Das salische Jahrhundert

Aufnahme des Speyerer Doms

Die Salier

Das salische Jahrhundert

Das salische Jahrhundert von 1024 bis 1125 war eine Zeit im Umbruch: Burgen und Pfalzen wurden gebaut, Städte gegründet. Erstmals entwickelten sich neue gesellschaftliche Gruppen, die ein eigenes Bewusstsein besaßen. Im 11. Jahrhundert kam es innerhalb der Kirche auch zu einer Reformbewegung, die weite Teile der Bevölkerung in ihren Bann zog.

Gesellschaft

Ein neues, geradezu modernes Denken erfasste die Gesellschaft im 11. Jahrhundert. Sie richtete sich nicht mehr nur nach der biblischen Heilsvorstellung aus, sondern begann sich funktional zu organisieren.

Die Menschen waren nicht mehr allein von der Vorstellung beseelt, wie man zu leben habe, um das ewige Leben zu erlangen. Sie fragten sich vielmehr, was man tun müsse, damit das Leben in der Gesellschaft besser funktioniere.

Als Folge bildeten sich drei spezifische gesellschaftliche Gruppen heraus. Zu der ersten gehörten die Arbeitenden, die Handwerker, Zimmerleute und Bauern. Sie waren für den Bau von Städten oder Burgen und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zuständig.

Die zweite Gruppe der Kämpfer sorgte für den Schutz innerhalb der Gemeinschaft. Sie erhielten Sonderrechte und bildeten die Gruppe der Ministerialen, aus der nach und nach der niedere Adel und die Ritter hervorgingen.

Durch den Bau vieler Höhenburgen in den 80er Jahren des 11. Jahrhunderts gelang es dem Adel, eine Schutzherrschaft über ein bestimmtes Territorium zu errichten.

Die dritte Gruppe waren die Betenden, Mönche und der Klerus. Sie genossen das höchste Ansehen, da sie für das Seelenheil der anderen verantwortlich waren.

Das Dorf in der Salierzeit

Neben dem gesellschaftlichen Gefüge veränderte sich auch die ländliche Struktur. Die Bauern drängten die Wildnis immer weiter zurück und machten ihre Umgebung, in der sie lebten, urbar. Sie trotzten der Natur Anbauflächen ab und durch den Einsatz neuer landwirtschaftlicher Geräte vollzogen sie den Übergang von der Zwei- zur Dreifelderwirtschaft.

Die Bauern, die in einem Dorf lebten, organisierten sich genossenschaftlich. In einem durch Palisaden geschützten Gehöft, von denen es durchschnittlich sieben in einem Dorf gab, spielte sich das ganze Leben einer Großfamilie ab, die aus 20 bis 30 Personen bestand.

Alle Arbeiten des Alltags wurden hier verrichtet: Körbe geflochten, Wagenräder repariert, Felle gegerbt. Gemeinschaftlich wurden der Brunnen und der Dorfanger genutzt. Auch eine kleine Kirche mit Friedhof gehörte bereits zu einem salischen Dorf.

Die Städte

Aber nicht nur die Dörfer veränderten sich, auch große Städte wie etwa Nürnberg wurden gegründet. Oft entstanden die neuen Städte im Schutz von Burgen, oder sie wurden um eine königliche Pfalz oder einen Bischofssitz errichtet.

Die Einwohnerzahlen wuchsen, und die Menschen übernahmen immer mehr Verantwortung innerhalb ihres Umfelds. Entsprechend entwickelte sich ein neues städtisches Selbstbewusstsein.

Zentrum der Städte waren die Märkte. Kaufleute und Handwerkszünfte gewannen an Einfluss und erstritten Handelsprivilegien vom König.

Die romanische Rundkapelle in Nürnberg-Altenfurt. Sie ist Nürnbergs ältestes Heiligtum.

Nürnbergs ältestes Heiligtum: die romanische Rundkapelle

Andere Städte, die es bereits seit der Römerzeit gab, wurden umgebaut oder erweitert. Dabei orientierten sich die Bauherren oftmals am Vorbild Rom. Zum Beispiel baute man in Mainz das Peterskloster über dem Stadtbach. Und in Konstanz wurde eine Paulskirche nach dem Vorbild der römischen Kirche Sankt Paul vor den Mauern errichtet.

Als Grundriss neuer Stadtanlagen wählte man oft die Form eines Kreuzes.

Die religiöse Reformbewegung

Im 11. Jahrhundert setzte eine kirchliche Reformbewegung ein, die darauf zielte, die absolute Autorität und die universale Entscheidungsgewalt des römischen Papstes in der Kirche und in der Welt durchzusetzen.

Zentrum der Bewegung war das burgundische Cluny, das andere Klöster wie etwa Kloster Hirsau und den Klerus innerhalb des Reiches wesentlich beeinflusste.

Kloster Hirsau

Das Kloster Hirsau war ein Stützpunkt der Reformbewegung

Die Reformklöster forderten, dass sich die Kirche insgesamt erneuern müsse. Dies verlangte von den Priestern eine untadelige Lebensführung, um ihrer Funktion gerecht zu werden. Sie sollten sich von ihren Frauen trennen und zölibatär leben.

Neben der Einführung des Zölibats sollte auch die Simonie, der Erwerb kirchlicher Ämter durch Geld, unterbunden werden. Eine starke religiös-moralische Kraft ging von dieser Bewegung aus, der sich viele Frauen und Männer anschlossen.

Autorin: Sabine Kaufmann

Stand: 09.02.2017, 14:00

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