Leben in der DDR

Das Wappen der DDR.

DDR

Leben in der DDR

40 Jahre lang existierte die Deutsche Demokratische Republik (DDR) neben der Bundesrepublik Deutschland (BRD) als zweiter deutscher Staat, getrennt durch bewachte Grenzen und Mauern. Laut Verfassung waren in der DDR alle Bürger gleich. Der Staat übernahm Großteile des Privateigentums und verstaatlichte die Wirtschaft. Es galt das Prinzip des Sozialismus. Die SED, die einzig regierende Partei, kontrollierte alle Lebensbereiche, von der Ausbildung der Kleinkinder über die Freizeitgestaltung bis hin zur Arbeitsplatz- und Wohnungswahl. Wer sich der Partei in den Weg stellte, wurde überwacht und verfolgt.

1949: Die Gründung der DDR

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 beschlossen die Siegermächte Frankreich, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion auf der Konferenz von Jalta in der Ukraine, das deutsche Staatsgebiet in vier Besatzungszonen aufzuteilen. Zudem bekam jede Besatzungsmacht jeweils einen Teil der Hauptstadt Berlin. Das Ziel war es, den Nationalsozialismus zu beenden und die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen.

Karte der sowjetischen Besatzungszone.

Die Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg

Schon nach zwei Jahren war das Verhältnis zwischen den Ost- und Westmächten gespalten. Die Sowjetunion verfolgte eine aggressive Politik und war bemüht die eigene Weltanschauung gen Westen zu verbreiten. Vor allem die USA verfolgten diese Entwicklung mit Misstrauen. Der Kapitalismus und der Kommunismus – beides schien unvereinbar. Bereits im März 1946 sprach der britische Premierminister Winston Churchill von einem "Eisernen Vorhang", der den Westen vom Osten trenne. Ein Jahr später beschlossen die USA mit dem Marshallplan den Kommunismus in Europa einzudämmen. Der Kalte Krieg begann.

Am 7. Oktober 1949 wurde die sowjetische Besatzungszone (SBZ) schließlich offiziell zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Das Gebiet umfasste die heutigen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Thüringen, Sachsen sowie Ost-Berlin. Der neue Staat pflegte weiterhin eine enge Beziehung zur Sowjetunion, war aber nun ein eigenständiger Staat mit eigener Regierung und Wirtschaft.

Die Sowjetunion als Vorbild

Die DDR wurde nach sowjetischem Vorbild zum sozialistischen Staat erklärt. Das bedeutete etwa, dass sämtliches Privateigentum, vor allem Geschäfte und Unternehmen, aber auch Mietshäuser in staatlichen Besitz übergingen. Jegliche Produktion von Waren und Gütern wurde vom Staat kontrolliert.

Wie die Wirtschaft war auch die DDR-Politik zentral geregelt. Herrschende Partei war allein die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Diese ging auf Drängen der Sowjetunion aus einer Zwangsvereinigung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) hervor. Wilhelm Pieck (KPD) wurde erster Staatspräsident, Otto Grotewohl (SPD) Ministerpräsident.

Nach Verfassung waren neben der SED noch vier weitere Parteien zugelassen: die Christlich-Demokratische Union (CDU), die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD), die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD).

Nach außen hin schien es, als verfolgte jede dieser Parteien eine eigene politische Richtung. Sie hatten jedoch kein eigenes Parteiprogramm. Alle waren der SED unterstellt. Ihre eigentliche Aufgabe war es, systemkritische Bürger anzusprechen, also Bürger, die mit der politischen Ausrichtung der SED wenig anfangen konnten. Identifizierten sich diese stattdessen mit den kleineren Parteien, bekam die SED indirekt die Unterstützung, die sie haben wollte.

Diktatorische Staatsführung

Die SED war streng hierarchisch aufgebaut. Zu den unteren und mittleren Ebenen gehörten etwa Bezirks-, Stadt- und Gemeinderäte. Wichtige Ämter in den Bereichen Wirtschaft, Bildung, Kultur und Sicherheit gehörten zur Parteiführungsspitze, der Nomenklatura. Diese war das eigentliche Machtzentrum der DDR.

Das Parteilogo der SED

Die SED: Einzige Partei der DDR

Zwar hatten alle Mitglieder der Partei das Recht, die Führungsspitze der SED zu wählen. Die Nomenklatura bestimmte jedoch, welche Kandidaten für die offenen Posten überhaupt infrage kamen. Die Mitglieder in den unteren Gremien hatten weder die Möglichkeit Kandidaten vorzuschlagen noch sich selbst als Kandidat zur Wahl zu stellen. Die Wahl war damit zwar möglich, aber stark eingeschränkt. Die Partei verlangte darüber hinaus von den unteren Gremien bedingungslose Parteitreue. Die Mitglieder mussten den Beschlüssen der Führungsebene zustimmen. Wer Widerstand leistete, wurde innerhalb der Regierung nicht geduldet.

Die Bürger in der DDR konnten die Politik des Staates kaum beeinflussen. Freie Wahlen gab es nicht. Jeder Wahlberechtigte erhielt einen Wahlzettel mit einer Liste, auf dem die Kandidaten der SED vorgestellt wurden. Wer einen Zettel unausgefüllt abgab, stimmte den Kandidaten zu. Es bestand die Möglichkeit, Kandidaten auf der Liste zu streichen und damit abzulehnen. Die Wahl war meist öffentlich. Jeder, der wollte, konnte sehen, ob ein Wähler der Liste zugestimmte oder nicht. Wer die Wahlkabine aufsuchte, machte sich mancherorts verdächtig. Die SED übte so Druck auf die Wähler aus.

Die Köpfe der Partei

Erich Honecker (links) und Walter Ulbricht winkend bei der Parade am 1. Mai 1972.

Die Spitze der SED: Walter Ulbricht und Erich Honecker (links)

Erich Honecker und Walter Ulbricht zählten zu den bekanntesten Politikern in der DDR. Ulbricht war von 1950 bis 1971 Generalsekretär der SED und damit mächtigster Mann im Staat. Sein Hauptanliegen war es, den Sozialismus in der DDR zu etablieren und zu festigen. Als Anfang der 1960er Jahre immer mehr Menschen das Land verließen und in den Westen gingen, musste Ulbricht etwas unternehmen, um die Menschen im Land zu halten.

Von ihm stammt zwar der Satz "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten". Der Mauerbau fiel dennoch in seine Amtszeit. 1971 musste Ulbricht zurücktreten, ihm fehlte die Unterstützung innerhalb der Regierung.

Honecker löste Ulbricht ab. Er bemühte sich darum, die Beziehungen des Staates zum Rest Europas und den Vereinten Nationen zu verbessern. Auch das Verhältnis zur BRD besserte sich unter Honecker. An der Ideologie des Sozialismus hielt er fest, was die Beziehungen zum Nachbarn komplizierte. Trotz vieler Reformen gelang Honecker nicht, aus der DDR einen Staat mit stabiler Wirtschaft zu machen. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung wuchs. Anhaltende Massenproteste zwangen Honecker am 18. Oktober 1989 schließlich zum Rücktritt.

Die verstaatlichte Wirtschaft war zu unflexibel

In der freien Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage den Markt. In der DDR war das anders, hier regelte der Staat die Wirtschaft. Die SED verstaatlichte die Industrie- und Handelsunternehmen. Agrarbetriebe wurden kollektiviert und zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammengeschlossen. Die Staatliche Plankommission (SPK) erstellte Fünfjahrespläne. Die Kommission hielt darin fest, wie viele Güter gebraucht wurden, um die DDR-Bürger zu versorgen.

Die Parteiführung entschied anhand des Fünfjahresplanes, wie viele Rohstoffe die Unternehmen für die Produktion brauchten, wie viele Arbeiter sie beschäftigen sollten und wie hoch deren Lohn zu sein hatte. Auch der Preis des Endproduktes wurde vorgegeben. Die Unternehmen mussten sich strikt an diesen Volkswirtschaftsplan halten. Das schränkte die Wirtschaft ein, sie war dadurch nur wenig flexibel. Änderte sich das Konsumverhalten der Bürger, konnte der Markt darauf nur langsam reagieren.

Fünf Pfennig für ein Brötchen, 18 Mark für Ananas

Menschen stehen vor einem Supermarkt Schlange.

Schlangestehen gehörte zum Alltag

Viele Betriebe im Groß- und Einzelhandel sowie in der Gastronomie lagen in der Hand des Staates. Sie wurden von der Handelsorganisation (HO) oder der Konsumgenossenschaft betrieben. Der Staat subventionierte die Lebensmittel- und Bekleidungsindustrie und garantierte eine Grundversorgung zu Fixpreisen. So kostete etwa ein Brötchen mehr als 40 Jahre lang fünf Pfennig. Nicht mehr, nicht weniger.

Produkte aus dem Westen und Importware wie Kaffee, Kakao und Bananen waren hingegen teurer als Grundnahrungsmittel und zudem seltener in den Geschäften. Läden wie "Delikat" oder "Exquisit" boten hochwertige Luxusartikel, Lebensmittel und Kleidung an. Die Preise dafür waren hoch. So bezahlten die Menschen für eine Dose Ananas mitunter 18 Mark, für ein Hemd 150 Mark.

In Intershops konnten die Bürger Westwaren kaufen, die in der DDR selten waren, darunter Schallplatten, Goldschmuck und Genussmittel. Zoll mussten sie dafür nicht bezahlen, sie bezahlten in D-Mark oder anderen Währungen Westeuropas. Auf Luxusartikel wie Elektrogeräte und Autos mussten die Käufer oft mehre Jahre warten. Die Wartezeit für einen Trabi lag bei bis zu zwölf Jahren.

Trotz sorgfältiger Planung kam es immer wieder zu Versorgungsengpässen in der DDR. Besonders importierte Waren wie Südfrüchte, Kakao und Zucker waren oft nur in geringen Mengen verfügbar. Die Menschen mussten sich dann schon früh am Morgen in lange Schlangen einreihen und warten, um sie einkaufen zu können. Nicht selten waren die Waren ausverkauft, wenn sie endlich an der Reihe waren. Viele kauften daher gleich auf Vorrat. Auch Lebensmittel wie Brot und Fleisch waren hie und da schon kurz nach Mittag aus.

Autorin: Wiebke Ziegler

Stand: 02.08.2016, 11:00

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