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Was hat die Lochkarte mit der Seide zu tun ?

Die Lochkarte bereitete den Weg für unsere modernen Computer. Sie war ein frühes mechanisches Speichermedium für Daten - und sie hatte ihren ersten Einsatz in der Seidenproduktion: Ein französischer Seidenweber entwickelte die Lochkarte, weil er nach einem Weg suchte, um auch komplizierte Muster mühelos zu weben. Noch heute werden überall in der Modewelt aufwändige Stoff- und Strickmuster nach ihm benannt: Jacquard-Muster.

Unsere Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.macromedia.com/go/getflashplayer_de

Der Jacquard-Webstuhl (2'10")
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Der Franzose Joseph Marie Jacquard wurde 1752 in Lyon geboren. Er hatte nie eine Schule besucht und sich Lesen und Schreiben vermutlich selbst beigebracht. Sein Vater war Weber an dem damals üblichen Zugwebstuhl und seine Mutter Gehilfin. Anders ging es nicht. An diesem Webstuhl mussten immer zwei Personen arbeiten, ein Weber und ein "Ziehjunge". Jacquard wollte die Webtechnik verbessern und baute 1790 einen Webstuhl mit einer Vorrichtung, die den Ziehjungen überflüssig machte: die Latzenzugmaschine. Es dauerte fast zehn Jahre, bis sie von den Lyoner Seidenwebern erfolgreich eingesetzt wurde. Doch das genügte Jacquard nicht. Er überlegte, wie man die Webtechnik weiter verbessern könnte. Es war nämlich ziemlich mühsam, bei komplizierten Mustern die Fäden der jeweiligen Farbe abzuzählen. Seine Idee: ein Lochkartensystem. Es sollte die Steuerung komplizierter Webmuster übernehmen. 1805 war es so weit: Er stellte seinen neuen "Jacquard-Webstuhl" vor.

Eine Manufaktur mit drei Webstühlen. Auffallend ist das hohe Gerüst über dem eigentlichen, traditionellen Webstuhl. Das ist der Teil, der für die Steuerung des Lochkartensystems verantwortlich ist. Wie eine Hängematte hängt das Lochkartenband über den Köpfen der Weber und sortiert die Kettfäden. (Rechte: akg-images)

Der Jacquard-Webstuhl auf einem Holzstich um 1890

Vergrößern

Für das Lochkartensystem perforierte er das jeweilige Muster in Pappkarten und heftete sie mit Fäden aneinander. Dadurch entstand ein gelenkiges Band ohne Ende. Das lief über eine hölzerne Achse und ließ an den Stellen, wo sich die Löcher befanden, kleine Metallstifte gleiten. Wo kein Loch war, wurden diese Stifte zurückgehalten. Entsprechend dem gelochten Muster wurden am Ende des komplizierten Übertragungsmechanismus die Fäden aufgenommen. Jacquards Lochkartensteuerung nutzte erstmals die binäre Information "0 und 1" für jedes erdenkliche Muster: die Software. Mit ein bisschen Phantasie kann man seinen Webstuhl als den ersten computergesteuerten bezeichnen. Seine Lochkartensteuerung übernahm 1890 der Ingenieur Hermann Hollerith in den USA um Statistiken zu erstellen. Und schließlich nutzte die erste Computergeneration die Lochkarte. Durch die Einführung des Jacquard-Webstuhls wurde Mitte des 19. Jahrhunderts viel Handarbeit überflüssig. Vor allem die Webergehilfen verloren ihre Arbeit. Der Weg zur industriellen Massenproduktion in der Textilindustrie war bereitet.

Auf einem abgefressenen Zweig mit exotisch wirkenden Blüten eines Korallenbaumes kriechen Raupen. Oben links und unten rechts die Schmetterlinge, die aus den Raupen entstehen. Ein kolorierter Kupferstich. (Rechte: akg-images)

Seidenspinner um 1700 von Maria S. Merian gezeichnet

Vergrößern

Wer befreite die Raupe vom Ruf, eine Teufelsbrut zu sein ?

In einer Zeit, in der noch die Meinung herrschte, dass Raupen aus Schlamm entstünden und eine Art "Teufelsbrut" seien, fand Maria Sibylla Merian 1660 als 13-Jährige heraus, dass das nicht stimmen kann. Sie entdeckte nämlich durch genaue Beobachtungen, dass Insekten Entwicklungsstufen durchlaufen: dass Schmetterlinge Eier legen, aus denen Raupen kriechen, die sich verpuppen und daraus wieder Schmetterlinge schlüpfen. Diese so genannte Metamorphose hielt sie in vielen Zeichnungen fest. Sie stellte sich damit gegen den weit verbreiteten Aberglauben, Insekten seien die Vorboten einer Gottesstrafe und riskierte, als Hexe auf dem Scheiterhaufen zu enden. Denn in dieser Zeit fanden noch so genannte Tierprozesse statt, weil man glaubte, dass sich hinter dem teuflischen Getier Seelen von Verstorbenen und Dämonen verbergen. Bei Insektenplagen riet die katholische Kirche zum Exorzismus, der Teufelsaustreibung. Und Hexen, so glaubte man, kämen oft in Gestalt von Schmetterlingen. Als garstige "Butterfliegen" (butterfly) verhexten sie angeblich Milch und Butter und ließen sie schlecht werden.

Maria Sibylla Merian war die Tochter des Kupferstechers Mathäus Merian. Er war berühmt durch Reiseskizzen von Landschaften, Städten und Burgen, die er im eigenen Verlag veröffentlichte. Die künstlerische Begabung hatte Maria Sibylla von ihrem Vater geerbt. Dazu kam noch ihr wissenschaftliches Interesse an Insekten. In Käfigen und Kisten hielt sie die unterschiedlichsten Falter und Raupen in ihrer Wohnung. Sie dokumentierte ihre Beobachtungen in zahlreichen Zeichnungen, Kupferstichen und Büchern wie zum Beispiel "Der Raupen wunderbare Verwandlung und sonderbare Blumennahrung". 1699 unternahm die 52-Jährige eine Forschungsreise, die bis dahin kaum einer gewagt hatte - und erst recht keine Frau: Sie segelte nach Südamerika, nach Surinam. Sie wollte die Schmetterlinge und Raupen des Dschungels erforschen. Zwei Jahre blieb sie dort. Aus den Aufzeichnungen und Skizzen schuf sie ihr Lebenswerk, das in einem prächtigen Band mit dem wissenschaftlichen Titel “Metamorphosis Insectorum Surinamensium“ veröffentlicht wurde.

Bärbel Heidenreich, Stand vom 01.06.2009

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