Grabungen unter der Stadt – Das Projekt ZeitTunnel in Köln

Methoden der Archäologie

Grabungen unter der Stadt – Das Projekt ZeitTunnel in Köln

  • Köln ist seit mehr als 2000 Jahren ununterbrochen besiedelt, dementsprechend viele archäologische Schichten liegen unter der Stadt
  • Zu jedem neuen Bauprojekt in der Stadt muss ein Archäologe hinzugezogen werden
  • Beim Bau der neuen Kölner U-Bahn-Strecke sind mehr als eine Million Fundstücke zutage gefördert worden

Unter Köln scheint es vor archäologischen Funden nur so zu wimmeln. Während des Baus der Nord-Süd-U-Bahnlinie stießen die Bauarbeiter auf Spuren aus vergangenen Zeiten. Archäologen haben die Gelegenheit genutzt: Während die Bagger schaufelten, gruben sie nach archäologischen Schätzen. Forscher gegen Bagger – ein Wettlauf gegen die Zeit.

Die ersten Siedler: die Römer

Köln blickt auf 2000 Jahre Stadtgeschichte zurück. 58 bis 50 vor Christus besetzten die Heere der Römer Westeuropa. Sie unterwarfen sich die keltischen Stämme, die dort lebten. Ihr Vormarsch endete an der Grenze zu Germanien, am Rhein.

Das linke Ufer war sicher, hier siedelten sich die Neuankömmlinge an. 50 nach Christus ging aus einer der Siedlungen die Metropole Colonia Claudia Ara Agrippinensium hervor, die Stadt Köln. Fast 400 Jahre hatten die Römer hier das Sagen. Davon zeugen viele Mauer- und Gebäudereste, die bis heute erhalten geblieben sind.

Bischofssitz, Universität, Hansestadt – auch nach den Römern verliert Köln nicht an Bedeutung. Die Stadt wird zum Handelszentrum. Der Dom zieht Christen aus aller Welt an. Die Pilgerstätte beherbergt die Reliquien der Heiligen Drei Könige.

Neben der katholischen Kirche hinterlässt auch eine reiche jüdische Kultur des frühen Mittelalters ihre Spuren. Ebenso die französischen Besatzungstruppen Napoleons, die nachfolgende Preußenherrschaft und die Industrialisierung im 19. Jahrhundert.

Rekonstruktion einer Zeichnung: Köln um das Jahr 200 nach Christus.

Die Metropole Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Historische Funde in der Nachkriegszeit

Früher war es üblich, neue Gebäude auf dem Schutt der alten zu errichten. Das war nicht nur in Köln so, auch in anderen Städten wurde das so gehandhabt. Die Städte wuchsen Schicht für Schicht in die Höhe und begruben ihre Vergangenheit unter sich.

Die Bauarbeiter in Köln stoßen daher immer wieder auf Zeugnisse aus vergangenen Zeiten. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg fand man viele archäologische Schätze. Die modernen Hochbauten, die in der Nachkriegszeit errichtet wurden, erforderten tiefe Fundamente.

In einem Parkhaus nahe dem Dom fanden Arbeiter Mauerreste der römischen Befestigungsanlagen. In der Nähe des alten Rathauses entdeckte man ein wunderschönes historisches Gebäude aus der Renaissance und weitere Funde, die zum Teil aus dem Frühmittelalter stammen.

2010 wurde der Platz vor dem Rathaus zur Archäologischen Zone erklärt.

Ein zeitgenössischer Holzschnitt zeigt die Stadt Köln um das Jahr 1530.

Holzschnitt: Köln um 1530

Kein Bauprojekt ohne Archäologen

Ende der 1990er Jahre begannen im Rat der Stadt Köln die Planungen für den Bau der U-Bahn-Trasse, die den Norden mit dem Süden verbinden sollte. Es wurde die zuständige Denkmalbehörde informiert. Ohne deren Genehmigung sind größere Tiefbauarbeiten in der Kölner Innenstadt verboten. Das soll verhindern, dass historische Schätze zerstört werden.

Die neue U-Bahn-Strecke verläuft vier Kilometer mitten durch die Altstadt. Allen Beteiligten war von vorneherein klar, dass hier Funde liegen. Unter der Federführung des Römisch-Germanischen Museums begann die Untersuchung des vorgesehenen Baubereichs.

Der Archäologe Marcus Trier übernahm die Vorplanungen und wurde zum Grabungsleiter ernannt. Es war nicht das erste archäologische Großprojekt, das er betreute.

Auf einer Grabungsstelle sieht man die Ziegelmauerreste eines spätmittelalterlichen Klosters.

Die Reste eines Klosters aus dem Spätmittelalter

Archäologen auf der Baustelle

Mehr als eine Million Fundstücke – so viel würden sie zutage fördern, schätzte Trier. Der Forscher stellte ein Team aus mehr als hundert Fachleuten zusammen, darunter Archäologen, Bauhistoriker, Naturwissenschaftler, Ausgrabungstechniker, Zeichner und Grabungshelfer.

Sie sollten vor allem an den Baugruben für die U-Bahn-Haltestellen arbeiten, auf einer Fläche von mehr als 30.000 Quadratmetern.

In dem U-Bahn-Tunnel selbst konnte das Team nicht forschen. Darin bohrte sich eine Tunnelvortriebsmaschine durch den Boden. Zudem gingen die Forscher nicht davon aus, dass in dieser Tiefe mit Funden zu rechnen war.

In einer Baugrube wird die riesige Tunnelvortriebsmaschine zusammengebaut.

Eine Tunnelvortriebsmaschine vor dem Einsatz

Ein Wettlauf gegen die Zeit

2003 begannen die Grabungen. Die Archäologen wollten die historischen Schätze bergen, bevor sie den Baggern der Bauarbeiter zum Opfer fielen. Ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Grabungsarbeiten führten zu Verzögerungen des U-Bahn-Baus. Zudem stiegen die Kosten. Einige Grabungsstellen nahmen unerwartet immer mehr Fläche ein.

Das Forscherteam legte die Fundstücke in Feinarbeit frei, während in der Stadt das normale Treiben weiterging. 2012 endete das größte Archäologieprojekt in der Geschichte Kölns.

Die Archäologen untersuchten während dieser Zeit 150.000 Kubikmeter Erdreich, in drei Schichten rund um die Uhr. Das Ergebnis: 2,5 Millionen Fundstücke.

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 10.05.2017, 13:47

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