Religiöses Fasten

Fasten

Religiöses Fasten

Fasten ist ein fester Bestandteil aller Religionen. Der Gläubige soll sich durch das Fasten wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren und Gott näherkommen. Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete, bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing, und Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die Wüste zurück. Auch heute noch gibt es in allen großen Weltreligionen Fastenzeiten.

Islam

Algerische Männer und Jungen sitzen um Tische, bzw. stehen in einer Schlange für Essen an.

Das abendliche Fastenbrechen findet in größeren Gruppen statt

Im Islam ist das Fasten ein göttliches Gebot, eine der fünf Säulen dieser Religion. Gefastet wird im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres. Das Fasten hat den Charakter einer Bußübung. Die Seele soll gereinigt und geläutert, die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gefestigt werden. 30 Tage lang dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht essen, trinken und rauchen. Auch der Geschlechtsverkehr ist untersagt. Das abendliche Fastenbrechen findet in größeren Gruppen statt, so hat der Ramadan einen stark familiären und gemeinschaftsfördernden Charakter. Gastfreundschaft und Almosen für die Armen sind während des Ramadans von großer Bedeutung. Wer wegen Krankheit oder aus anderen Gründen am Fasten nicht teilnehmen kann, ist verpflichtet, den Armen Speisen oder Almosen zu geben.

Buddhismus

Eine thailändische Familie kniet vor den Füßen einer riesigen vergoldeten Buddha-Statue.

Buddha lehrt den Weg der Mitte

Buddha lehrte den Weg der Mitte, Selbstkasteiung lehnte er ab. Weder Völlerei noch Hunger sind danach empfehlenswert. Wenig essen erleichtert aber die Meditation auf dem Weg zum inneren Frieden und der Erleuchtung. Deshalb verzichten buddhistische Mönche und Nonnen täglich nach zwölf Uhr mittags auf jegliche Nahrung. Daneben gibt es monatliche Fastentage.

Judentum

Jom Kippur ist der große Versöhnungs- und Fastentag im Judentum. An diesem Tag darf weder gegessen, getrunken noch geraucht werden. Man wäscht sich nicht, ist sexuell enthaltsam und geht nicht zur Arbeit, alle zuvor begangenen Sünden sollen an diesem Tag gesühnt werden.

Darüber hinaus gibt es fünf weitere allgemeine Fastentage, an denen die Juden traurigen Ereignissen der jüdischen Geschichte gedenken:

Der wichtigste Tag ist der 9. Aw (Aw = jüdischer Monat im Juli/August). An ihm darf auch weder getrunken noch gegessen werden, er gilt als der finsterste Tag, weil mehrere traurige Ereignisse an diesem Datum zusammenkamen: Zweimal wurden der Tempel zerstört (586 vor Christus und 70 nach Christus), 135 nach Christus wurde der Bar-Kochba-Aufstand gegen die Römer blutig niedergeschlagen und 1492 begann die Inquisition in Spanien, die Juden mussten das Land verlassen. An diesem Tag darf von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang des nächsten Tages nichts gegessen und getrunken werden.

Die anderen Trauertage handhaben gläubige Juden nicht ganz so streng, sie fasten nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Es handelte sich um folgende Tage:

Der 10. Tevet: Der Beginn der babylonischen Belagerung von Jerusalem.
Der 17. Tammuz: Erinnerung an den Tag, an dem die Babylonier die Mauern Jerusalems einnahmen.
Der 3. Tishri: Erinnerung an die Ermordung des Statthalters Gedalja.
Der 13. Adar am Vortag des Purimfestes.

Es gibt noch weitere Fastentage, an denen das Fasten aber nicht fest vorgeschrieben ist, beispielsweise der Vorabend des monatlichen Neumonds, der eigene Hochzeitstag oder der Todestag der Eltern.

Christentum

Bei den Christen dauert die Fasten- oder Passionszeit von Aschermittwoch bis Ostern. In dieser Zeit soll sich der Mensch durch Enthaltsamkeit neu besinnen, Buße tun und die Nähe zu Gott suchen. Es gibt heute aber keine strengen Regeln mehr. Jeder kann für sich selbst entscheiden, wie er die Fastenzeit gestalten will. Seit Jahren ruft die evangelische Kirche zu ihrer Aktion "7 Wochen ohne" auf. Egal ob sieben Wochen ohne Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten oder Fernsehen, die Menschen sollen die Zeit nutzen, ihren Lebensstil zu überdenken und neue Perspektiven zu finden.
Die kleine Fastenzeit der Christen ist der Advent. Sie wurde aber nie streng eingehalten. Diese Zeit diente als Vorbereitung auf das Weihnachtsfest und spielt heute als Fastenzeit in der Bevölkerung keine Rolle mehr.

Großaufnahme: Eine Frau bekommt ein Aschekreuz auf ihre Stirn gezeichnet.

Aschenkreuz am Aschermittwoch

Ursprünglich wurde im Christentum an zwei festen Tagen gefastet. Mittwochs wurde gefastet, weil Judas Jesus an diesem Tag verraten hat, und das Freitagsfasten erinnerte an die Kreuzigung Jesu. Auch diese Tradition ging weitgehend verloren. Den Brauch, freitags kein Fleisch zu essen, gibt es aber immer noch.

Orthodoxe Kirche

Die Orthodoxe Kirche verlangt ihren Gläubigen ein strengeres Fasten ab. Vier mehrwöchige Fastenzeiten im Kirchenjahr: Sieben Wochen in der Passionszeit, dann gibt es das Apostel-Fasten eine Woche nach Pfingsten, das Koimesis-Fasten im August und das Advent-Fasten von Mitte November bis zum 24. Dezember. Außerdem wird an jedem Mittwoch und Freitag gefastet. An allen Fastentagen sind Fleisch, Eier und Milchprodukte verboten, an strengen Fastentagen auch Fisch, Wein und Öl. Das Fasten ist mit intensivem Gebet verbunden.

Autor/in: Horst Basting

Stand: 12.05.2014, 13:00

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