Heinrich Schliemann – Entdecker Trojas

Heinrich Schliemann, aufgenommen Ende der 60er Jahre des 19. Jahrhundert.

Troja

Heinrich Schliemann – Entdecker Trojas

Homers Epos vom trojanischen Krieg hat seit Jahrtausenden die Menschen beschäftigt. Aber wenn an der Sache etwas dran war, wo sollte das geheimnisvolle Troja sein?

Ein genialer Geschäftsmann

Erst im 19. Jahrhundert gelang es einem deutschen Kaufmann, der mit Geschäften in Russland und dem kalifornischen Goldrausch in den USA ein Vermögen gemacht hatte, dem Ort Troja auf die Spur zu kommen. Sein Name: Heinrich Schliemann.

Heinrich Schliemann ist 46 Jahre alt und bereits ein gemachter Mann, als er im Jahr 1868 eine Bildungsreise auf den Spuren der griechischen Antike unternimmt. Diese führt ihn auch an die Westküste Anatoliens, wo er drei Jahre später mit der Ausgrabung Trojas beginnen wird.

Der junge Schliemann muss ein ebenso gerissener wie hochbegabter Geschäftsmann gewesen sein. Er entstammt einer in Mecklenburg ansässigen Pfarrersfamilie, in die er als fünftes Kind hineingeboren wird.

Doch sein Vater kann das Geld für den höheren Schulbesuch des begabten Heinrich nicht aufbringen. Schliemann geht bei einem Kaufmann in die Lehre und beginnt seine Karriere als Geschäftsmann.

Ausgrabungen 1870-1882 unter Heinrich Schliemann. Holzstich aus: Heinrich Schliemann: Ilios, Stadt und Land der Trojaner, Leipzig 1881

Ausgrabungen unter Heinrich Schliemann

In Russland erzielt der junge Heinrich enorme Gewinne durch den Handel mit dem Farbstoff Indigo und des für die Herstellung von Pulver benötigten Salpeters. In Kalifornien wird er Jahre später sein Vermögen in den ungestümen Zeiten des Goldrauschs vervielfachen.

Schliemann, inzwischen mehrfacher Millionär, kann sich nun auf ausgedehnten Reisen seinem Bildungshunger widmen und ausgiebig die geliebten Studien der Antike betreiben. Schliemann klammert sich an Homer: Er ist überzeugt, durch die geografischen Angaben in den Epen die längst in Vergessenheit geratene Stadt lokalisieren zu können. Er sollte Recht behalten.

Schliemanns Quelle: Homer

Die Welt feiert Schliemann als Entdecker Trojas, doch es war der britische Diplomat Frank Calvert, der den Hügel Hisarlik südwestlich der Stadt Burnabaschi als möglichen Standort des alten Troja identifizierte.

Zinnfiguren stellen den Trojanischen Krieg nach

Trojaner gegen Griechen

Es ist ein geschichtsträchtiger Zufall, dass Schliemann auf seiner Bildungsreise im Jahr 1868 auf Frank Calvert trifft. Dieser ist gerade im Begriff, die Anhöhe von Burnabaschi zu verlassen, wo er Troja vermutete.

Am 15. August 1868 verpasst Schliemann an den Dardanellen den Dampfer nach Istanbul und kommt mit Calvert ins Gespräch, der seit Jahren akribisch den Hinweisen rund um den Hisarlikhügel herum gefolgt ist, in der Überzeugung, auf das antike Troja gestoßen zu sein.

Calvert kaufte Land rund um den Hisarlik auf und begann sogar mit ersten Grabungen, die jedoch wortwörtlich im Sande verliefen.

Calverts Mittel sind am Ende und so versucht er, Schliemann zu überzeugen, eigene Grabungen dort vorzunehmen. Der Deutsche nutzt Calvert als Informationsquelle aus und gibt bald die Entdeckung Trojas sowie die Idee dort zu graben als die seine aus.

Erste Ausgrabungen in Troja

Im Jahr 1871 erhält Schliemann die Ausgrabungslizenz und beginnt, in Hisarlik zu graben. Er schlägt eine große Schneise quer durch die Anhöhe, die aus heutiger Sicht Archäologen Tränen in die Augen treibt. Als Schliemann-Graben geht der 40 Meter lange, 20 Meter breite und 17 Meter tiefe Kanal in die Geschichte ein.

Obwohl sich Schliemann wie ein Besessener durch den Hügel wühlt, sind seine Erfolge zunächst bescheiden. Resigniert kündigt er im Mai 1873 an, die Ausgrabungsarbeiten am Hisarlik-Hügel einzustellen. Da entdeckt er einen kupfern schimmernden Gegenstand am Fuße einer Umfassungsmauer.

Schnell erkennt Schliemann, dass er einer unglaublichen Sensation auf der Spur ist. Geschickt gelingt es ihm, seine Arbeiter abzulenken. Mit seiner jungen Frau legt er einen der prunkvollsten Schätze der Antike frei, den Goldschatz des Priamos, wie Schliemann ihn sogleich tauft.

Szene aus deZeichnung von Goldchmuck und Kopfgehänge aus Troja

Der "Schatz des Priamos"

Schliemann schmuggelt die Beute entgegen den Abmachungen mit der Regierung des Osmanischen Reiches außer Landes nach Berlin, wo er ihn "dem Deutschen Volke" schenkt und zugänglich macht.

Während des Zweiten Weltkriegs fällt der Schatz des Priamos der Roten Armee als Kriegsbeute in die Hände. Ein halbes Jahrhundert gelten die unschätzbaren Kostbarkeiten als verschollen, bis die russische Regierung die Verwahrung des Schatzes im Moskauer Puschkin-Museum bestätigt.

Mit der Hebung des Schatzes hat Schliemann sein Ziel erreicht, die Welt schaut auf ihn und seine Ausgrabungen. Selbst in wissenschaftlichen Kreisen erntet er endlich die Anerkennung, die ihm so lange versagt geblieben war. Doch Schliemann beschränkt sich bei seinen archäologischen Unternehmungen nicht nur auf Troja, er gräbt auch in Mykene.

Wieder ist Homer der Vater des Gedankens, wieder wird Schliemann fündig und fördert eine prächtige mykenische Totenmaske aus Gold zutage. Für ihn der Beweis, dass Homers Erzählungen auf einer wahren Begebenheit beruhen. Die Goldmaske kann nur die Maske des mykenischen Heerführers Agamemnon sein.

Ironie der Geschichte

Goldene Gesichtsmaske.

Die Maske des Agamemnon

Heinrich Schliemann stirbt im Jahr 1890. Es bleibt ihm nicht erspart, im letzten Jahr seines Lebens erkennen zu müssen, dass es nicht den "Schatz des Priamos" gefunden hatte. Der von ihm entdeckte Goldschmuck ist rund 1250 Jahre älter als das von Homer beschriebene Troja. Es ist der Schatz einer Hochkultur, die um das Jahr 2500 vor Christus lebte.

Und auch die Goldmaske des Agamemnon stammt nicht aus der Zeit des trojanischen Krieges. Sie war die Bestattungsbeigabe an einen mykenischen Fürsten, der rund 300 Jahre vor dem berühmten Herrscher der Griechen – falls es ihn je gegeben haben sollte – in Mykene lebte und starb. Doch obwohl Schliemann sich bei der Einordnung seiner Funde irrte, ist er bis heute einer der berühmtesten Archäologen der Welt.

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 20.01.2015, 13:00

Darstellung: