Alltag in der DDR

Arbeiter in einer Büromaschinenfabrik.

Das Leben in der DDR

Alltag in der DDR

Erziehung, Berufswahl, Wohnungssuche – die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) hatte in vielen Belangen die Finger im Spiel. Die Partei wachte über die Menschen in der DDR. Das Leben eigenständig und frei zu führen, war oft kaum möglich. Im Kindergarten wurde bereits den Kleinen die Ideologie des Sozialismus eingeimpft, der Arbeitsplatz wurde einem zugewiesen und auch die Wohnung.

Kinder und Beruf waren gut vereinbar

Das Leben in der DDR war von der Geburt bis zum Einstieg ins Berufsleben durchgeplant. Frauen waren ebenso wie Männer berufstätig. Nur wenige Betriebe boten Halbtagsstellen an. Die Kleinkinder kamen schon mit dem ersten Lebensjahr in die Kinderkrippe. Jedem Kind stand ein Platz in der Ganztagsbetreuung zu.

Sozialismus einimpfen: Die Kleinen für sich gewinnen

Drei Betreuerinnen kümmern sich unter freiem Himmel um Kleinkinder

Kinderbetreuung in der DDR

Mit drei Jahren wechselten die Kinder von der Krippe in den Kindergarten. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr bereiteten die Erzieherinnen sie hier auf die Schule vor. Außerdem sollten die Kinder schon von klein auf zu guten Sozialisten und Patrioten ausgebildet werden. Schon die ganz Kleinen sollten sich mit der SED identifizieren. Das Bildungssystem war darauf ausgelegt, allen Kindern die gleiche Ausbildung zu ermöglichen. Für die Erziehungsarbeit in den Kindergärten und in den Schulen gab es feste Lehrpläne, an die Erzieherinnen sich halten mussten.

Im Alter von sechs Jahren kamen die Kinder in die allgemeinbildende Polytechnische Oberschule (POS), an der sie bis zur zehnten Klasse blieben. Von zehn Schülern machten acht bis neun eine Berufsausbildung. Nur wenige studierten. Die Plätze wurden nach bestimmten Kriterien vergeben: Wer sehr gute Noten schrieb, hatte Chancen auf ein Studium. Es half, sich in der Politik oder in der Gesellschaft engagieren. Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt konnte den Zugang zum Studium beeinflussen. Jugendliche, deren Eltern Christen oder Oppositionelle waren, hatten eher geringe Aussichten auf einen Studienplatz.

Für Frieden und Sozialismus seid bereit

Jungpioniere in Uniform beim Essen.

Jungpioniere in Uniform

Mit Eintritt ins Schulleben wurde jeder Schüler automatisch in die Pionierorganisation Ernst Thälmann aufgenommen, einer Unterorganisation der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Das Ziel der Organisation war es, die Kinder zur Parteitreue zu erziehen. In der Schule begann fast jede Unterrichtsstunde mit den Parolen der Pioniere. Die ersten Jahre bei den Pionieren dienten dazu, die Kleinen im Alter von sechs bis 13 Jahren auf Mitgliedschaft in der FDJ vorzubereiten.

Das Jugendgesetz schrieb die Mitgliedschaft vor – bis zum 25. Lebensjahr. Die Entscheidung, Pionier zu werden, wurde offiziell gerne als persönliche Entscheidung dargestellt. Eine Karriere war ohne Mitgliedschaft kaum möglich. Die Jungpioniere übernahmen unter anderem gemeinnützige Aufgaben, sie reinigten öffentliche Plätze und pflegten alte Menschen. Die FDJ betrieb zudem Diskotheken, organisierte Freizeit- und Sportveranstaltungen und sendete ein eigenes Jugendprogramm im Fernsehen und im Radio.

Die Jugendweihe

Eine Gruppe von Schülern hält die Urkunde für die Jugendweihe hoch.

Aufgenommen in den Kreis der Erwachsenen

Das Politbüro der SED beschloss 1954 die Einführung der Jugendweihe. Sie sollte Ersatzritual für kirchliche Feiern wie Kommunion und Konfirmation sein. Den Kirchen sollte damit auch gleichzeitig die Möglichkeit genommen werden, Jugendliche durch diese feierliche Zeremonie für sich zu gewinnen. 1955 fanden die ersten Weihen statt. Die Jugendlichen ab der achten Klasse wurden damit in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Oder politisch ausgedrückt: Sie waren nun Teil der großen Gemeinschaft des werktätigen Volkes.

Schon Wochen vor dem eigentlich Termin bereiteten sich die Teilnehmer darauf vor. In der Regel gab es einen speziellen Unterricht, in dem die Geschichte der Arbeiterbewegung und die Entwicklung des sozialistischen Gesellschaftssystems erläutert wurde. Zur Feier selbst gehörte ein Festprogramm mit Musik, einer Ansprache, der Überreichung einer Urkunde sowie dem Gelöbnis. Die Jugendlichen gelobten, sich für die Sache des Sozialismus einzusetzen, den Bruderbund mit der Sowjetunion zu vertiefen, im Geiste des proletarischen Internationalismus zu kämpfen, den Frieden zu schützen und den Sozialismus gegen jeden imperialistischen Angriff zu verteidigen.

Arbeiten im Kollektiv

Frauenbrigade in der DDR.

In der Gruppe stark

Die DDR verstand sich selbst als ein Staat der Arbeiter und Bauern. So stand es in der Verfassung. Für jeden Bürger galt per Gesetz das Recht auf Arbeit. Jeder Schulabgänger konnte sicher sein, einen Ausbildungsplatz und anschließend einen Arbeitsplatz zu finden. Gleichzeitig bestand jedoch auch die Pflicht zur Arbeit. Wer nicht arbeitete, musste mit einer Geldstrafe rechnen, im schlimmsten Fall mit einer Gefängnisstrafe.

Die Arbeit kam in der DDR vor allem anderen. Es ging hierbei nicht bloß um die Erfüllung des Volkswirtschaftsplans. Die Arbeiter waren in Brigaden organisiert. Für viele waren die Mitglieder der eigenen Brigade der engste Freundeskreis. Ein Mensch könne seine Fähigkeiten am besten in der Gruppe entfalten – das war ein Grundprinzip des Sozialismus. Im Kollektiv zu arbeiten, unterstrich den Gedanken der Solidarität und des Zusammenhalts. Konkurrenz gab es nicht, zumindest in der Theorie.

In diesem System war es vor allem wichtig, das Pensum an Arbeit in einer bestimmten Zeit zu bewältigen. Alle Arbeitskräfte, die verfügbar waren, wurden eingesetzt. Nach einer Statistik der Konrad Adenauer Stiftung war 1989 etwa die Hälfte der Gesamtbevölkerung in der DDR berufstätig, 8,47 Millionen Menschen. Von den Frauen waren 91,2 Prozent erwerbstätig, in der BRD nur etwa 50 Prozent. Der DDR-Bürger arbeitete im Schnitt 43,5 Stunden pro Woche, Schichtarbeiter 40 Stunden.

Dass so viele Frauen in der DDR ganztags im Beruf waren, lag an der familienverträglichen Politik. Mütter bekamen nach der Geburt bis zu ein Jahr lang Geld vom Staat. Ab dem ersten Lebensjahr stand jedem Kind ein Betreuungsplatz zu. War das Kind krank, wurde eine Mutter umgehend von der Arbeit freigestellt. Alleinstehende standen unter besonderem Kündigungsschutz.

60 Quadratmeter für eine vierköpfige Familie

Plattenbauten in der DDR.

Eine Plattenbausiedlung in der DDR

Nach dem Krieg gab es nur wenige Wohnungen, viele Häuser waren ganz zerstört oder nur teilweise bewohnbar. Ein Großteil der Mietshäuser war zu Beginn der 1950er Jahre verstaatlicht worden und für Neubauten sorgte allein der Staat, er regelte den Wohnungsmarkt. Wer wann wohin umziehen durfte, entschied das zuständige Amt für Wohnungswesen.

Die Wohnungen wurden nach verschiedenen Kriterien zugeteilt. So war unter anderem entscheidend, wie dringend der Umzug war und wie viel Platz der Antragssteller bisher zur Verfügung hatte. Einem Vierpersonenhaushalt standen etwa 60 Quadratmeter zu. Viele warteten oft mehrere Monate auf eine neue Immobilie.

Viele Wohnhäuser waren in einem desolaten Zustand, vor allem die Altbauten. Nur wenige Wohnungen verfügten über ein Bad oder Warmwasser. Es mangelte an Arbeitskräften, um die Häuser umfassend zu sanieren. Die Mieten waren staatlich festgelegt: Nach Angaben der Konrad Adenauer Stiftung lagen sie zwischen 30 bis 50 Pfennig pro Quadratmeter für Altbauten und einer Mark pro Quadratmeter für Plattenbauten. Den Hausbesitzern war es verboten, sich durch die Mieteinnahmen zu bereichern. Vielen fehlte das Geld für eine Renovierung.

Freizeit, Kultur und Sport

Olympiamannschaft der DDR beim Einzug ins Olympiastadion 1972.

Die DDR bei den Olympischen Spielen 1972

Kino, Theater und Museen – das Freizeitangebot in der DDR war vielfältig. Systemkritische Inhalte waren jedoch untersagt, sie wurden vor ihrer Veröffentlichung zensiert. Freizeitaktivitäten dienten der sozialistischen Bildung. Was nicht den Grundsätzen der SED-Regierung entsprach, wurde abgesägt. An Literatur jenseits von Abenteuerromanen und Reiseberichten war kaum heranzukommen. Wer Westliteratur oder anti-sozialistische Literatur lesen wollte, konnte dies – wenn überhaupt – nur unter Aufsicht tun.

Der Sport hatte in der DDR einen hohen Stellenwert. Kinder und Jugendliche traten in Wettkämpfen regelmäßig gegeneinander an. Wer Talent besaß, wurde an einer Sportschule gefördert und zum Leistungssportler trainiert. Die SED beeinflusste auch den Sport. Erfolge wie die Olympia-Medaillengewinne von 1980 in Moskau bedeuteten für die DDR immer auch einen Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus.

Autoren: Wiebke Ziegler/Andrea Oster

Stand: 02.08.2016, 11:00

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