Das Reichstagsgebäude

Deutscher Bundestag

Das Reichstagsgebäude

Das Reichstagsgebäude im Herzen Berlins ist mehr als ein Ort, an dem Politik gemacht wird: Es ist ein Spiegel deutscher Geschichte und mit über drei Millionen Besuchern jährlich das meistbesuchte Parlament der Welt.

Darum geht's:

  • 1884 begann der Bau des Reichstagsgebäudes.
  • Architekt Paul Wallot kombinierte Renaissance, Barock und Klassizismus.
  • Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude mehrfach zerstört.
  • 1999 zog der Bundestag in den Reichstag ein.
  • Die Glaskuppel ist ein Besuchermagnet: Rund drei Millionen kommen jedes Jahr.

Bauplatz gesucht

Nach der Gründung des Deutschen Reiches und den ersten Reichstagswahlen 1871 wurde ein geeignetes Parlament gebraucht. Während die 382 Abgeordneten ihre ersten Sitzungen in der Königlichen Porzellanmanufaktur in Berlin abhielten, begann die Suche nach einem Standort für ein neues, großes und repräsentatives Gebäude.

Der Ort war schnell gefunden – der Platz, an dem das Reichstagsgebäude heute steht. Nur der Besitzer, Graf Atanazy Raczynski, weigerte sich, sein Grundstück zu verkaufen. Es dauerte ganze zehn Jahre, bis nach dem Tod des Grafen das Stück Land vor dem Brandenburger Tor nun doch zu haben war.

Beim anschließenden Architektenwettbewerb wurden fast 200 Entwürfe für das Parlamentsgebäude eingereicht. Den ersten Preis erhielt Paul Wallot, der seinen ursprünglichen Entwurf allerdings mehrmals ändern musste und 1884 schließlich mit dem Bau beginnen konnte.

Blick auf das Reichstagsgebäudes nach der Renovierung durch Sir Norman Foster.

Das Reichtstagsgebäude heute

Die Architektur

Paul Wallot kombinierte bei der Fassade des Reichstags Elemente aus Renaissance, Barock und Klassizismus. Als modernes Element kam die knapp 60 Meter hohe Kuppel hinzu, die den Sitzungssaal überspannte. Die Stahl-Glas-Konstruktion galt als Meisterleistung für die damalige Zeit. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kuppel des Reichstags allerdings so stark beschädigt, dass Einsturzgefahr bestand. 1954 wurde sie aus Sicherheitsgründen gesprengt.

Paul Wallots Reichstags-Architektur fand – auch international – viel Anerkennung. Doch Wallot musste sich auch Kritik gefallen lassen: Einer seiner schärfsten Kritiker war Kaiser Wilhelm II. selbst. Unsachliche Äußerungen, unter anderem sprach er öffentlich vom "Gipfel der Geschmacklosigkeit", brachten dem Kaiser allerdings wenig Sympathien ein.

Zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich 1894 war das Reichstagsgebäude fertiggestellt. Über 32 Millionen Ziegelsteine und 30.000 Kubikmeter Sandstein waren für das 138 Meter lange und fast 100 Meter breite Parlamentsgebäude verbaut worden. Lediglich die Inschrift "Dem deutschen Volke", die Architekt Wallot vorgesehen hatte, fehlte. Erst 1916 konnten sich die damaligen Parlamentarier auf die Anbringung des Schriftzugs einigen.

Reichstagsgebäude nach dem Entwurf von Paul Wallot.

Reichstagsgebäude um 1910

Die Zerstörung

1918, das Jahr in dem der Erste Weltkrieg endete, war ein Jahr des politischen Umbruchs: Der Kaiser dankte ab und der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann rief von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die Republik aus. Von nun an tagten im Plenarsaal die Arbeiter- und Soldatenräte, gleichzeitig waren im Gebäude Soldaten einquartiert.

Danach muss sich der Reichstag in verheerendem Zustand befunden haben, so dass er erst gereinigt und renoviert werden musste, ehe die Nationalversammlung und ab 1920 der Reichstag der Weimarer Republik darin tagen konnten.

Einen knappen Monat nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten stand der Reichstag lichterloh in Flammen. Dabei wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar der Plenarsaal zerstört. Unumstritten ist heute, dass es sich um Brandstiftung handelte. Ob der festgenommene und verurteilte holländische Kommunist Marinus van der Lubbe aber tatsächlich der Täter war, konnte nie geklärt werden.

Das Reichstagsgebäude wurde von den Nazis daraufhin nicht mehr genutzt. Stattdessen wurden darin während des Krieges Funkröhren produziert. Im Keller wurde ein Lazarett eingerichtet und auch die Entbindungsstation der Charité kam im Reichstag unter.

Als die 1945 die Rote Armee in Berlin vorrückte, kam es am Reichstag zu heftigen Kämpfen, bei denen das Gebäude durch Schüsse, Bomben und Granaten abermals stark beschädigt wurde. Am 30. April 1945 hissten zwei russische Soldaten die rote Flagge auf dem teilzerstörten Gebäude.

Die Spuren der Rotarmisten sind noch heute zu sehen – in Form von Wandschmierereien, die beim Umbau des Gebäudes Mitte der 1990er Jahre wiederentdeckt und erhalten wurden.

Brennendes Reichstagsgebäude.

Zerstörtes Reichstagsgebäude 1945

Erster Wiederaufbau

Mitte der 1950er Jahre beschloss der Bundestag den Wiederaufbau des Reichstags. 1954 war bereits die einsturzgefährdete Kuppel gesprengt worden, nun begann die Wiederherstellung des teilweise stark zerstörten Bauwerks, unter Leitung von Architekt Paul Baumgarten.

Der Um- und Wiederaufbau dauerte bis 1973. Das Gebäude war nun wesentlich schlichter als vorher und verfügte auch wieder über einen Plenarsaal, der allerdings für Bundestagssitzungen nicht genutzt werden durfte - diese durften laut Viermächteabkommen nicht in Berlin stattfinden.

Erste Sitzung nach 58 Jahren

Mit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten begann auch für das Reichstagsgebäude ein neuer Abschnitt. Am 4. Oktober 1990 fand die erste Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments statt – damals noch zusammengesetzt aus Bundestag und Volkskammer. Im Juni 1991 fasste der Bundestag den Beschluss: "Sitz des Deutschen Bundestages ist Berlin."

Für den Umbau des Reichstags wurde nun Architekt Nummer 3 gesucht. Die Wahl fiel auf Sir Norman Foster, der sich gegen seine rund 80 Mitbewerber durchsetzte. Auffälligstes Element seines – auf Wunsch des Bundestags geänderten – Entwurfs ist die begehbare gläserne Kuppel, die sich binnen kürzester Zeit zum Publikumsmagnet entwickelte.

Fünf Jahre lang dauerte der Umbau des Reichstags, der in dieser Zeit fast völlig entkernt wurde. Im April 1999 konnte Sir Norman Foster symbolisch den Schlüssel an Bundestagspräsident Wolfgang Thierse übergeben. Bevor die Abgeordneten ihre Plätze einnehmen durften, rückte übrigens erst die Bundeswehr an: 1100 Soldaten wurden in den Plenarsaal geschickt, um die Mikrophonanlage zu testen.

Blick von der Dachterasse des Reichstages auf die Kuppel.

Die Kuppel ist ein Besuchermagnet

Ganz in Silber – der verhüllte Reichstag

Doch bevor die Handwerker für den Umbau kamen, erwartete den Reichstag noch eine einmalige Aktion, die ihn schlagartig weltberühmt machte: Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude hatte mehr als zwei Jahrzehnte nach dem ersten Vorstoß und diversen Ablehnungen vom Bundestag endlich die Erlaubnis erhalten, den Reichstag zu verhüllen.

Profikletterer wickelten im Juni 1995 das künftige Parlamentsgebäude in rund 100.000 Quadratmeter silberfarbenen Spezialstoff, der mit drei Zentimeter dicken blauen Seilen festgezurrt wurde. Die mehrwöchige Aktion zog ein Millionenpublikum an, Bilder des "wrapped Reichstag" gingen um die Welt.

Das Ehepaar Christo steht hinter einem Modell des verhüllten Reichstages.

1995 verhüllte das Ehepaar Christo den Deutschen Reichstag

Der Reichstag von innen

Der Reichstag hat seine alte Fassade behalten – innen jedoch gibt er sich höchst modern und weltoffen. Rund drei Millionen Besucher kommen jedes Jahr, um das Gebäude und die darin ausgestellten Kunstwerke zu besichtigen oder dem Parlament bei der Arbeit zuzusehen. Eine besondere Attraktion ist die begehbare Glaskuppel über dem Plenarsaal, im Zentrum des Gebäudes.

Die Plenarebene mit Sitzungssaal und Büros für Abgeordnete, Mitarbeiter, und Regierungsmitglieder befindet sich im ersten Stock, darüber folgt die Besucherebene. Über ihr die Präsidialebene, in der unter anderem der Bundestagspräsident seinen Sitz hat.

Danach folgt die Dachterrasse, von wo aus es in die Kuppel geht. Besonders auffällig sind die 360 trichterförmig angeordneten Spiegel in der Mitte der Glaskuppel - sie sorgen dafür, dass der Plenarsaal mit Tageslicht versorgt wird.

Neben der modernen Architektur im Inneren wurde dem Reichstag auch ein modernes Energiekonzept verordnet: Das Gebäude besitzt eine eigene Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung; eine Wärmerückgewinnungsanlage trägt zu Beheizung bei. Außerdem wird der Reichstag von den Blockheizkraftwerken des Parlamentsviertels versorgt, die mit Biodiesel versorgt werden. Der Boden unter dem Reichstag wird nach Bedarf als Wärme- und Kältespeicher genutzt.

Aus dem wuchtigen Repräsentativbau vor den Toren Berlins ist ein modernes Parlamentsgebäude geworden, das heute im Zentrum der Hauptstadt liegt.

Leerer Plenarsaal des Deutschen Bundestages.

Plenarsaal des Deutschen Bundestages

Autorin: Martina Frietsch

Stand: 03.08.2017, 10:00

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