Altes Handwerk

Früher war der Beruf des Schmieds hoch angesehen

Arbeit

Altes Handwerk

Mit Speerspitzen aus Feuerstein begann vor Zehntausenden von Jahren die Geschichte des Handwerks. Erstmals gab es Spezialisten für bestimmte, anspruchsvolle Tätigkeiten. Bis zum Mittelalter entstanden die verschiedensten Handwerke und kamen zu höchster Blüte. In Städten bestimmten ihre Zünfte oft auch die Politik. Doch wer kennt heute noch die Sattler und Riemer, Plisseebrenner und Nagelschmiede? Viele Handwerke sind ausgestorben. Nur wenige werden als Kulturgut in speziellen Einrichtungen bewahrt.

Handwerk - vom Allrounder zum Spezialisten

Als der Steinzeitmann Ötzi vor rund 5000 Jahren in den Alpen lebte, konnte er die meisten Dinge, die er bei sich trug, noch selbst herstellen. Doch bereits in der Steinzeit bildeten sich handwerkliche Spezialisten heraus. Diese waren in der Lage, komplexere Tätigkeiten auszuführen. Bereits in der Steinzeit gab es Handelsrouten quer durch Europa, auf denen nicht nur Feuersteine, sondern auch die daraus gefertigten Steinwerkzeuge verbreitet wurden.

Gemälde: Zwei Personen arbeiten am Amboss, ein muskulöser junger Mann mit langen blonden Locken hält ein Schwert in die Höhe.

Schmiede standen lange Zeit in hohem Ansehen

Später konnten Handwerker sogar davon leben, dass sie hoch spezialisierte Güter produzierten. Vor allem die Herstellung von Metall und das Schmieden von Waffen waren hoch angesehen. Schmiede dürften wohl daher zu den ältesten Handwerkern gehören. Ötzi, der in der Kupferzeit lebte, trug zum Beispiel bereits ein Kupferbeil bei sich.

Als durch die Entwicklung der Landwirtschaft die Bevölkerung stark wuchs und sich auch bei uns immer mehr Dörfer und Städte entwickelten, nahm die Arbeitsteilung weiter zu. Immer mehr Menschen lebten von der Herstellung begehrter Produkte. In den ersten Hochkulturen und später in den Staaten der Antike hatte sich bereits lange zuvor eine umfangreiche Handwerkskultur herausgebildet. So wurden etwa im Nahen Osten Reste von Körben gefunden, die älter als 10.000 Jahre sind.

Dagegen wurden abseits der Städte viele der Handwerke, die dort längst eigenständige Berufe waren, noch von den Bauern selbst ausgeübt. So war es in ärmeren Gebieten selbst im 19. Jahrhundert noch üblich, dass sich Bauern die benötigten Körbe selbst geflochten haben, zum Beispiel in der Eifel bei Köln.

Handwerk im Mittelalter - die Zünfte

Der Holzschnitt zeigt Steinmetze, die Steine auf einer Baustelle bearbeiten.

Steinmetze bei der Arbeit auf einer mittelalterlichen Baustelle

Nach dem Untergang des Römischen Reiches zerfiel auch dessen komplexes Wirtschaftssystem. Der Fernhandel ging zurück und damit waren die vormals römisch beeinflussten Gebiete auf sich allein gestellt. Die Städte verloren an Bedeutung. Im ländlichen Raum blieben nur wenige Handwerke erhalten: Steinmetze, Maurer, Schmiede und Müller. Erst wieder im Hochmittelalter, etwa ab 1050 nach Christus, begannen die Städte wieder zu wachsen.

Durch den steigenden Wohlstand kam es dann auch wieder zu einer Blüte von Handwerk und Handel. Es bildeten sich, teilweise sogar gewaltsam durch Aufstände, die ersten Standesvertretungen, die Zünfte. Diese gelangten in vielen Städten sogar zu politischem Einfluss. Die Zünfte waren Interessensvertretungen der Handwerker und regelten nicht nur, wer als Handwerker arbeiten durfte, sondern auch die Ausbildung der Gesellen. Eine der Regelungen besagte, dass junge Handwerker für einige Jahre auf Wanderschaft gehen mussten. Dadurch lernten sie nicht nur regional unterschiedliche Arbeitstechniken kennen. Die Wanderschaft diente auch als Mittel, den Handwerkernachwuchs gleichmäßig zu verteilen - ein Mittel gegen Arbeitslosigkeit.

Das fest gefügte System der Zünfte konnten nur wenige durchbrechen. Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdruckes, war ein solcher Freimeister. Doch dies waren Ausnahmen. Je wohlhabender die Städte wurden, desto differenzierter auch die Handwerke. Im Spätmittelalter gab es in manchen Städten wie Köln bereits mehr als hundert verschiedene Handwerksberufe. Das Handwerk wurde zu einem der führenden Wirtschaftszweige.

Der Niedergang des Handwerks

Das Gemälde zeigt einen Mann, der hinter einem hölzernen Webstuhl sitzt und einen roten Stoff webt.

Ende des 19. Jahrhunderts waren viele Weber arbeitslos geworden

Erst in der Neuzeit ab circa 1500 begann sich das Wirtschaftssystem zu verändern. In sogenannten Manufakturen stellte nicht mehr ein einzelner Handwerker ein bestimmtes Produkt her. Komplexere Produkte, wie etwa Kutschen, wurden in mehreren Arbeitsschritten von besonders spezialisierten Handwerkern erzeugt. Dadurch konnten nicht nur höhere Stückzahlen erzeugt werden, auch die Qualität wurde besser und gleichmäßiger. Diese Vorstufe der industriellen Fertigung läutete den Niedergang der Handwerke ein. Denn für viele einfachere Tätigkeiten brauchte man keine Handwerker mehr. Billigere Arbeitskräfte rückten nach.

Im 18. Jahrhundert wurden dann nach und nach die im Laufe der Zeit völlig erstarrten Zunftrechte abgeschafft und die Gewerbefreiheit eingerichtet. Es entstanden zudem die ersten Fabriken im heutigen Sinn. In England produzierten dampfbetriebene Webstühle billige Stoffe. Dadurch verloren die Handwerker zunehmend die wirtschaftliche Grundlage.

Gerade das produzierende Handwerk kam durch Industrieprodukte in Bedrängnis. So ging zum Beispiel auch die Korbflechterei durch die Erfindung preisgünstiger Kunststoffprodukte zurück. Von 9335 Betrieben im Jahr 1938 blieben bis heute weniger als 300 erhalten. Viele alte Handwerke sind sogar ganz verschwunden.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 18.05.2012, 13:00

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