Klima in der Jungsteinzeit

Zeichung von drei Steinzeitmännern, die Feuer machen

Jungsteinzeit

Klima in der Jungsteinzeit

Wie und warum sich der Mensch in den jeweiligen Epochen der Erdgeschichte entwickelt hat, ist stets auf Klimaeinflüsse zurückzuführen. Dadurch veränderte sich die Natur. Manche Pflanzen und Tiere verschwanden allmählich, weil sie in der neuen Umgebung nicht existieren können. So wie das Mammut, das gegen Ende der Altsteinzeit ausstarb. Andere Arten kamen auf. Dem Menschen aber ist es immer gelungen, sich an sein neues Umfeld anzupassen.

Jagd ist nicht gleich Jagd

Wärme- und Kältephasen im Wechsel bestimmen die Lebensbedingungen des Menschen auf der Erde. Derzeit befinden wir uns in einer Wärmeperiode, die nun schon seit 12.000 Jahren anhält.

Mit dem Ende der letzten Eiszeit in Europa um 10.000 vor Christus stieg die Temperatur in unseren Breitengraden langsam. Bis dahin gab es Kältesteppen, in denen zum Beispiel Wisent, Moschusochse oder Rentier genügend Gräser und Sträucher zum Überleben fanden. Auch Wollnashorn oder Mammut gehörten zu den Großsäugern, denen Schnee und Minusgrade dank ihres langen Wollfells nichts anhaben konnten.

Ganz im Gegenteil – mit dem einsetzenden milderen Klima zogen sie sich in kältere Gegenden zurück. Denn die wärmeren Temperaturen brachten andere Vegetationsformen mit sich. Die Tundren wandelten sich zu Wäldern, mit denen sich Mammut und Wollnashorn schwertaten, weil sie hier immer weniger Futter fanden.

Allerdings waren diese Riesen dem Menschen eine zuverlässige und vor allem reichhaltige Nahrungsquelle für Fleisch. Mit Speeren wurden sie von den Jägern der Altsteinzeit zur Strecke gebracht. Sie mussten bei ihren Beutezügen verhältnismäßig nah an die Tiere heran, denn die Wurfspieße, die auch zum Stechen dienten, hatten ein ordentliches Eigengewicht.

Mit einer weiten Ausholbewegung rammte der Werfer seinen Speer durch das üppige Fell und die dicke Haut in den Körper des Mammuts. Eine Jagdtechnik, die äußerst ungeeignet ist für das Erlegen von kleineren und wendigeren Tieren, die dazu noch sehr scheu sind.

Mit Pfeil und Bogen konnte dagegen aus einer Entfernung von 150 Metern auf Hirsche, Rehe oder Füchse geschossen werden. Auch Vögel waren jetzt ein leicht zu treffendes Ziel.

Radikaler Einschnitt

Der Lebensraum dieser Tiere war der Wald. Entstehen konnte er überhaupt erst durch die wärmeren Temperaturen, durch die auch die Feuchtigkeit zunahm und der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre anstieg. Diese klimatischen Bedingungen wirkten sich natürlich auf die Artenvielfalt in der gesamten Pflanzenwelt aus.

In manchen Gebieten, wie dem Fruchtbaren Halbmond, begann schließlich auch Wildgetreide zu gedeihen. Das war die Grundlage für den beginnenden Ackerbau, der den Menschen band.

Aus dem Beschaffen von Nahrung wurde zunehmend ein selbstständiges Produzieren von Nahrung. Stillten die Jäger und Sammler ihren Hunger noch ausschließlich mit dem, was sie in der Natur beim Umherziehen fanden, erkannte der Jungsteinzeitmensch, dass es auch anders geht.

UNESCO Weltkulturerbe Pfahlbauten in Unteruhldingen am Bodensee aus der Stein- und Bronzezeit

Der Mensch richtete sich einem festen Platz ein

Das Sesshaftwerden bedeutete also einen radikalen Einschnitt in die bisherigen Alltagsgepflogenheiten. Anstatt fortwährend auf Wanderschaft zu sein, richtete sich der Mensch an einem festen Platz ein. Alles, was er zum Leben brauchte, hatte er jetzt in seinem unmittelbaren Umfeld.

Neben den Erzeugnissen aus landwirtschaftlichem Anbau wurden Tiere, wie beispielsweise Schafe oder Ziegen, domestiziert und gezüchtet. Fleisch und Milch waren jederzeit verfügbar – auf das mühsame Jagen war man nicht mehr ausschließlich angewiesen.

Dabei waren die Tiere nicht nur Nahrungsmittellieferanten: Es gab kaum etwas, das nach dem Schlachten nicht irgendwie Verwendung fand. Das Fell bot schützende Kleidung, und die Blasen der Vierbeiner wurden zu Beuteln oder Taschen umfunktioniert.

An einem festen Ort zu leben, eröffnete dazu noch eine andere Variante Nahrungsmittel zu produzieren, die bis dahin unbekannt war: den Ackerbau. In der Jungsteinzeit begannen die Menschen Felder zu bestellen und Getreidesorten wie Einkorn, Emmer oder Gerste anzubauen. Auch Erbsen und Leinsamen wuchsen auf den Äckern.

Durch den Ackerbau war es mit dem Leben von der Hand in den Mund vorbei. Denn es konnte mehr produziert werden, als tatsächlich gebraucht wurde. Der Überschuss wurde in Vorräten angelegt.

Learning by Doing

Die Umstellung vom Jäger und Sammler zum Ackerbau treibenden Dorfbewohner geschah nicht über Nacht. Vielmehr muss es ein langwieriger Prozess gewesen sein, der vor allen Dingen aus Ausprobieren und Beobachten bestand, denn es gab anfangs keinerlei überlieferte Erfahrungen, auf die der Jungsteinzeitmensch zurückgreifen konnte.

Welche Getreidesorten waren am geeignetsten für den Anbau? Wann waren die unterschiedlichen Erntezeiten? Auch wie die jeweiligen Körner verzehrt werden sollten, ob als Ganzes oder doch besser gemahlen. Und wie macht man das am geschicktesten? "Learning by Doing" – so hieß das Erfolgsrezept auch schon vor 10.000 Jahren.

Autor: Lothar Nickels

Stand: 07.10.2016, 11:00

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