Treibsand - Gefahren in der Sandgrube
Gefährliche Grubenränder
An den Rändern von Sand- und Kiesgruben und nahe den steilen Abbauwänden ist besondere Vorsicht geboten, auch wenn nicht überall Warnhinweise aufgestellt sind. Man sollte immer ein Sicherheitsabstand von mehreren Metern einhalten, sonst droht akute Absturzgefahr. Durch die lockere Lagerung und das unterschiedliche Materialgemisch von Sand und Kies können mehrere Kubikmeter Sand durch leichte Erschütterungen ins Rutschen kommen. Wer in diese Lawine gerät, wird schnell verschüttet und kann sich meist nicht mehr selbst befreien.
Treibsand vor der Haustür
Wer denkt, Treibsand kommt nur in Wüsten oder Hollywood-Filmen vor, der irrt gewaltig. Es gibt ihn praktisch direkt vor der Haustür. In Sand- und Kiesgruben, an Flußläufen, an Seen und im Watt. Steckt man erst einmal fest, ist er eine der tödlichsten Gefahren der Natur. Die Basis für die Entstehung von Treibsand ist eine einfache Mischung, die in der Natur fast überall vorkommt: Wasser und feiner Sand. Sand hat ein großes Porenvolumen, das heißt zwischen den einzelnen Körner ist viel Platz. Somit kann Sand viel Wasser aufnehmen. Dabei stützen sich die locker gelagerten Sandkörner gegenseitig ab. Kommt diese Sandfläche durch Betreten oder andere Erschütterungen in Bewegung, tritt das Wasser aus den Porenräumen aus und die Sandkörner verlieren ihren Zusammenhalt: der Sand wird flüssig. Geht ein Mensch über eine solche Fläche, sinkt er nach einigen Schritten unweigerlich ein. In Sekundenschnelle sinken die Sandkörner wieder ab und da das Wasser nicht mehr die Porenräume ausfüllt, wirkt die Sandpackung wie ein Schraubstock. Auch für einen starken erwachsenen Mann ist es unmöglich, sich aus eigener Kraft zu befreien. Es reicht schon ein Einsinken bis zu den Knien, um hilflos in der Falle zu sitzen.
Tod im Treibsand
Warum sterben immer wieder Menschen im Sand? Ganz kann man im Treibsand nicht einsinken, da der Auftrieb des Körpers zu groß ist und man wie auf Wasser schwimmt. Die tödlichsten Gefahren gehen allerdings von den Begleiterscheinungen aus. Aufgestellte Warntafeln sollten daher nicht ignoriert werden, sonst schnappt die Falle zu. Einmal in den eisenharten Griff geraten, schnürt der Druck des Sandes die Blut- und Sauerstoffzufuhr im Gewebe ab. Nach drei Tagen ohne Rettung droht der Tod durch Verdursten, Unterkühlung oder Erschöpfung.
Wer im Watt entlang der Meeresküsten in eine Treibsandfalle gerät, schwebt in einer zusätzlichen Gefahr: dem Tod durch Ertrinken bei einsetzender Flut. In Morecambe Bay im Nordwesten Englands liegen Treibsandfelder, die zu den gefährlichsten der Welt zählen. Bei Ebbe ist es möglich, den langen Weg entlang der Küste durch die Bucht abzukürzen. Das hat schon über 100 Menschen das Leben gekostet. Aus diesem Grund hat die Britische Krone bereits im 15. Jahrhundert die ersten königlichen Wattführer eingesetzt. Es gibt jedoch immer noch Menschen, die deren Dienste nicht in Anspruch nehmen und sich somit in tödliche Gefahr begeben.
Wie kann man der Gefahr entgehen?
Grundsätzlich gilt: Warnungen wie Verbotsschilder, Tipps von Einheimischen und Reiseführern unbedingt Folge leisten. In Sand- und Kiesgruben, Baggerseen, Flußufern- und Meeresküsten niemals alleine gehen und Dritten immer Weg und voraussichtlich benötigte Zeit mitteilen.
Sandbereiche, die an der Oberfläche feucht aussehen, unbedingt meiden. Das gleiche gilt für Sandflächen, die beim Betreten in Schwingung geraten. Denn das ist ein untrügliches Zeichen für eine drohende Gefahr. Wer doch im Treibsand versinkt, sollte sich am Besten ruhig verhalten und auf Hilfe warten. Heftiges Strampeln kann dazu führen, dass man tiefer einsinkt. Doch keine Panik: Man kann nicht ganz einsinken! Speziell ausgerüstete Rettungskräfte verwenden tragbare Planken und Hochdruckdüsen, um die Opfer wieder frei zu spülen. Und Vorsicht bei der Rettung von Eingesunkenen. Schnell steckt man selber im Treibsand fest.
Carl Grevener, Stand vom 29.07.2009







