Der Nobelpreis

Goldmedaille mit einem seitlichen Porträt eines bärtigen Mannes.

Alfred Nobel

Der Nobelpreis

Jedes Jahr im Frühherbst hält die Welt der Wissenschaft den Atem an. Wer wird den Nobelpreis in diesem Jahr erhalten? Und wofür? Das geheime Auswahlverfahren sorgt für Spannung, und die hohe Preissumme ist einige Anstrengungen wert. Doch wer genau vergibt die Preise? Und nach welchen Regeln?

Fünf Disziplinen

Der bedeutendste und bekannteste Preis der Welt geht auf den schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel (1833-1896) zurück.

Zu seiner Zeit einer der reichsten Männer der Welt, verfügte Nobel testamentarisch die Gründung eines Fonds mit dem größten Teil seines Vermögens, "dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben" - und zwar unabhängig von Nationalität oder Geschlecht.

Die fünf Disziplinen, in denen der Preis verliehen wird, reflektieren die Begabungen und Leidenschaften des hoch gebildeten und vielseitig interessierten Mannes:

In den Fächern Physik und Chemie gehörte Nobel selbst zu den führenden Forschern und Unternehmern seiner Zeit. Von der Medizin, zu der er auch die Physiologie zählte, versprach sich Nobel, der Zeit seines Lebens unter schwacher Konstitution litt, große Verbesserungen der Lebensqualität.

In der Literatur wollte Nobel "das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung" mit dem Preis belohnen. Der Friedenspreis geht auf sein Engagement für die Völkerverständigung zurück und den Einfluss der österreichischen Baronin Bertha von Suttner (1843-1914), einer prominenten Pazifistin.

1968 stiftete die Schwedische Reichsbank anlässlich ihres 300-jährigen Jubiläums zusätzlich den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, der in Dotierung, Nominierungsverfahren und Preisvergabe den Nobelpreisen angeglichen ist.

Wer verleiht die Preise?

Mit der Auswahl der Preisträger beauftragte Alfred Nobel akademische Institutionen seines Heimatlandes: Die Preise für Physik und Chemie werden von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben; die für physiologische oder medizinische Arbeiten vom Karolinska-Institut, dem einzigen akademischen Lehrkrankenhaus des Landes. Die Suche nach dem Literaturpreisträger liegt bei der Stockholmer Akademie.

Für die Wahl des Friedensnobelpreisträgers setzt das norwegische Parlament in Oslo, der Storting, eine fünfköpfige Kommission ein. Schweden und Norwegen bildeten zu Nobels Lebzeiten eine Union, die erst 1905 friedlich aufgelöst wurde, und Nobel wollte beide Teile seines Vaterlandes einbeziehen.

Das Auswahlverfahren - streng geheim

Jedes Jahr, wenn am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, im Stockholmer Konzerthaus der König von Schweden die Preise überreicht, läuft hinter den Kulissen schon die Suche für das kommende Jahr.

Insgesamt rund 6000 Personen werden von den jeweils fünfköpfigen Nobelkomitees formell um ihr Votum gebeten, das bis zum 31. Januar vorliegen muss. Vorschläge einreichen können nur Einzelpersonen, nicht Institutionen. Wer sich selbst vorschlägt, ist damit automatisch disqualifiziert.

Günter Grass, im Frack mit Brille und Schnauzer, nimmt den Nobelpreis entgegen.

Günter Grass erhielt 1999 den Nobelpreis

Zum Kreis der Nominatoren, der sich von Preis zu Preis unterschiedlich zusammensetzt, gehören alle bisherigen Nobelpreisträger sowie die Professoren skandinavischer Universitätsfakultäten der entsprechenden Fachrichtung. Je nach Fachrichtung werden dazu wissenschaftliche Institutionen in der ganzen Welt und ausgewählte Fachleute hinzugezogen.

Für den Literaturpreis werden beispielsweise die Vorsitzenden nationaler Schriftstellerverbände wie des PEN gefragt.

Und für den Friedensnobelpreis, der als einziger Preis nicht nur an Personen, sondern auch an Institutionen vergeben wird (wie beispielsweise 1977 an Amnesty International oder 2012 an die Europäische Union), dürfen Mitglieder der Parlamente und Regierungen aller Staaten Vorschläge einreichen, aber auch Angehörige bestimmter Einrichtungen wie das Internationale Schiedsgericht in Den Haag.

Die Endrunde

Auf diese Weise kommen bis Ende Januar bei den Naturwissenschaften in jedem Fach etwa 200 Namen zusammen. Nun bitten die Kommissionen vor allem skandinavische, aber auch ausländische Fachleute zu den Vorschlägen um Gutachten, mit deren Hilfe sie sich Anfang September auf eine engere Auswahl einigen.

Die letzte Entscheidung liegt bei den Nobelversammlungen der preisverleihenden Institute. In der Regel werden die Vorschläge der Kommissionen übernommen, gelegentlich wird aber auch nach kontroverser Diskussion anders entschieden.

Bekannt wird von solchen Kontroversen so gut wie nichts. Jedes Kommissionsmitglied, jeder Gutacher und jedes Akademiemitglied verpflichtet sich für 50 Jahre zu strengster Verschwiegenheit. Dass vor Bekanntgabe der Entscheidung keinerlei Informationen an die Öffentlichkeit dringen, trägt zum Nimbus des Nobelpreises ebenso bei wie die knappen Begründungen, die selten mehr als einen Satz umfassen.

Alle Entscheidungen sind endgültig und können nicht angefochten werden. Und natürlich trägt der inszenierte Überraschungseffekt auch seinen Teil bei: Alle Preisträger geben sich bereitwillig wie vom Blitz gerührt, wenn sie frühmorgens der Anruf aus Stockholm erreicht.

Dabei können sich Spitzenforscher selbst ausrechnen, wer in die engere Wahl kommt, sind sie doch oft als Gutachter selbst am Spiel beteiligt und erfahren von Kollegen, wenn sie als Nobelkandidaten gehandelt werden.

Das Geld

Die Höhe der Preissumme richtet sich nach den Erträgen der Nobelstiftung und schwankt von Jahr zu Jahr. Seit 2012 ist jeder einzelne Nobelpreis mit acht Millionen Schwedischer Kronen dotiert (circa 850.000 Euro). Damit hat die Preissumme in realem Wert wieder das Niveau der ersten Verleihung 1901 erreicht, als der Preis von 150.000 Kronen dem 20-fachen Jahresgehalt eines Universitätsprofessors entsprach.

Das war nicht immer so. Lange Zeit litt die Stiftung unter den schwedischen Steuergesetzen und war bis 1946 Schwedens größter Steuerzahler. 1922 musste sie sogar mehr Steuern entrichten, als sie an Preissummen vergeben konnte.

Seit 1946 ist die Nobelstiftung, die heute Aktien und Staatsanleihen im Wert von vier Milliarden Kronen verwaltet, von der Steuer befreit, was ebenso zur Wertentwicklung des Preises beitrug wie die Liberalisierung der Anlagepolitik, die die Regierung 1953 genehmigte.

Früher überreichte der König von Schweden zusammen mit der Urkunde und der Goldmedaille den Preisträgern auch einen Scheck. Heute wird das Geld, das viele Preisträger selbst wieder für gemeinnützige Zwecke stiften, nach deren Wünschen überwiesen.

Die Preisverleihung

Frack und Grand Robe sind Pflicht bei der Preisverleihung am 10. Dezember in der 1920 erbauten Konzerthalle Stockholms. Der Tag selbst hat in Schweden den Charakter eines Nationalfeiertages.

Bei der festlichen Zeremonie am frühen Nachmittag sind neben den neuen und ehemaligen Preisträgern auch Vertreter der Regierung und des Parlaments anwesend, wenn der schwedische König feierlich die Nobelgoldmedaillen und Urkunden an die Preisträger überreicht.

Günter Blobel erhält den Medizin-Nobelpreis aus den Händen des schwedischen Königs

Carl XVI. Gustaf von Schweden (rechts) überreicht den Preis

Die Preisträger selbst reisen einige Tage vorher an, um die einzige Verpflichtung, die der Preis mit sich bringt, zu erfüllen: Sie halten die sogenannte Nobelvorlesung, mit der sie die preisverleihenden Institute über die preisgekrönte Arbeit unterrichten. Viele halten darüber hinaus im ganzen Land Vorträge, besuchen Kolloquien und Empfänge zu ihren Ehren.

Die Übergabe des Friedensnobelpreises im Rathaus von Oslo am selben Tag folgt einem anderen Zeremoniell: Hier überreicht die oder der Vorsitzende des Nobelkomitees in Anwesenheit der königlichen Familie von Norwegen die Auszeichnung.

In Stockholm sind die Preisträger und ihre Familien, Vertreter der preisverleihenden Institute und ehemaligen Preisträger sowie 250 Studierende, die ausgelost werden, anschließend zu einem feierlichen Bankett eingeladen. 1287 Gäste fasst der prunkvolle Blaue Saal der Stockholmer Stadthalle für das wichtigste gesellschaftliche Ereignis Schwedens, eine Mischung aus königlichem Diner, Familientreffen und Studentenfete.

Autor: Johannes Hirschler

Weiterführende Infos

Stand: 23.12.2016, 15:00

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