Pompeji

Ruinen Pompejis vor dem Vesuv

Das antike Rom

Pompeji

Der Ausbruch des Vesuvs 79 nach Christus war verheerend. Zwei Eruptionen beendeten das Leben in den römischen Städten Pompeji und Herculaneum schlagartig und endgültig.

Wohlhabende Stadt am Mittelmeer

Aus heutiger Sicht ist diese Katastrophe ein Glücksfall für die Archäologie. Denn der Vulkanausbruch konservierte das römische Alltagsleben der beiden Städte wie eine zeitlich unverfälschte Momentaufnahme für die Nachwelt.

In der Antike galt Pompeji als eine wohlhabende Stadt. Auf einer kleinen Hochebene etwa zehn Kilometer südlich des Vesuv gelegen, bot sich den Bewohnern ein reizvoller Blick auf den Golf von Neapel. Vor den Toren der festungsartigen Stadtmauer mündete der Fluss Sarno ins Meer.

Hier war ein geschäftiger Hafen entstanden, in den regelmäßig Schiffe aus Griechenland, Spanien, Nordafrika und dem Nahen Osten einliefen. Papyrus, Gewürze, Trockenobst und Keramik wurden gegen Wein, Getreide und die bekannte, teure Fischsoße Garum aus der Region getauscht.

Pompeji dehnte sich über eine Fläche von etwa 60 Hektar aus. Die Straßen bildeten dabei das typisch antike Gitternetz. Die gesamte Stadt wurde von einer Mauer mit acht Toren und elf Wachtürmen umgeben. Neben der Sicherheit wurde viel Wert auf Luxus gelegt.

Ein Theater und die Stabianischen Bäder sorgten für Kurzweil der reicheren Bürger. Eine Basilika (römische Prachthalle) diente zugleich als Börse und Gerichtshof. Unweit davon fand sich das Forum (zentraler Platz einer Stadt in der Antike) mit dem Jupitertempel. Eine große Sportanlage war von Säulenhallen und schattigen Platanen umgeben, ein Schwimmbad versprach den Athleten Abkühlung.

Ruinen Pompejis vor dem Vesuv

Ruinen Pompejis vor dem Vesuv

Lebensbedingungen im Pompeji

Die meisten Einwohner Pompejis lebten jedoch in beengten Verhältnissen. Meist bewohnten sie eine Ein- oder Zweizimmerwohnung über einem Laden. Da es weder Herde noch fließendes Wasser gab, kaufte man sein Essen in einer öffentlichen Garküche, einer Art Imbiss der Antike. Das Wasser wurde an öffentlichen Brunnen geholt, die es an jeder Straßenecke gab.

In Pompeji gab es aber auch zahlreiche wohlhabende Bürger. Dokumentiert ist dies durch Ausgrabungen größerer Häuser und Paläste. Ein Beispiel ist das Haus der Vettier. Es ist heute vollständig ausgegraben. Die beiden Kaufleute Vettius Restitutus und Aulus Vettius Convivus müssen auch für heutige Verhältnisse eine Riesensumme für die Ausschmückung ausgegeben haben.

Das Gebäude ist in zwei Hälften aufgeteilt und wird durch einen Garten mit überdachtem Säulengang - einem sogenannten Perystil - verbunden. Mehr als die Architektur beeindrucken aber die Gemälde. Sie stammen vorwiegend aus der Zeit nach dem großen Erdbeben, das die Region 62 nach Christus erschütterte, und bilden eine Pinakothek – in der Antike der Raum des Hauses, in dem Tafelbilder aufbewahrt wurden.

Fresko der Venus in einer Muschel

Fresken zierten die Häuser der reichen Bürger

Der große Ausbruch

Es gab zahlreiche Warnzeichen. Dennoch kam der Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 nach Christus für viele überraschend. Schwarzer Rauch zog in Richtung Stadt, der Himmel verdunkelte sich, und es begann Asche und Bimsstein zu regnen. Panik griff um sich. Einige flohen, andere suchten Schutz in ihren Häusern. Etwa ein Drittel der Bevölkerung kam bei dieser Eruption ums Leben. Die Menschen erstickten oder wurden durch herabfallendes Gestein erschlagen.

Noch verheerender war der zweite Ausbruch am nächsten Tag. Lavamassen drangen in die Häuser ein, und es gab kaum ein Entkommen. Der größte Teil der Opfer wurde bei dem zweiten Ausbruch am 25. August getötet. Von den 20.000 Einwohnern wurden später etwa 2000 gefunden. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass viele Menschen noch flüchten und somit überleben konnten. Die Stadt aber wurde verschüttet und geriet für Jahrhunderte in Vergessenheit.

Gemälde einer Straßenszene in Pompeji während des Ausbruchs des Vesuvs

Am ersten Tag regnete es Bimssteine

Pompeji wird geplündert

Das Wissen um die Städte Pompeji und Herculaneum war nach der Katastrophe 79 nach Christus verloren gegangen. Erst in der Renaissance wurde man auf vereinzelte Funde am Fuß des Vesuvs aufmerksam.

Die Beschreibungen des Archäologen Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) entfachten einen regelrechten Antikeboom. Wer etwas auf sich hielt und es finanzieren konnte, fuhr nach Pompeji, um sich die frühen Ausgrabungen anzusehen. Dabei wurde eher willkürlich nach einzelnen Fundobjekten gewühlt als systematisch gegraben.

War eine Stelle vielversprechend, wurden Löcher gegraben. Anschließend wurden davon ausgehend waagerechte Schächte in das Lavagestein getrieben. Vieles wurde dabei zerstört. Vor allem aber war ein Objekt später selten seinem Fundort zuzuordnen. Das, was für eine Sammlung als wertvoll erachtet wurde, nahm man mit, anderes wurde zerstört. Dabei scheute man sich nicht, ganze Wandgemälde von den Mauern zu lösen und wegzuschaffen.

Gemälde von Johann Jooachim Winckelmann an einem Tisch sitzend

Winckelmann entfachte einen Run auf Pompeji

Systematische Grabungen

Im 19. Jahrhundert erkannte der italienische Monarch Vittorio Emmanuele II. (1820-1878) die Bedeutung der römischen Vergangenheit für Italien. Er setzte sich als erster für eine systematische Forschung ein und berief Giuseppe Fiorelli (1823-1896) zum Leiter der Ausgrabung der antiken Stadt Pompeji.

Von Anfang an bemühte sich der Archäologe Fiorelli darum, Ordnung in die bisher chaotischen Ausgrabungsversuche zu bringen. Er begann, das Gestein horizontal Schicht für Schicht abzutragen. So konnte er ganze Häuser ans Tageslicht bringen und einen Plan der gesamten Stadt rekonstruieren.

Dazu gehörte vor allem eine lückenlose Dokumentation der Fundobjekte, die er mit genauem Fundort und Datum versah und in einem ausführlichen Tagebuch beschrieb. Die meisten Funde beließ Fiorelli an Ort und Stelle. Einmal ausgegraben, versuchte er die Häuser vor Wetter und Dreck zu schützen. Dennoch verloren viele Malereien durch Sonneneinstrahlung unwiederbringlich ihre Leuchtkraft.

Grafische Rekonstruktion der Stadt Pompeji

Durch Fiorelli konnte die Stadt rekonstruiert werden

Die schlafenden Toten

Durch seinen Ordnungssinn und die vorsichtigen Grabungen hat Fiorelli der Nachwelt ein einzigartiges Zeugnis antiker Stadtkultur hinterlassen. Da die Asche des Vulkans die Stadt über die Jahrunderte hinweg so gut konservierte, ist in Pompeji viel mehr erhalten geblieben als in anderen antiken Städten.

Die meisten menschlichen und tierischen Skelette fand Giuseppe Fiorelli unter dem meterhohen vulkanischen Material begraben. Mit der Zeit hatten sich die Körper der Toten zersetzt. In der schnell erkalteten Lava blieben nur die Knochen in einer Hohlform zurück.

Giuseppe Fiorelli kam auf die Idee, diese Hohlräume mit Gips auszufüllen. Nachdem man anschließend das vulkanische Gestein abgeschlagen hatte, entstanden so Skulpturen, die den Todeskampf der Bewohner Pompejis bis heute festhalten. Nur bei wenigen der geborgenen Toten fanden sich ernsthafte Verletzungen. Die meisten Menschen scheinen in ihrem "Gefängnis aus Lava" erstickt zu sein.

Auf einem Bürgersteig in Pompeji liegt der Gipsabdruck einer Leiche

Viele Menschen wurden vom Ausbruch überrascht

Fürs Publikum freigegeben

Bis zu Fiorellis Arbeiten waren die Ausgrabungen in Pompeji eine recht exklusive Angelegenheit. Nur Prominente und gesellschaftlich Hochgestellte konnten sie besuchen. Giuseppe Fiorelli öffnete Teile der Ausgrabungen für die gesamte Öffentlichkeit.

Es war ihm ein Anliegen, dass jedermann Zugang zur römischen Antike bekam. Was er nicht ahnen konnte, war der ständig zunehmende Strom an Touristen, der sich von nun an durch die antiken Straßen drängelte. Durch Verschmutzung, Willkür und den Abrieb tausender Rucksäcke wurden zahlreiche Kunstwerke unwiederbringlich zerstört.

Es fehlt auch zunehmend an Geld, das riesige Areal weiter zu erforschen und die bereits ausgegrabenen Häuser entsprechend zu schützen. Viele Bauten sind nach ihrer Ausgrabung von der Zerstörung bedroht, wenn sie nicht konserviert oder restauriert werden.

2010 stürzten bereits einige Gebäude nach heftigen Regenfällen ein, da sie aufgrund drastischer Kürzungen im Kulturhaushalt nicht mehr vor dem Verfall gerettet werden konnten. Große Teile des Areals sind aus diesen Gründen für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

Zerstörtes Haus in Pompeji

2010 zerstörten Regenfälle einige Gebäude

Autoren: Sven Gummich/Tobias Aufmkolk

Stand: 03.04.2017, 15:13

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