Geschichte der Arbeit

Arbeit

Geschichte der Arbeit

Arbeit bestimmt heute unser Leben. Die Frage "Was machen Sie denn so?" im Smalltalk heißt immer: Was arbeiten Sie? Wir definieren uns über unseren Job, die Ausbildung, den Beruf. Doch das war nicht immer so. In der griechischen Antike etwa wird die niedere Arbeit Sklaven und Frauen überlassen, die freien Bürger dürfen sich mit Politik und Philosophie beschäftigen. Die Muße gilt damals als Sinn des Lebens.

"Lernt von den Lilien"

Im Evangelium nach Matthäus heißt es: "Und was sorgt ihr euch um eure Kleidung? Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen: Sie arbeiten nicht und spinnen nicht." Bis ins Mittelalter war Arbeit etwas, das erledigt werden musste. Ein notwendiges Übel, um satt zu werden und über die Runden zu kommen. Man arbeitete hauptsächlich in der Landwirtschaft und lebte buchstäblich von der Hand in den Mund.

Einem guten Leben stand die Arbeit eher im Weg. Viel lieber feierten die Menschen, tanzten, spielten und sangen miteinander. Bis zu 100 Feiertage im mittelalterlichen Jahr sorgten dafür, dass die Arbeit nicht in den Vordergrund geriet. Denn wozu auch mehr arbeiten? Habgier und Gewinnstreben galten als Laster, materieller Wohlstand als Ausdruck sündiger Diesseitigkeit.

Der Mensch – zur Arbeit geboren?

Das ändert sich mit Martin Luther im 16. Jahrhundert. Er prägt die Vorstellung von Arbeit bis heute. Bei ihm wird Arbeit zur Berufung, Müßiggang zur Sünde. Durch Arbeit solle der gläubige Christ seinem Gott dienen, jeden Tag. Der Mensch sei zur Arbeit geboren, schreibt Luther.

Von nun an arbeitet man nicht mehr, um zu leben. Sondern lebt, um zu arbeiten. Noch radikaler sind die Puritaner. Wer es durch seiner Hände Arbeit zu finanziellem Wohlstand schafft, sei von Gott erwählt, glauben sie. Nur zeigen darf man seinen Reichtum nicht, denn das gilt als verpönt.

Das Denkmal von Marthin Luther auf dem Marktplatz von Wittenberg.

'Der Mensch sei zur Arbeit geboren'

Zwang zur Arbeit durch Hungerlöhne

Mitte des 18. Jahrhunderts beginnt die Industrialisierung. Die Bevölkerung explodiert, doch ohne Land verlieren die Menschen ihre Existenzgrundlage. Frauen, Männer und Kinder strömen in die neuen Fabriken, Bauern werden zu Arbeitern. Eisenbahn und Dampfmaschine beschleunigen die Welt, die Produktion verdreifacht sich.

Doch die Arbeiter sehen es zunächst nicht ein, mehr zu arbeiten als nötig. Wird der Lohn ausgezahlt, so lassen sie die Maschinen einfach stehen. Zur Motivation senken die Fabrikanten die Löhne und zwingen die Belegschaft durch Hungerlöhne, immer mehr zu arbeiten.

Der Kapitalismus manifestiert sich, die Arbeiterbewegung entsteht. Nur langsam verbessern sich die Arbeitsbedingungen. Sozialisten verklären Arbeiter zu Helden und fordern das Recht auf Arbeit.

Hier ähneln sich Sozialismus und Kapitalismus: In der "Internationalen" heißt es: "Den Müßiggänger schiebt beiseite, diese Welt muss unser sein!" Der Automobilfabrikant Henry Ford sieht es ähnlich: "Die Zivilisation hat keinen Platz für den Müßiggänger."

Schwarz-weiß Zeichnung Industriegebiet voller rauchender Fabriken aus dem 19. Jahrhundert.

Arbeiter müssen mehr und härter für ihr Gehalt arbeiten

Traumjobs und prekäre Beschäftigung

Die DDR verbürgt in ihrer Verfassung das "Recht auf Arbeit". Dass auch Frauen arbeiten, ist hier selbstverständlich. Im Westen Deutschlands bleibt es nach dem Zweiten Weltkrieg bei der traditionellen Rollenverteilung. Erst die 68er-Bewegung rebelliert gegen starre Normen und für freiere Lebenskonzepte.

Später kommt es durch Ölkrisen und Globalisierung zu Höchstständen der Arbeitslosenzahlen. Viele Arbeitsplätze werden dorthin verlegt, wo die Kosten günstig sind.

Viele Arbeitsverhältnisse werden zunehmend prekär. Wer einen der gut bezahlten Jobs ergattert, widmet sich ihm mit ganzer Leidenschaft – mit Erreichbarkeit rund um die Uhr. So leben wir heute mehr denn je ganz im Sinne Luthers und empfinden Arbeit eben als Berufung.

Autorin: Katharina Bueß

Stand: 26.10.2017, 10:00

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