Euthanasie im Dritten Reich

Euthanasie im Dritten Reich

Die sechs Mordstätten der "T4"-Aktion

Schloss Grafeneck

Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb ist der erste Ort, an dem die Nationalsozialisten geistig behinderte und psychisch kranke Menschen systematisch töteten. Zwischen Januar und Dezember 1940 wurden dort 10.654 Männer, Frauen und Kinder umgebracht.

Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb ist der erste Ort, an dem die Nationalsozialisten geistig behinderte und psychisch kranke Menschen systematisch töteten. Zwischen Januar und Dezember 1940 wurden dort 10.654 Männer, Frauen und Kinder umgebracht.

Sie starben meist noch am Tag ihrer Ankunft in einer Gaskammer, die in einem unscheinbaren Schuppen eingerichtet wurde.

Die meisten Opfer stammten aus dem heutigen Baden-Württemberg, aber auch aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Sie wurden mit dem Zug nach Grafeneck transportiert – oder in einem der berüchtigten grauen Busse.

Anders als Grafeneck war die "Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg" bei Magdeburg von 1940 bis 1943 keine reine Euthanasie-Einrichtung. Es gab zwei Bereiche: Eine Nervenklinik, in der weiter therapiert wurde, und eine Heil- und Pflegeanstalt, in der getötet wurde.

In diesem ehemaligen Krankengebäude der "Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg" bei Magdeburg befand sich die Euthanasie-Anstalt, mit Gaskammer und Krematorium im Keller. Die Öfen waren an den Schornstein der Heizungsanlage der Nervenklinik angeschlossen.

1940 und 1941 wurden im Rahmen der "T4"-Euthanasie-Aktion in Bernburg 9384 Menschen aus psychiatrischen Einrichtungen Nord- und Mitteldeutschlands ermordet. Im ehemaligen Krematorium erinnern heute Fotos an die Opfer.

Auf dem Gelände des Alten Zuchthauses Brandenburg steht heute eine Gedenkstätte für die ersten Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion. Das Alte Zuchthaus hat eine wechselhafte Geschichte als Armenhaus, Gefängnis, KZ und Tötungsanstalt hinter sich. Januar 1940 führten hochrangige NS-Vertreter in Brandenburg an der Havel eine "Probe-Tötung" durch. Dabei fiel die Entscheidung zugunsten des Tötungsverfahrens mit Gas.

Ab Februar 1940 begann in der Anstalt Brandenburg an der Havel die planmäßige Tötung von psychisch Kranken und geistig Behinderten aus Nord- und Mitteldeutschland. Über 9000 Menschen wurden in der Anstaltsscheune auf dem Gelände des Alten Zuchthauses getötet. Sie war zur Gaskammer umgebaut worden.

Das Alte Zuchthaus in Brandenburg an der Havel wurde 1940 zur Tötungsanstalt der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion. Jüdische Anstaltsinsassen machten in der Tötungsanstalt mehr als zehn Prozent der Opfer aus. An der Stelle, an der sich die ehemalige Anstaltsscheune befand, wird der Getöteten heute mit Schautafeln gedacht.

Aus dem Schornstein des Krematoriums der Landesheilanstalt Hadamar bei Limburg an der Lahn steigt Rauch auf. Nach Umbauten Ende 1940 war die Anstalt im Mittelhessischen ebenfalls zu einer Mordstätte der nationalsozialistischen Euthanasie-Aktion umgebaut geworden Zwischen Januar 1941 und März 1945 wurden hier etwa 14.500 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen ermordet.

Einigen der mehr als 10.000 Opfer, die in der Gaskammer der Mordfabrik Hadamar bei Limburg ermordet worden waren, wurden im Sektionsraum die Gehirne entnommen – für "Forschungszwecke".

Die Gaskammer im Keller der Mordstätte Hadamar im Mittelhessischen war wie in den anderen Euthanasie-Anstalten als Duschraum getarnt.

Schauplatz der Euthanasie-Morde in Oberösterreich war das Renaissance-Schloss Hartheim. In Hartheim war 1898 eine Pflegeanstalt für Behinderte unter der Obhut der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul eingerichtet worden. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Schloss 1940 zu einer Euthanasie-Anstalt umfunktioniert. Die Bewohner der Pflegeeinrichtung gehörten dann zu den ersten Opfern der Euthanasie-Aktion.

Zwischen 1940 und 1944 wurden im Schloss Hartheim rund 30.000 Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie psychisch kranke Menschen ermordet. Sie waren teils Patienten aus psychiatrischen Anstalten und Bewohner von Behinderteneinrichtungen und Fürsorgeheimen, teils Häftlinge aus den KZ Mauthausen, Gusen und Dachau sowie Zwangsarbeiter. Demnach töteten die Nationalsozialisten dort während der "T4"-Aktion so viele Menschen, wie in keiner anderen der Euthanasie-Anstalten. Gedenktafeln erinnern heute an einige der Opfer.

Zum Personal, das auf Schloss Hartheim die Tötung von über 18.000 Menschen organisierte und durchführte gehörten bis zu 70 Personen. Das Töten von rund 30.000 Menschen zwischen 1940 und 1944 wurde für sie zur mörderischen Routine. Zahlreiche Aufnahmen zeigen, wie nach Feierabend getrunken und gefeiert wurde.

Ende Juni 1940 nimmt die Vernichtungsanstalt in der Nähe von Dresden ihren Betrieb auf. Ihr Leiter wird Horst Schumann, der zuvor schon die Tötungsanstalt Grafeneck geleitet hat.

Schumann sind vier weitere Tötungsärzte sowie rund 100 weitere Personen unterstellt, zum Beispiel Pfleger, Schwestern und Büromitarbeiter. Die Asche der Opfer lagerten sie auf der Anstaltsdeponie ab – oder schütteten sie einfach hinter dem Haus den Elbhang hinunter. Seit 2000 gibt es am Ort des Geschehens eine Gedenkstätte.

Bis Hitler die systematischen Tötungen einstellen ließ, wurden in der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein 13.720 Menschen in der Gaskammer ermordet. Unter ihnen waren etwa 700 Kinder und Jugendliche.

Stand: 21.11.2017, 09:21 Uhr

Darstellung: