Geteilte Stadt Berlin

DDR

Geteilte Stadt Berlin

"Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört!" Am Abend des 10. November 1989 spricht Willy Brandt auf einer Kundgebung vor dem Schöneberger Rathaus seine Hoffnung für die Zukunft Berlins und der beiden deutschen Staaten aus. Seit knapp 24 Stunden ist die Mauer, die den West- vom Ostteil der Stadt trennt, durchlässig. Millionen Berliner und Berlinerinnen strömen von hüben nach drüben, feiern gemeinsam und ausgelassen das Ende der Teilung ihrer Stadt. Und das Ende des Ost-West-Konflikts, der seit 1945 die Geschicke Berlins bestimmt hatte.

Die Besatzungszeit

Grafische Darstellung Berlins mit den vier Sektoren

Die vier Sektoren der Stadt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs besetzen im April 1945 zunächst sowjetische Truppen die deutsche Hauptstadt. Doch wie zwischen den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und der UdSSR vereinbart, teilen sie die Stadt kurz nach dem Krieg in vier Besatzungszonen auf.

Gemeinsam wollen sie im Alliierten Kontrollrat das besetzte Land und die Stadt regieren. Eine Übereinkunft, die zum Scheitern verurteilt ist, denn schon nach kurzer Zeit wird deutlich, wie unterschiedlich die Pläne der Westmächte und der Sowjetunion für die weitere Entwicklung der Stadt und ganz Deutschlands sind.

So versucht jede Besatzungsmacht, in ihrer Zone und in ihrem Sektor die eigenen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Vorstellungen durchzusetzen. Kapitalismus und parlamentarische Demokratie im Westen, Sozialismus und "Herrschaft der Arbeiterklasse" in Form der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Osten. Es kommt zu Konflikten in und um die Stadt.

Im März 1948 ziehen sich die sowjetischen Vertreter aus dem Alliierten Kontrollrat zurück, der damit nicht mehr arbeitsfähig ist. Als im Juni desselben Jahres die Westalliierten eine Währungsreform für "ihre" Besatzungszonen in Deutschland und Berlin verkünden, eskaliert die Situation.

Blockade und Luftbrücke

Berliner beobachten einen Rosinenbomber beim Landeanflug auf dem Flughafen Tempelhof.

Versorgung aus der Luft

Nach sowjetischer Auffassung soll Berlin von der westlichen Währungsreform ausgenommen bleiben. Als Reaktion schalten die Sowjets die Stromversorgung Westberlins aus. Und sie blockieren die Zufahrtswege: den Eisenbahnverkehr, die Verbindungsstraßen, die Binnenschifffahrt. Bleibt die Möglichkeit, Westberlin mit seinen 2,1 Millionen Einwohnern aus der Luft zu versorgen.

Ab dem 26. Juni 1948 fliegen britische und vor allem amerikanische Maschinen Tag und Nacht nach Westberlin und liefern, was zum Überleben notwendig ist: Lebensmittel, Kohle, Produktionsgüter. Die "Rosinenbomber", wie sie von den Berlinern genannt werden, sind bis heute in dankbarer Erinnerung. Lucius D. Clay, der amerikanische Militärgouverneur für Deutschland, wird zum Helden.

Tatsächlich sind die Kosten für die britischen und amerikanischen Steuerzahler enorm. Aber die Luftbrücke macht aus ehemaligen Besatzern nun "Beschützer". Und so erweist sie sich für den Westen auch als propagandistischer Coup im Kalten Krieg. Im Mai 1949 hebt die Sowjetunion die Blockade auf. Dennoch bleibt Berlin weiterhin eine geteilte Stadt.

Schlupfloch Berlin

Der voll befahrenen Kurfürstendamm 1954.

Der Kurfürstendamm 1954

1949 werden mit der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und mit der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zwei deutsche Staaten gegründet. Als die DDR-Führung 1952 den "planmäßigen Aufbau des Sozialismus" beschließt, scheinen die Hoffnungen auf eine Einheit Deutschlands endgültig zerschlagen: Bautrupps ziehen Stacheldrahtzäune entlang der Grenze zur Bundesrepublik. Das Überschreiten der Grenze wird strafbar, auch das Überqueren der Sektorengrenzen in Berlin.

Dennoch bleibt die Stadt noch einige Jahre das Schlupfloch, durch welches viele DDR-Bürger Richtung Westen gehen. Um Freunde und Verwandte zu treffen und um die kapitalistische Warenwelt zu genießen. Oder aber, um ihre Heimat für immer zu verlassen.

Die Zahl derer, die für sich im Osten keine Zukunft mehr sehen, steigt beständig an. Es sind vor allem gut ausgebildete junge Menschen, die der DDR den Rücken kehren. Zwischen 1949 und 1961 sind es drei Millionen. Im Frühsommer 1961 täglich bis zu tausend Menschen. Die DDR blutet aus. Und die politische Führung zieht eine brutale Notbremse.

Der Bau der Mauer

DDR-Arbeitstrupps beim Bau der Mauer

Der "antifaschistische Schutzwall" entsteht

Am Sonntag, den 13. August 1961 riegeln Grenztruppen der DDR (unterstützt von "Kampfgruppen der Arbeiterklasse") in den frühen Morgenstunden alle Übergänge nach Westberlin ab. Wenig später folgen Stacheldraht und schließlich die Mauer. Die Berliner sind fassungslos, entsetzt und wütend, tragische Szenen spielen sich entlang der Sektorengrenze ab.

Aber die Menschen müssen den Mauerbau ohnmächtig mit ansehen. Auch dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt bleiben nur Appelle an die Westmächte. Doch die wollen keinen militärischen Konflikt mit den Sowjets riskieren. Solange Westberlin zwar ummauert, aber nicht gefährdet ist, wollen sie keine Eskalation.

Der Mauerfall

Ab Mitte der 1980er blickt die Welt dann gespannt nach Moskau. Michail Gorbatschow, der neue Staats- und Parteichef, verkündet Reformen. In Ostberlin, der Hauptstadt der DDR, tut sich nichts. Als Ungarn im Sommer 1989 seine Grenzen nach Westen öffnet, beginnt eine Massenflucht von DDR-Bürgern, zunächst nur über Ungarn, später auch über die Botschaften in anderen sozialistischen Staaten.

Die Starrheit der Regierung Honecker, die sich gegen jegliche Reformen verschließt, bringt schließlich die Menschen auf die Straße. Von Woche zu Woche steigt die Zahl der Demonstranten, zunächst in Leipzig, Anfang November dann auch in Berlin. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, ist die Regierung dann doch zu Zugeständnissen an das Volk bereit. Sie will die Reisemöglichkeiten in den Westen erleichtern.

Am Abend des 9. November 1989 kündigt Günter Schabowski, ein führendes Mitglied der SED, dies auf einer internationalen Pressekonferenz an. Auf die Nachfrage, ab wann dies gelte, antwortet er – unautorisiert: "Meines Wissens sofort." Auch er kann nicht ahnen, welche Folgen dieser Satz haben wird.

Feiernde Menschen auf der Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor.

"Die Mauer ist weg!"

Zehntausende Berliner strömen an die Grenzübergänge, und das Unfassbare geschieht: Nach einigem Zögern lassen die Grenzposten die Menschen passieren. Und noch in der Nacht können sie jubeln "Die Mauer ist weg". Knapp ein Jahr später sind beide deutsche Staaten wiedervereinigt. Und im Juni 1991 beschließt der Bundestag, hervorgegangen aus den ersten gesamtdeutschen Wahlen, dass Berlin wieder Hauptstadt Deutschlands werden soll.

Autorin: Gabriele Trost

Stand: 28.06.2016, 17:02

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