familie in fünfter Generation führt - wofür er zwischenzeitlich hart kämpfen musste.

Gerber Markus Oettrich bearbeitet ein Fell. (Rechte: WDR/Stober)

Gerben ist eine blutige Arbeit

Vergrößern

Mehr zum Artikel

Leder
Videos
Werkstattbesuch
In einer Gerberei
Lederarten
Von Anilin bis Wild
Verwendung von Leder
Literatur & Co
Link-Tipps

Gestank? Kälte? Kein Problem

Über mangelnde frische Luft bei der Arbeit kann sich Manfred Oettrich wahrlich nicht beklagen. Er ist bei jedem Wetter quasi draußen - selbst in seiner Werkstatt. Der Wind pfeift durch die verschiedenen halboffenen Räume seines Arbeitsplatzes. Zu stören scheint das den großgewachsenen Mann mit den kräftigen, rauen Händen nicht. Auch nicht, dass es stinkt. Und ebenfalls nicht, dass seine Arbeit zum Teil recht martialisch anmutet, so wie jetzt, da er blutige Fetzen Fleisch von einem Kaninchenfell abschabt. Oettrich ist einer der wenigen Gerber in Deutschland, die diesem Handwerk noch in klassischer Form - in einem kleinen Betrieb, in dem fast alles in Handarbeit gemacht wird - nachgehen.

Großes Stück Leder, dessen Dicke mit einem speziellen Gerät gemessen wird. (Rechte: WDR/Stober)

Bei der Qualität kommt es auch auf die Dicke an

Vergrößern

Schließung nach der Wiedervereinigung

Die Stadt Doberlug-Kirchhain im Süden Brandenburgs, in der Oettrichs Betrieb zu Hause ist, war früher eine wahre Gerber-Hochburg. Um 1900 waren hier etwa 100 Gerbereien ansässig. "Der Fluss Elster hat schön weiches Wasser, außerdem gab es hier viel Schafzucht und dazu viel Wald", erklärt Oettrich mit Blick auf das kleine Flüsschen, das sich hinter dem Haus entlang schlängelt. Die Elster lieferte also einst das Wasser, die Schafe die Häute und die Baumrinden den Gerbstoff.

Pflanzlich ist dieser allerdings bei Oettrich schon lange nicht mehr, heute arbeitet er mit synthetischem Gerbstoff. Sein tierisches Material bekommt der 1965 geborene Gerber vor allem von Privatpersonen aus ganz Deutschland. Auch das war früher anders: Da belieferte der Schlachthof Berlin-Lichtenberg die Gerberei mit Schweinehäuten. "Dann kam die Wiedervereinigung und mit ihr das EU-Recht, das verordnet, dass Schweinehäute aus hygienischen Gründen nicht abgezogen werden dürfen", erzählt Oettrich. Auf einmal rentierte sich der väterliche Betrieb nicht mehr, den er eigentlich zu diesem Zeitpunkt mit seinem Bruder übernehmen sollte. Es blieb nur die Schließung. Die Brüder mussten sehen, wo sie blieben. Beide verschlug es beruflich ins hessische Idstein, wo Manfred drei Jahre als angestellter Gerber arbeitete.

Zwei große Holzfässer. (Rechte: WDR/Stober)

In diesen Holzfässern werden die Häute weich gemacht

Vergrößern

Rückkehr zur Familientradition

Da ihm sein Handwerk offensichtlich als nicht sonderlich zukunftsträchtig erschien, ließ Manfred Oettrich sich 1993 zum Industriekaufmann umschulen. Er kehrte in die Heimat zurück und verdiente sein Geld 13 Jahre am Schreibtisch anstatt in der Gerberei. Seine Entlassung 2006 erscheint rückblickend als glückliche Fügung, schließlich konnte Oettrich mit der Abfindung zur geliebten Familientradition zurückkehren. Das meiste Geld steckte er in ein neues Dach für die Gerberei. Und er beschloss, von nun an Pelze zu gerben - da es noch immer einen Ledergerber in Doberlug-Kirchhain gab, einen Pelzgerber jedoch nicht.

Am 1. September 2006 eröffnete die Gerberei schließlich nach 16 Jahren neu. Über einen Mangel an Aufträgen kann sich Oettrich seitdem nicht beklagen. Der erste Arbeitsschritt ist die schon erwähnte blutige Angelegenheit: Das Fleisch muss runter von den Häuten. Auf diese wartet dann ein erstes Bad aus Wasser und Waschmittel, in dem sie weich gemacht werden. "Danach werden die Häute ein paar Tage in Fässern wie Spreewaldgurken eingelegt - in einer Mischung aus Salz und Säure", beschreibt Oettrich. Erst dann folgt das tatsächliche Gerben, also die chemische Veränderung der Tierhaut durch synthetische Stoffe, die dafür sorgen, dass sie haltbar und geschmeidig wird.

Manfred Oettrich hängt eine Tierhaut auf. (Rechte: WDR/Stober)

Auf dem Dachboden streicht Wind an den Häuten entlang

Vergrößern

Oettrichs spannendster Fall: ein kanadischer Wolf

Getrocknet werden die Häute auf dem Dachboden der Gerberei, der die klassischen Gerberfenster mit Läden hat. Diese werden gekippt, sodass der Wind an den Häuten entlang streichen kann. War es früher tierisches Fett, mit dem das Leder nach dem Trocknen eingerieben wurde, so ist dieses heute wie der Gerbstoff ebenfalls synthetisch - "nur so hat man die Garantie, dass der Fettgehalt auch tatsächlich immer gleich ist", erklärt der Gerber. Seitdem er von Leder auf Pelz umgesattelt hat, muss er nach dem Einreiben des Leders dafür sorgen, dass auch das Fell gut aussieht und sich angenehm anfühlt. Dafür gibt es unter dem Dach eine Maschine, die es gleichmäßig bürstet.

Sein spannendster Gerber-Fall war kurz nach der Neueröffnung ein kanadischer Wolf. "Ein Mann rief ganz aufgeregt an und sagte, dass er ihn gerne bei mir gerben lassen wollte. Selbst geschossen war er nicht, er hatte ihn in Kanada gekauft", erzählt Oettrich. Dumm nur, dass das Fell nach der Ankunft in Deutschland erst einmal ein dreiviertel Jahr in Hamburg vom Zoll festgehalten wurde. "Als das Fell endlich bei mir ankam, habe ich es extrem vorsichtig behandelt, weil es grundsätzlich empfindlich ist und durch die Zeit beim Zoll leider auch ein wenig gelitten hatte." Am Ende waren jedoch Gerber und Kunde mit dem Ergebnis sehr zufrieden - was für Manfred Oettrich grundsätzlich gilt, seitdem er wieder in der heimischen Gerberei bei Wind und Wetter seinem Handwerk nachgeht.

Alexandra Stober, Stand vom 24.03.2010
Sendung: Leder - Vom Naturstoff zur Chemiekeule, 23.08.2010

Verwandte Themen bei Planet Wissen

Altes Handwerk

Wer kennt heute noch Sattler und Riemer, Plisseebrenner und Nagelschmiede? Viele Handwerke sind ausgestorben. Nur wenige werden als Kulturgut in speziellen Einrichtungen bewahrt.

http://www.planet-wissen.de

Mehr zum Thema

Bildcollage zum Thema Werkstoffe. (Rechte: WDR)

Werkstoffe


  • Glas
  • Kunststoff
  • Verpackungen
  • Wolle
  • Stoff

nach oben

  • Seite empfehlen
  • Seite drucken
  • Impressum

URL dieser Seite: http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/werkstoffe/leder/werkstattbesuch_gerberei.jsp

© WDR / SWR / BR-alpha 2012

WDR, SWR und BR-alpha sind nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.