Die Stasi

Schauspieler Ulrich Mühe bei einem Lauschangriff auf seine Nachbarn (Bild aus: "Das Leben der Anderen").

Das Leben in der DDR

Die Stasi

Bespitzelung, Überwachung, Unterdrückung – die Stasi war die Kehrseite der DDR. Die Kehrseite eines Staats, der Gleichheit und Solidarität propagierte. Jeder, der sich gegen die Regierung stellte, musste damit rechnen, von der Stasi verfolgt und überwacht zu werden. Sie stand der SED-Führungsspitze nahe und handelte weitgehend autark, wenn es darum ging, verdächtige Regimegegner auszuschalten.

Die Stasi: Schild und Schwert der Partei

Am 5. Februar 1950 wurde das Ministerium für Staatssicherheit, die Stasi, gegründet. Es galt als das "Schild und Schwert" der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Die Aufgabe der Stasi war es, jegliches Verhalten zu unterbinden, das der Regierung gefährlich werden konnte. Egal wie. Minister für Staatssicherheit war zunächst Wilhelm Zaisser (1950 bis 1953), gefolgt von Ernst Wollweber (1953 bis 1957). Bekanntester und längster Amtsinhaber war Erich Mielke, der die Arbeit der Stasi von 1957 bis 1989 koordinierte. Er veranlasste, dass ein umfassendes Überwachungssystem in der DDR eingerichtet wurde.

Die zentrale Dienststelle des Ministeriums für Staatssicherheit war in Berlin angesiedelt. Daneben gab es viele kleinere Bezirks- und Kreisverwaltungen, die unter anderem Schulen, Kirchen, Betriebe und die Polizei überwachten. 1989 zählte das Ministerium mehr als 90.000 hauptamtliche Mitarbeiter. Hinzu kamen schätzungsweise 189.000 Mitarbeiter, die inoffiziell agierten (Quelle: Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik). Die Stasi überwachte somit fast alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens.

Stasi-Agenten arbeiteten mit ausgefeilten Methoden

Knopflochkamera der Stasi.

Ausgefeilte Spionagetechnik: die Knopflochkamera

Die Stasi-Mitarbeiter missachteten Menschen- und Persönlichkeitsrechte, um Personen systematisch zu bespitzeln. Sie überwachten die Systemkritiker, kontrollierten ihre Post, hörten Telefonate ab und verschafften sich unerlaubt Zutritt zu ihren Wohnungen. Ihr Ziel: alles über das Leben des Betroffenen zu erfahren. Die Stasi-Mitarbeiter verbreiteten Gerüchte, um Beziehungen zu Freunden und Kollegen zu belasten. Sie erzählten diesen etwa, dass der Betroffene alkoholabhängig, homosexuell oder rechtsextrem sei – oder dass er Kontakte zur Stasi pflege.

Halfen die Einschüchterungsversuche nicht, gingen die Experten von der Staatssicherheit noch einen Schritt weiter. Sie wendeten Gewalt an, beschädigten Wertgegenstände oder attackierten den Betroffenen selbst. Die Stasi-Mitarbeiter erteilten Hausverbote oder beschlagnahmten den Personalausweis, um eine Ausreise zu verhindern. Alle diese Maßnahmen sollten Systemkritiker einschüchtern.

Möglich war das nur, weil es keine Gewaltenteilung gab, wie sie etwa in der Bundesrepublik Deutschland im Grundgesetz verankert ist. Alle Gewalt ging vom Staat aus. Wer sich dem Staat widersetzte, war eine Bedrohung für das System.

Die Stasi vernichtet wichtiges Beweismaterial

Als die SED zusammenbrach, endete auch die Ära der Stasi. Das Ministerium für Staatssicherheit wurde zwar am 17. November 1989 zunächst umbenannt in Amt für Nationale Sicherheit. Lange halten konnte sich dieses jedoch nicht. Bereits einen Monat später wurde das Amt aufgelöst. Tausende von Bürgern stürmten in jener Zeit die ehemaligen Dienststellen der Stasi, um noch vorhandene Akten sicherzustellen. Den Stasi-Mitarbeitern gelang es dennoch vorher, einen Großteil der Akten zu vernichten.

Das Bundesamt für Stasi-Unterlagen klärt die Fälle

Am 3. Oktober 1990 wurde der damalige Pfarrer und spätere Bundespräsident Joachim Gauck von der Bundesregierung zum Sonderbeauftragten für Stasi-Unterlagen ernannt. Die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen (BStU) kümmert sich seitdem darum, die Akten zu sichern, zu archivieren und zu rekonstruieren. In den Archiven der Behörde befinden sich laut eigenen Angaben 111 Kilometer sichergestelltes Aktenmaterial und 1,4 Millionen Fotos. Darüber hinaus gibt es unzählige Videos und Tonbänder der Abhörzentralen.

Stasiakten im Regal.

111 Kilometer Stasi-Akten

Das Stasi-Unterlagen-Gesetz (StUG) von 1991 regelt, dass sowohl Privatpersonen als auch Institutionen und Journalisten Einblick in die Akten gewährt werden muss. Ehemalige DDR-Bürger können so erfahren, ob und wie die Stasi in ihr Leben eingegriffen hat, ohne dass sie es womöglich bemerkt haben.

Darüber hinaus trägt die Arbeit der BStU dazu bei, die Geschichte der SED aufzuarbeiten. Die Bundesbehörde hat den Auftrag, eine öffentliche Auseinandersetzung mit der totalitären Herrschaft in der DDR zu ermöglichen, indem sie über die Arbeitsweise und die Methoden der Stasi und damit auch der SED berichtet.

Autorin: Wiebke Ziegler

Stand: 02.08.2016, 11:00

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