Eine Reise durch Süddeutschlands Landschaften

Reliefkarte Deutschlands zeigt die deutlichen Höhenunterschiede im süddeutschen Raum.

Deutschland in der Urzeit

Eine Reise durch Süddeutschlands Landschaften

Kein anderes Gebiet in Deutschland ist so abwechslungsreich wie Süddeutschland. Von den Alpen bis zum Oberrheingraben, geprägt von Kontinentalverschiebungen und Eiszeiten, haben sich so viele verschiedene Regionen herausgebildet wie sonst nirgendwo. Bis heute prägen diese Landschaften das Leben der Menschen. Einige von ihnen wollen wir im Folgenden vorstellen. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass sich ausgerechnet im Süden so viele unterschiedliche Naturgebiete gebildet haben?


Süddeutschland und die Alpen

Noch vor 30 Millionen Jahren war Süddeutschland völlig flach und zu großen Teilen von Wasser bedeckt. Von Baden-Baden bis nach Salzburg erstreckte sich ein riesiger Fjord. Deutschland lag fast am Äquator und von den klimatischen Verhältnissen können wir heute nur träumen: feucht-tropisches Wetter wie heute in der Karibik, mit Sandstränden und Palmen.

Doch dann begann ein Prozess, der die Landschaft von Grund auf veränderte: Die europäische und die afrikanische Kontinentalplatte stießen zusammen. Stück für Stück schoben sich diese Erdkrusten aufeinander und bewirkten im Laufe von Jahrmillionen das Auffalten eines mächtigen Gebirges: der Alpen. Bis heute wirken diese riesigen Kräfte und lassen die Alpen jedes Jahr anwachsen.

Parallel dazu entstand der Oberrheingraben, Teil eines Grabenbruchsystems, das sich vom Mittelmeer bis hinauf in die Nordsee zieht. Das Einbrechen der Kruste können Geologen bis zu einer Tiefe von vier Kilometern nachweisen. Wäre der Oberrheingraben nicht durch Sedimente zugeschüttet und zugespült worden, hätten wir heute mitten in Europa einen Canyon mit kilometertiefen Abhängen.

Zwei alte Rivalen: der Rhein und die Donau

Die Auffaltung der Alpen und das Einbrechen des Oberrheingrabens waren die Ereignisse, die zur Bildung eines ersten Flusssystems führten. Durch das Gefälle bekamen die Wasservorkommen mehr Kraft und sie begannen, sich in die Landschaften einzugraben.

Dabei bildeten sich zwei Hauptflüsse: der Ur-Rhein und die Ur-Donau mit ihren verschiedenen Zuflüssen. Während die Donau lange der bedeutendere Fluss war und mit deutlich mehr Zuflüssen das meiste Wasser Richtung Süden abtransportierte, gewann der Rhein, der sich zunächst nur im Oberrheingraben sammelte, immer mehr Gewicht. Zudem sind es die Zuflüsse des Rheins, die die Landschaft bis heute am meisten prägen.

Durch das enorme Gefälle – man denke an die Schluchten des Höllentals im Schwarzwald – haben sie die Landschaft mehr eingefräst als die Zuflüsse der gemächlichen Donau, die bis zu ihrer Mündung ins Schwarze Meer nur ein Gesamtgefälle von 1000 Metern hat. Der Rhein und die Donau sind also alte Rivalen und diese Rivalität gibt es bis heute.

Bei Immendingen und Tuttlingen kann man beobachten, wie das Wasser in den Boden gesogen wird. Heute weiß man, dass die größte Quelle Deutschlands, der Aachtopf 15 Kilometer südlich von Immendingen, sein Wasser von der versickernden Donau bezieht. Und wohin mündet die Aach? In den Rhein, der damit der Donau unterirdisch das Wasser sozusagen "klaut"!

Oberes Donautal, Landkreis Tuttlingen, Baden-Württemberg

Blick in das obere Donautal

Vulkanismus: der Kaiserstuhl und der Hegau

Zwar ist der Vulkanismus in Süddeutschland nur eine punktuelle Erscheinung, dennoch hat er zwei Regionen ausgebildet, die schon immer die Menschen angezogen haben. Der Kaiserstuhl, der aus einem einzigen Vulkan besteht und bis heute eine bevorzugte Weinanbaugegend ist, und der Hegau, dessen Vulkanschlote zu unterschiedlichen Zeiten über zehn Millionen Jahre hinweg aktiv waren.

Beim Hegau, der nordwestlich des Bodensees liegt, kommt noch ein weiteres Phänomen hinzu: In die Schlote drangen flüssiges Phonolith und Melilithit ein, die zu besonders hartem Vulkangestein erstarrten.

Als die Eiszeit vor etwa 150.000 Jahren das Hegau-Gebiet mit einem dicken Eispanzer bedeckte, konnte der Gletscher die weicheren Tuff-Gesteine abtragen, nicht aber die härteren Kerne, die wie Kegelköpfe aus der Landschaft ragen. So entstanden die heutigen markanten Felsformationen wie am Hohentwiel, wo später die Menschen ideale Plätze für ihre Burgen fanden.

Die Schwäbische Alb

Das Mittelgebirge gehört zu den prägnantesten Landschaften Süddeutschlands. Die Schwäbische Alb ist eine Schichtstufenlandschaft – und die Schichten kann man hier, etwa am Albtrauf, besonders gut erkennen.

Auch hier war die Eiszeit im Spiel und hat mit Macht die weicheren Gesteinsschichten weggehobelt und die härteren übrig gelassen, sodass Stufen in der Landschaft entstanden. Zudem ist der Untergrund aus Kalkstein, der zur Verkarstung neigt. Das heißt, hier versickert das Wasser durch das poröse Gestein, anstatt sich oberirdisch in Flüssen zu sammeln.

Das hat einerseits in Jahrmillionen zur Bildung gewaltiger Höhlensysteme geführt. Andererseits gab es auch Konsequenzen für die Menschen, die hier leben: Schon immer mussten sie Wege finden, mit der Wasserknappheit zurechtzukommen. Not macht erfinderisch und so bauten die Menschen schon früh Hebewerke und Pumpen, um an das Grundwasser zu kommen.

Doch die Karstlandschaft hat noch ein weiteres Merkmal: Zwar sind die Böden zunächst fruchtbar. Doch wird zu sehr gewirtschaftet, werden sie karg und die Erde enthält immer mehr Steine. Deswegen gilt die eher als arm angesehene Region als "steinreich".

Heute ist die Schwäbische Alb daher eine Region, die auf besonders nachhaltige Wirtschaftsformen setzt und auf einen naturnahen Tourismus. Die Unnesco zeichnete die Schwäbische Alb wegen der rauen Wildnis, die man hier noch erleben kann, gekoppelt mit ihrer sanften Nutzung durch den Menschen, als Geopark aus.

Albtrauf bei Bad Urach

Albtrauf bei Bad Urach

Das Nördlinger Ries

Manche Landschaften geben ihren Bewohnern in besonderem Maße Anlass zur Legendenbildung, wie ihre Heimat entstanden sei. Die quasi kreisrunde Kraterlandschaft des Nördlinger Ries mit ihrem enorm fruchtbaren Landesinneren und ihren merkwürdigen Gesteinen ist so eine Landschaft.

Hier müsse einmal ein See gewesen sein, das stand schon früh fest, denn man fand Überreste von Muscheln. Doch sonst? Die kraterförmige Gestalt des Rieses wurde lange auf einen Vulkan zurückgeführt. Auch ein spezieller Stein, der nur hier vorkommt – der Suevit, wurde lange als vulkanischen Ursprungs definiert.

Bis 1960 amerikanische Forscher den Schlüssel zur Klärung des Rätsels fanden: Der Suevit enthält Gesteinsmischungen, die nur unter enorm hohem Druck zustande kommen können. Vulkanismus reicht dafür nicht aus.

Es war ein Meteoriten-Einschlag, der den Krater und den viele hundert Kilometer weiten Auswurf verursacht haben muss. Ein einfacher Vulkan hätte nicht genug Kraft gehabt.

Vor mehr als 14 Millionen Jahren, als der Meteorit auf die Erde stürzte, gab es noch keine Menschen – Knochenfunde von Tieren wie Nashörnern und Antilopen bezeugen aber wieder einmal, dass Deutschland zu dieser Zeit einer weitaus südlicheren Klimaregion angehörte.

Hürnheim, Nördlinger Ries, Schwaben, Bayern, Deutschland, Europa.

Hürnheim, Nördlinger Ries

Der Große Pfahl im Bayerischen Wald

Das Naturdenkmal Großer Pfahl ist ein Quarzgang einer Störungszone, die sich 150 Kilometer weit durch den nördlichen Bayerischen Wald zieht – von Nabburg in der Oberpfalz bis kurz vor Linz in Oberösterreich.

Dieser Riss wurde vor Millionen Jahren durch eine wässrige Lösung mit Quarz gefüllt. Der Quarz des Großen Pfahls ist besonders. Das macht ihn interessant. Lange Zeit wurde er abgebaut und zu Wegschotter zerstoßen.

Heute sind nur noch sehr wenige Steinbrüche aktiv – etliche Abschnitte des Großen Pfahls sind stattdessen heute als Naturschutzgebiete ausgewiesen. In der Oberpfalz kann man den Pfahl auf einem 60 Kilometer langen Wanderweg von Thierlstein bis Regen erwandern.

Geotop - Großer Pfahl - im Bayerischen Wald.

Geotop Großer Pfahl im Bayerischen Wald

Autorin: Christiane Gorse

Weiterführende Infos

Stand: 13.09.2017, 10:58

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