Romulus und Remus

Unter einer stilisierten Wölfin aus Bronze sitzen zwei Säuglinge und trinken an den Zitzen des Tieres.

Das antike Rom

Romulus und Remus

Wurden die Begründer Roms tatsächlich von einer Wölfin aufgezogen?

Die Geschichte von der Gründung Roms ist ein wichtiger Teil der römischen Mythologie: In der Stadt Alba Longa, 20 Kilometer südöstlich des späteren Roms, regiert im 8. Jahrhundert vor Christus König Numitor. Sein machthungriger jüngerer Bruder Amulius stößt ihn vom Thron. Amulius macht Numitors Tochter Rhea Silvia zur Priesterin, um die Geburt eines rechtmäßigen Thronerben zu verhindern.

Zu spät: Rhea Silvia bringt Zwillinge zur Welt. Vater ist laut der römischen Mythologie der Kriegsgott Mars. Als Amulius das erfährt, lässt er Rhea Silvia ermorden und befiehlt, die Kinder im Tiber zu ertränken. Die in einer Kiste im Fluss ausgesetzten Zwillinge treiben jedoch lebend ans Ufer.

Eine Wölfin nimmt sich der Kinder an, schleppt sie in ihre Höhle und säugt sie – so heißt es in der Legende. Die Zwillinge sind Romulus und Remus. Romulus wird später zum legendären Begründer der Stadt Rom.

Kupferstich von Matthaeus Merian: Die Aussetzung von Romulus und Remus

Die Aussetzung von Romulus und Remus

Eine andere Version dieser Geschichte klingt weniger anrührend: Die Zwillinge werden nämlich nicht von einer Wölfin, sondern vom Hirten Faustulus entdeckt. Er vertraut die beiden Kinder einer Frau namens Laurentia an. Man nennt sie aber auch "Lupa", übersetzt "Wölfin".

Nachweislich wird zu dieser Zeit eine Prostituierte Lupa genannt. Die Kinderstube der Zwillinge Romulus und Remus ist darum möglicherweise keine Wolfshöhle, sondern ein sogenanntes Lupanare, ein Bordell.

Die tierische Amme ist jedoch bis heute das Wahrzeichen der Stadt Rom. Die "Mutter des Römischen Imperiums" sollte wohl eher durch ein Raubtier als durch eine Prostituierte symbolisiert werden.

Und so geht die Geschichte weiter: Als die Zwillinge erfahren, was ihr Großonkel ihnen und ihrer Mutter angetan hat, schwören sie Rache. Sie erschlagen den machthungrigen Amulius und verhelfen ihrem Großvater Numitor wieder auf den Thron.

Als Dank dafür dürfen sie an der Stelle, an der sie ausgesetzt worden sind, eine Stadt gründen. Wer von beiden die Stadt beherrschen dürfe, sollen die Götter durch ein Orakel verkünden.

Zunächst erhält Remus auf dem Hügel Aventius ein Zeichen: Die Götter schicken ihm sechs Adler. Bald darauf erhält auch Romulus auf dem Hügel Palatinus ein Zeichen: zu ihm fliegen zwölf Adler.

Die Brüder streiten sich, ob die höhere Anzahl ausschlaggebend sei oder der frühere Zeitpunkt. Man einigt sich auf die höhere Anzahl und Romulus beginnt mit dem Bau der Stadtmauer.

Die Bauarbeiten gehen schleppend voran. Da macht sich Remus einen Spaß daraus, die niedrige Mauer zu überspringen. Romulus fühlt sich provoziert und erschlägt seinen Bruder. Jedem, der die Gesetze Roms missachte, droht er, werde es genau so ergehen.

Der römische Historiker Marcus Terentius Varro (116-27 vor Christus) datierte die Gründung Roms später auf 753 vor Christus. Auch nach Meinung späterer Historiker könnte sich die Zusammenlegung einzelner verstreuter Siedlungen, durch die Rom entstand, tatsächlich um das legendäre Gründungsjahr ereignet haben.

 Die Profile von Romulus und Remus auf einem Relief

Romulus und Remus – zerstrittenes Brüderpaar

Autorin: Bärbel Heidenreich

Stand: 03.04.2017, 13:46

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