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Tapisserien - die Geschichte der Bildteppiche

Bildteppiche oder Tapisserien gehörten neben Geschmeide, Juwelen, Tafelgeschirr aus Gold und Silber zu den kostbarsten Besitztümern eines Herrschers. Sie schmückten meist repräsentative Räume wie Versammlungssäle oder Kirchen. Wie in Bildergeschichten erzählen historische Figuren, Symbole und Allegorien von den guten Werken oder Heldentaten des Herrschers beziehungsweise Kirchenfürsten, in dessen Auftrag sie gefertigt wurden.

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Die ersten Hochkulturen

In den ersten Hochkulturen von Babylon bis Ägypten sind Bildteppiche als Schmuck für Zelte, Herrschaftssitze oder Kultstätten bekannt. Sie hatten stets einen repräsentativen Charakter und förderten das Ansehen und die Geltung ihres Besitzers.

Das größte, noch erhaltene Fasten- oder Hungertuch in Deutschland verhüllt im Freiburger Münster den Altarraum. (Rechte: picture-alliance/ dpa)

Das Fastentuch im Freiburger Münster

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In Griechenland wie in Byzanz war die Textilherstellung eine der wichtigsten Aufgaben. Beeindruckend sind die Bildteppiche, die die Hagia Sophia in Byzanz zu Zeiten Kaiser Justinians I. im 6. Jahrhundert schmückten. Auf den Bildteppichen sind Szenen aus dem Neuen Testament neben die guten Taten des Herrschers Justinian I. gestellt.

Bildteppiche sind als Zierde aus Kirchen und Sakralbauten nicht wegzudenken. Im Mittelalter taten sich gerade Frauenklöster, wie zum Beispiel der Benediktinerinnenorden in Lüneburg, in der Fertigung von Altardecken oder Fastentüchern hervor. In Kirchenschiffen dienten die Tapisserien auch als Raumteiler oder zur Verkleidung von offenem Dachgebälk.

Bildteppich einer Pariser Manufaktur mit der Abbildung Konstantin des Großen. Erstellt nach einer Skizze von Peter Paul Rubens (1577-1640). (Rechte: AKG)

Bildteppich mit dem Motiv: "Der Bau Konstantinopels"

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Blütezeit der Tapisserien

Das englische und französische Könighaus sowie hochstehende Kleriker beförderten im ausgehenden Mittelalter die Nachfrage nach diesem kostbaren Wanddekor. Ging der Herrscher auf Reisen, begleiteten ihn seine Tapisserien. Eine wahre Blüte erlebten die Bildteppiche am burgundischen Herzoghof im 15. Jahrhundert. Besonders der burgundische Herzog Philipp der Gute wurde nicht müde immer neue Tapisserien wie Wandbehänge und gewirkte Decken für seine Möbel oder Wappenteppiche für den Altarraum zu erwerben. Zu ihrer Aufbewahrung ließ er extra ein feuerfestes Gewölbe errichten und beauftragte einen eigenen Berufsstand, die "garde de la tapisserie" mit ihrer Pflege. Philipp der Gute verschenkte seine wertvollen Tapisserien auch an Kaiser und Päpste, um sie für seine politischen Absichten zu gewinnen.

Bei zeremoniellen Anlässen oder Staatsbesuchen schmückte man die Festräume des Hofes oder gar ganze Plätze mit den kostbaren Bildteppichen. Die großformatigen Tapisserien befestigte man an Häuserfassaden oder Holzgerüsten. Ziel war es, einen festlichen Rahmen zu schaffen, aber auch seine Gäste zu beeindrucken und seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Zu diesen repräsentativen Zwecken wurden meist Tapisserien mit profanen Themen ausgewählt. Oft zierten Motive aus der antiken Mythologie, Kriegsszenen oder römische Feldherren und Kaiser, allen voran Julius Cäsar oder Trajan, die Bildteppiche. Ebenso wichtig waren auch Bildteppiche mit religiösen Themen, die Christus Leben und Werk, aber auch die Gestalt der Gottesmutter Maria zeigten.

Gobelin nach Raffaels 'Die Schule von Athen' nach. Leinen, Seide und Gold, 500 x 905 cm. (Rechte: AKG)

Wertvoller Gobelin mit Seide und Goldfäden

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Die Herstellung

Tapisserien waren sehr oft Auftragsproduktionen. Im Vertrag zwischen Auftraggeber und Tapisseriehändler, der für die Werkstatt die Konditionen festlegte, wurden die Funktion, das Material und die Größe der Tapisserie bestimmt. War der Wandbehang für einen bestimmten Raum vorgesehen, wurden die Einzelmaße den architektonischen Gegebenheiten angepasst. Auch lag es in den Händen des Auftraggebers, den entsprechenden Maler auszuwählen und mit ihm die Bildmotive festzulegen. Wenn Seide, Gold- oder Silberfäden verwendet werden sollten, erhöhte das den Preis der Tapisserie enorm.

Zuerst wurden die Motive auf einer Leinwand eins zu eins festgehalten. Die Wirkerwerkstätten setzten schließlich die malerische Vorlage ins textile Bild um. Zu den bedeutendsten Zentren der Wirkerei gehören im späten Mittelalter die oberrheinischen Städte Konstanz, Basel, Freiburg im Breisgau und Straßburg. Im 16. Jahrhundert kamen Werkstätten in Flandern und den Niederlanden hinzu.

Sabine Kaufmann, Stand vom 01.06.2009

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Bildcollage zum Thema Werkstoffe. (Rechte: WDR)

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