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Sand

Nach Berechnungen des Bundesverbandes der Deutschen Kies- und Sandindustrie aus dem Jahr 2005 verbraucht jeder Bundesbürger durchschnittlich 12 Kilogramm Sand und Kies pro Tag. Das sind bei einem angenommenen Alter von 70 Jahren 307 Tonnen im ganzen Leben. Im gleichen Zeitraum verbrauchen wir durchschnittlich 116 Tonnen Erdöl. Kein Rohstoff in Deutschland wird in solchen Mengen benötigt wie Sand. Tagtäglich benutzen wir zahlreiche Produkte, die ohne Sand nicht existieren würden. Um diesen Bedarf zu decken, fördern die deutschen Kieswerke jährlich zirka 300 Millionen Tonnen Sand und Kies.

Spuren im Sand: Ein Dromedar hat im goldgelben Wüstensand große Fußspuren hinterlassen. (Rechte: dpa)

Sand ist ein wichtiger Rohstoff

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Sand ist nicht gleich Sand

Es gibt unzählige Sandsorten. Manche wie der Mischsand sind weit verbreitet, andere eher selten. Den sogenannten Karbonatsand findet man beispielsweise nur auf den Bahamas und anderen Karibik-Inseln. Er besteht zu großen Teilen aus Bruchstücken von Muscheln und Schneckengehäusen. Noch exotischer ist die Herkunft der Dünen der White Sands im US-Bundesstaat New Mexico. Sie bestehen aus Gipskristallen, die bei der Verdunstung eines ehemaligen Salzsees entstanden sind.


Die wichtigsten Sande sind die sogenannten Quarzsande. Sie enthalten einen besonders hohen Anteil (mindestens 85 Prozent) des Minerals Quarz (SiO2). Siliziumdioxid (Quarz) entsteht durch Wasserabspaltung aus Kieselsäure und gehört zu den härtesten Naturmaterialien. Aufgrund seiner Einzigartigkeit ist dieses Mineral für zahlreiche industrielle Anwendungen unverzichtbar. Quarzmehle haben beispielsweise gute elektrische Eigenschaften, eine hohe mechanische Festigkeit und Säurebeständigkeit. Aufgrund ihrer vielfältigen Verwendung in der Industrie werden Quarzsande deshalb auch Industriesande genannt.

Das Bild zeigt einen Haufen von übereinander liegenden Mikrochips. (Rechte: dpa)

Ohne Quarzsand gäbe es keine Mikrochips

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Quarzsand - Der Alleskönner

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte man, dass das in Quarzsanden enthaltene Silizium elektrischen Wechselstrom in Gleichstrom verwandeln kann. Die heutige Mikroelektronik ist ohne diese Eigenschaft kaum vorstellbar. Das für die Produktion von Mikrochips notwendige Silizium liefert das im Quarzsand enthaltene Siliziumdioxid. Im heutigen Informationszeitalter sind Quarzsande deshalb mehr gefragt denn je. Doch bereits weit zurück in der Vergangenheit waren Quarzsande ein wertvoller Rohstoff. Eines der ältesten Produkte, das mit Hilfe von Quarzsanden produziert wird, ist Glas. Seit etwa 1500 vor Christus wissen die Menschen, wie sie Glas herstellen können. Zunächst als Glasur verwendet, dann als Hohlglas produziert, später als Flachglas industriell gefertigt, fand Glas Einzug in nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Glas ist auch heute noch einer der wichtigsten Werkstoffe. Durch seine Materialeigenschaften wie hohe Festigkeit und Durchsichtigkeit ist Glas unverzichtbar. Der sogenannte Glassand ist reiner Quarzsand mit Siliziumdioxidgehalten von über 99 Prozent. Damit das Glas weiß und nicht grün wird, dürfen höchstens 0,05 Prozent Eisenverbindungen im Glassand vorhanden sein. Eine Glasscheibe von einem Quadratmeter Fläche und einer Dicke von 5 Millimetern enthält beispielsweise 8,64 Kilogramm Quarzsand.

Ein Mann in blauer Arbeitskleidung steht vor mehreren großen, grünen Glasplatten. (Rechte: dpa)

Quarzsand wird zuhauf in der Industrie verwendet

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Doch Quarz kann noch mehr. Als sogenannter Kieselgur ist Quarzsand seit dem Industriezeitalter als Füllstoff in Zahnpasta, Gummi, Anstrich- und Poliermitteln, Papier und Arzneimitteln vorhanden. Besonders gefragt sind seine Eigenschaften als Filtersand. Nicht nur unser Trinkwasser fließt zur Reinigung durch Quarzsande. Auch die meisten Getränkehersteller setzen auf ihn, um ihre Produkte in stets gleicher Qualität zu liefern. In der Keramikindustrie wird Quarzsand zur Herstellung von Steingut, Steinzeug, Sanitärporzellan, Boden- und Wandfliesen verwendet. In Gießereien dient Quarz unter vielen anderen Anwendungen als Grundstoff zur Herstellung von Formen. Auch in der chemischen Industrie wird Quarz vielfältig eingesetzt.

Auf dem Bild ist ein gezogener Einkristall zu sehen, der senkrecht stehend in einer Halterung befestigt ist. Neben dem Einkristall steht eine Frau, die eben so groß ist wie das Kristall. (Rechte: Wacker Chemie GmbH)

So groß ist ein industriell gezogener Einkristall

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Ohne Quarzsand gäbe es keine Mikrochips

Mikrochips, die so genannten ICs (Integrated Circiut = integrierter Schaltkreis) sind aus unserer heutigen Technik nicht mehr wegzudenken. In fast jedem Gerät ist heute ein IC zu finden. Um integrierte Schaltkreise herstellen zu können, benötigt man reines Silizium. Dies erhält man, in dem man das in den Quarzsanden enthaltene Siliziumdioxid (SiO2) in einem Schmelzofen bei rund 1400 Grad Celsius schmilzt. Bei diesem Vorgang trennt sich der Sauerstoff vom Silizium. Die Halbleiterindustrie benötigt für die Produktion von Mikrochips optimale elektrische Eigenschaften. Diese werden nur durch eine einkristalline Struktur gewährleistet, denn nur hier hat das Kristallgitter in alle Richtungen die gleiche Orientierung. Das geschmolzene Material besitzt diese Eigenschaft nicht. Deshalb züchtet die Halbleiterindustrie mit Hilfe eines Anfangskristalls ein Einkristall. Dieses Einkristall zerschneidet man in dünne Scheiben (0,18 Millimeter) zu den sogenannten Wafern. Auf diese Wafer ätzt man die Schaltkreise, zerschneidet sie ebenfalls und verarbeitet sie weiter zu den ICs. In einem Handy befinden sich neben den ICs noch zahlreiche andere Komponenten, die ohne Quarzsande nicht hergestellt werden könnten. Die Flüssigkristalltechnik der Displays sowie die Lautsprecher und Mikrofone gehören ebenso dazu wie die IC-Gehäuse.

Frank Endres, Stand vom 29.07.2009
Sendung: Wüsten der Erde - Leben in Extremen, 11.04.2007

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Bildcollage zum Thema Werkstoffe. (Rechte: WDR)

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