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Was versteht man unter Papierzerfall?

Vor einigen Jahren drangen erschütternde Berichte aus den sonst so beschaulichen Bibliotheken an die Öffentlichkeit. Der kulturelle Besitz der Nationen war plötzlich in Gefahr, buchstäblich zu Staub zu zerfallen. "Papierzerfall" oder griffiger "Papierfraß" waren die Stichworte, die Uneingeweihte an Invasionen gefräßiger Schädlinge denken ließen. Doch obwohl sich in einer Bibliothek diverse Papier fressende Tierchen heimisch fühlen können, lag hier der Sachverhalt anders.

Die extreme Zunahme publizierten Wissens und literarischer Höchstleistungen fiel fatalerweise mit der kostengünstigen Papierproduktion zusammen. Grund für den Zerfall des Papiers waren die Methoden zu Beginn der industrialisierten Produktion, vor allem die Verwendung von Holzschliff. Das im Holz enthaltene Lignin konnte nicht nur braun und brüchig werden. Es setzte es auch Säuren frei, die das Papier völlig zerstörten.

Blick durch ein vollgestelltes Bücherregal auf eine junge Frau, die in einer Bibliothek in einem aufgeschlagenen Buch liest. (Rechte: WDR Freeze)

Vergilbte Bücher sind ein Hinweis auf Holzzerfall

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Ein weiteres Problem stellten Stoffe dar, die bei der Verarbeitung zugegeben werden mussten. So musste der Leim mit Alaun versetzt werden, damit er die Zellulosefasern besser benetzte. Ab 1900 etwa ließ sich Alaun durch das billigere Aluminiumsulfat ersetzen. Wurde dieses allerdings, wie damals üblich, etwas zu hoch dosiert, bildete sich daraus Schwefelsäure, die die Papierfasern zerstörte.

Es erforderte umfangreiche Forschungen, um Methoden zu entwickeln, wenigstens die wichtigsten Kulturschätze des 19. und 20. Jahrhunderts zu bewahren. Eine Aufgabe, die nicht nur teuer ist, sondern auch noch lange dauern wird.

Wird holzfreies Papier nicht aus Holz hergestellt?

Das, was man im Geschäft normalerweise als "holzfreies Papier" ersteht, besteht keineswegs aus Baumwolle, Hanf, Leinen oder Flachsfasern. Auch Synthetikfasern werden für diese Papiersorte nicht verwandt. Die Bezeichnung ist irreführend. Auch dieses Papier wird letztlich aus Holz hergestellt.

Holzzellen bestehen im wesentlichen aus drei Bestandteilen:
1. Aus 40 bis 50 Prozent Zellulose. Vor allem dieser Stoff bildet die Zellwände und stellt daher auch die für die Papierherstellung benötigte Faser dar.
2. Aus 22 bis 29 Prozent Lignin. Es findet sich zwischen den Zellen und verklebt diese miteinander. Lignin hat die Eigenschaft mit Sauerstoff und Licht zu reagieren. Es verfärbt sich braun und wird brüchig.
3. Aus 25 bis 33 Prozent Hemi-Zellulose. Auch diese wirkt im Holz als Zellen verbindender Kitt. Sie senkt ebenfalls die Qualität des Papiers.

Zu Beginn der Verwendung von Holz zur Papierherstellung wurde das geschliffene Holz direkt verwandt. Dieses Papier hatte die unangenehme Eigenschaft, sich im Laufe der Zeit braun zu verfärben und wurde sogar so brüchig, dass die Seiten zerfallen konnten. Erst als es gelang, die Zellulose vom Lignin und der Hemi-Zellulose zu trennen, konnten dauerhafte und hochwertige Papiersorten hergestellt werden. Dieses hochwertige Papier wird "holzfrei" genannt, da der Holzstoff Lignin darin fehlt.

Doch ist dies auch gleichzeitig der Grund, warum zur Papierherstellung so viel Holz benötigt wird. Die Ausbeute an Zellulose kann nun mal nicht höher sein als der Zelluloseanteil im Holz.

Vladimir Rydl, Stand vom 20.10.2011
Sendung: Wunderwelt Papier - Von Papyrus, Stein und edlen Kleidern, 24.10.2011

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Bildcollage zum Thema Werkstoffe. (Rechte: WDR)

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