James Cook

Das Bild zeigt den fein gekleideten Cook, der über einer ausgebreiteten Seekarte arbeitet.

Persönlichkeiten

James Cook

Niemand hat die Karten dieser Welt so verändert wie der Entdecker James Cook (1728-1779). Auf seinen großen Reisen durchkreuzt er alle Ozeane, entdeckt Länder und kartographiert deren Küsten. Anders als viele andere Seefahrer geht er dabei nicht als brutaler Eroberer vor, sondern begegnet Eingeborenen meist friedlich und verständnisvoll. Daheim in London hält es der Brite nicht aus - nach ein paar Wochen in der Studierstube zieht es ihn wieder hinaus. Bis 1779 ein Unglück geschieht.

Ein schreckliches Ende

Der erste Kommandant hat die Katastrophe kommen sehen, obwohl die Eingeborenen, die in kleinen Kanus heranpaddeln, ganz friedlich sind. Ganz anders, als noch ein paar Tage zuvor: Da hatten sich Briten und Hawaiianer erbittert bekämpft. Die Eingeborenen steigen aus und halten ihnen Friedensgeschenke entgegen: Obst, Schweine, Yamswurzeln. Und Menschenknochen. Die Handknochen sind noch von Haut umgeben.

Der erste Kommandant der "Resolution", Cooks letztem Forschungsschiff, geht auf die Kanufahrer zu. Er inspiziert den rechten Handknochen. Schnell entdeckt er zwischen Daumen und Zeigefinger eine Narbe. Er kneift die Augen zu, er nickt. Die Hawaiianer haben ihm die Gebeine des Mannes gebracht, den er vermisst, die Gebeine des seinerzeit größten und berühmtesten Seefahrers – James Cook.

Der Kommandant nimmt die Knochen an Bord des Schiffes und lässt den Anker ziehen. Cooks letzte Reise beginnt. Am Abend werden seine Überreste nach Seemannsart im Meer versenkt. Es ist der 20. Februar 1779.

Niemals hat Cook befürchtet, dass sein Leben ein so jähes Ende nehmen würde, dass er von Eingeborenen erschlagen würde: Er, der im Gegensatz zu vielen anderen Entdeckern so rücksichtsvoll mit ihnen umgegangen ist, der von ihnen lernen, sie nicht gleich ausbeuten wollte. Er, der für seine Friedfertigkeit bekannt und ein Musterbeispiel dafür war, dass Aufstieg in der strikten Schichtengesellschaft Englands möglich ist.

Vom Kohlenschipper zum Entdecker

Das Bild zeigt eine schwarzweiße Skizze der hawaiianischen Bucht, in der Cook ums Leben kam.

In dieser Bucht auf Hawaii wurde James Cook 1779 erschlagen

Denn viel versprechend beginnt die Karriere des 1728 geborenen Landarbeitersohnes nicht. Erst mit 17 Jahren heuert er auf einem Kohlenschiff an. Er ist kaum gebildet, doch ungemein wissbegierig. Mathematik und Navigation bringt er sich selbst bei. Abends, bei Kerzenlicht, studiert er alte Seekarten und prägt sich Sternenbilder ein.

Cook arbeitet sich hoch, träumt von unbekannten Völkern und Ländern, die auf dem Südkontinent verborgen sind. Nur ein großer weißer Fleck zeigt sich auf der Südhalbkugel. Niemand hat sich bis dahin vorgewagt. Das will er ändern.

Immer wieder stellt er sich Geldgebern vor, bewirbt sich um Expeditionen. 1768 wird der Traum wahr: James Cook, 40 Jahre alt, erhält das Kommando über die "Endeavour" und 90 Mann Besatzung. Cook ist begeistert und entschlossen. Er umsegelt Kap Hoorn an der Südspitze Chiles und sticht in den Pazifik, der so riesig ist, dass alle Landmassen dieses Globus in seinen Tiefen versenkt werden könnten.

Weltkarte mit nautischen Instrumenten

Der junge James Cook lehrt sich selbst das Navigieren

Ein Kapitän muss über exzellente Navigationskenntnisse verfügen, um nicht in dieser blauen Hölle zu verschwinden. Cook besitzt sie: Er beobachtet astronomische Phänomene und hält sie akribisch fest. Als einer von ganz wenigen beherrscht er die Monddistanzmethode, mit der er zuverlässig Längengrade bestimmen und im Anschluss akkurate Karten zeichnen kann. Die sind so genau, dass sie erst im 20. Jahrhundert übertroffen werden.

Immer weiter steuert er nach Süden, doch das Sagenland, von dem die Menschen im 18. Jahrhundert träumen, kommt nicht in Sicht. Erst ein Jahr nach der Abreise erreichen er und seine Männer Tahiti, von dort aus geht es weiter nach Neuseeland und dann an die Ostküste Australiens. In monatelanger Arbeit legt er Karten davon an. Durch den Indischen Ozean geht es 1771 nach Hause zurück.

4,5 Liter Bier als Tagesration

Gemälde der HMS 'Discovery' und HMS 'Alert'

Unmengen von Vorräten finden im Bauch der "Discovery" Platz

Im Jahr darauf segelt James Cook erneut gen Süden. Es gibt dort keinen Kontinent. Er ist sich nun sicher. Daheim in London bereitet man dem großen Seefahrer einen großen Empfang: Salutschüsse knallen, Cook bekommt einen Posten bei der Navy in London, der mit 230 Pfund Jahresgehalt einer ehrenhaften Pensionierung gleichkommt.

Cook hat damit ausgesorgt, hätte sich nun um seine Frau und vier kleinen Kinder kümmern können. Doch die Arbeit am Schreibtisch ödet ihn an, er ist unruhig, hat Fernweh, bewirbt sich im Februar 1776 für eine Expedition zur Nordwestpassage - und wird ausgewählt.

James Cook sorgt immer wieder für Sensationen, auch an dem Tag, als er seine beiden Forschungsschiffe vorstellt: keine beweglichen Jollen, keine schicken Schiffe. Der mittlerweile 48-Jährige entscheidet sich für klobige Kohlentransporter, dick, langsam, karg ausgestattet. Aber sie bieten ihm einen großen Vorteil - sie verfügen über riesige Stauräume, in denen Cook Unmengen an Vorräten unterbringen kann: lebendes Vieh, salziges Fleisch, Sauerkraut, Alkohol. Jede Menge.

Viereinhalb Liter Bier pro Mann und für schlechtes Wetter noch zusätzlich einen halben Liter Rum, das sind die Tagesrationen (!). Cook weiß, was seine Männer motiviert. Dazu schleppen die Matrosen Ersatzmaterial in Massen in den Schiffsrumpf, wissenschaftliche Instrumente, Beiboote.

Vom Packeis ausgebremst

Gezeichnete Karte der Nordwestpassage

Die Passage zwischen Atlantik und Pazifik

Am 20. Juli 1776 segeln zwei Schiffe los. Doch die Mission steht unter einem schlechten Stern. Immer wieder herrscht Flaute. Schnell liegt Cook hinter seinem ehrgeizigen Zeitplan zurück und gerät unter Druck.

Er verliert in dieser Situation das, was den großen Mann immer ausgezeichnet hat: seine Geduld. Er will zur Nordwestpassage, egal wie. Die Passage ist die legendäre Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik, hoch im Norden Amerikas. Viele Seefahrer haben sich daran schon versucht und sind gescheitert.

Auch Cook kommt kaum vom Fleck, Schnee und Eis zwingen ihn schließlich zur Umkehr. Ein bitterer Moment für den erfolgreichen Forscher. Grimmig fährt er die Küste Nordamerikas entlang. Kein Durchkommen. Cook befiehlt, erst einmal nach Süden zu segeln. Im nächsten Sommer will er es noch einmal versuchen, schreibt er in einem Brief an die Heimat. Als dieser dort ankommt, ist Cook längst tot.

Das Paradies wird zur Hölle

Zeichnung illustriert Cooks Ermordung

Wehrlos: 1779 wird James Cook von Einheimischen erschlagen

Im Januar 1779 dann noch ein Lichtblick: Die Expedition landet auf Hawaii. Die Stimmung in der Mannschaft ist denkbar schlecht. Umso mehr überrascht sie der Empfang, den die Einheimischen bereiten. Priester mit fellverzierten Zauberstäben heißen Cook und seine Mannschaft willkommen. "O-run ne te tuti!", begrüßen sie ihn freudig in ihrer Landessprache. Sie halten Cook für einen zurückgekehrten Gott und begleiten ihn auf Schritt und Tritt. Trotzdem verlassen die Briten Hawaii - sind aber gut eine Woche später wieder da.

Ein Mast ist gebrochen. Cook will ihn an Land reparieren. Doch diesmal gibt es keinen freundlichen Empfang. Die Eingeborenen reagieren kühl, sind verwirrt von einem Gott, dessen Schiff brechen kann. Es gibt Streit, immer häufiger bestehlen die Eingeborenen die Briten. Mitte Februar fehlt denen plötzlich ein Beiboot. Cook überreagiert: Er nimmt sich Matrosen und rudert an Land. Er will Geiseln nehmen, bis das Boot wieder da ist. Die Matrosen haben in der Eile scharfe Waffen vergessen.

Trotzdem schießt Cook - und gibt damit das Signal zum Angriff. Ein Gemetzel beginnt. Der Kapitän steht am Ufer und winkt - will Verstärkung herbeirufen, da wird er hinterrücks niedergestreckt. Eingeborene stürmen auf ihn zu, töten ihn mit Hieben und triumphieren.

Auf der "Discovery" macht sich eine Mannschaft fertig. Die Männer wollen den Leichnam ihres Kapitäns, um jeden Preis, niemand ist vor ihren Pistolen sicher. Es herrscht Krieg. Erst am Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, übergeben die Einheimischen schließlich die Gebeine. Im Oktober 1780, nach viereinhalb Jahren, kommt die Expedition wieder im Londoner Hafen an. Ohne ihren Kapitän.

Doch der ist in der Endeckungsgeschichte für immer präsent. Niemand hat so viele weiße Flecken auf den Landkarten gefüllt, niemand hat so viel entdeckt. Cooks Nachfolgern bleiben nur noch ein paar kleine Inseln - und die Nordwestpassage, an der der große Brite scheiterte. Die wird ein Norweger erst 100 Jahre später mit einem Spezialschiff bezwingen.

Autorin: Katharina Beckmann

Stand: 18.03.2016, 14:52

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