Tischetikette

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Tischetikette

"Warum rülpset und furtzet ir nit, hat es euch nicht gesmacket?" Dieser Satz Martin Luthers wird häufig zitiert und genauso häufig missverstanden. Der Kirchenreformator meinte ihn ironisch, denn bereits zu seinen Lebzeiten wusste man genau um die richtigen Manieren bei Tisch. Auch gegenwärtig ist Tischetikette voll im Trend. Und so werden bereits Kinder zu Seminaren geschickt um Manieren zu erlernen.

Ursprung der Tischetikette

Festlich eingedeckter Tisch

Richtig eindecken ist eine Kunst für sich

Die Wurzeln unserer heutigen Tischetikette liegen im Mittelalter. Zunächst nur unter Adeligen gepflegt und erweitert, wurde ab dem 15. Jahrhundert auch der Bürger durch zahlreiche Bücher zum guten Benehmen erzogen. Aber wie wichtig ist es heutzutage noch, ob die Kartoffel mit dem Messer oder der Gabel zerteilt werden muss? Gelassenheit macht sich am Tisch breit. Viele Tischregeln haben jedoch gute Gründe und man tut gut daran ihnen zu folgen. Und wer bei einem Geschäftsessen einen guten Eindruck hinterlassen will, sollte sich richtig benehmen können.

Tischlein deck dich: das Besteck

Die Gäste sind eingeladen und es gilt den Tisch für das Menü einzudecken. Doch wie? Behält man im Auge, wie es am praktischsten wäre, geht alles viel leichter. Da die meisten Menschen mit der rechten Hand besser umgehen können, wird das scharfe Messer rechts geführt. Demnach gehört es auch rechts neben den Teller. Die Schneidekante wird nach innen zum Teller hin gelegt. So kann man sich nicht versehentlich verletzen. Auch dient das als Zeichen dafür, dass die Messer keine Waffen sind. Man mag es kaum glauben, aber früher waren Handgreiflichkeiten bei Tisch ein großes Problem. Ludwig der XVI. ließ deshalb die Spitzen der Messer rund schleifen. Noch bis heute hat sich diese Sitte erhalten.

Gabeln kommen nach links, mit den Zinken nach oben. Nur wenn man den Gast auf das Monogramm an der Rückseite aufmerksam machen möchte, wird die Gabel mit den Zinken nach unten gelegt. Der Löffel wird nicht mehr oberhalb des Tellers gelegt. Man benutzt ihn mit der rechten Hand und so kommt er auch nach rechts. Das Besteck für den Nachtisch wird allerdings nach wie vor oberhalb des Tellers platziert.

Sollte Spezialbesteck vonnöten sein, wird dieses ebenfalls eingedeckt wie man es später in der Hand hat: Links wird die Schneckenzange und Hummerzange gelegt. Die Hummergabel, Schneckengabel, Austerngabel, Fonduegabel gehören nach rechts. Ebenfalls Kaviarmesser und -löffel. Sorbetlöffel und Gourmetlöffel werden erst zu den Speisen nachgedeckt.

Wie platziert man nun das Besteck für ein mehrgängiges Menü? Beim Essen wird es später, aus praktischen Gründen, von außen nach innen benutzt. Danach deckt man auch ein. Doch Vorsicht: Eine gastronomische Regel besagt, rechts kommen nicht mehr als vier Bestecke, links nicht mehr als drei. Oben liegen höchstens zwei, in Ausnahmefällen drei Bestecke. Benötigt man für das Menü mehr, muss nachgedeckt werden. Will man Linkshändern eine Freude bereiten, wird seitenverkehrt eingedeckt.

Tischlein deck dich: die Gläser

Verschiedene Gläser auf einem gedeckten Tisch.

Welches Glas gehört wohin?

Liegen Messer und Co. am richtigen Platz, gilt es die Gläser aufzustellen. An dem Glas für das Getränk zum Hauptgang, auch Richtglas genannt, werden die anderen Gläser ausgerichtet. Das Richtglas soll circa einen Zentimeter über der Spitze des Messers für den Hauptgang stehen. Ob man nun die anderen Gläser im Block oder im Dreieck drumherum gruppiert, ist Geschmackssache. Am üblichsten ist es, sie im Winkel von 45 Grad auszurichten. 45 Grad unter dem Richtglas stellt man das passende Glas zur Vorspeise (zum Beispiel ein Weißweinglas). Darunter, wiederum im 45-Grad-Winkel, ein Wasserglas. Oberhalb des Richtglases positioniert man im 45-Grad-Winkel das Glas zum Dessert (zum Beispiel Sektglas).

Das hört sich komplizierter an, als es ist. Am Ende bilden alle Gläser von links nach rechts eine schräge Linie. Die Fachleute sagen übrigens, dass es nicht mehr als vier Gläser insgesamt sein sollten. Benötigt man mehr Gläser, werden diese zum benötigten Zeitpunkt eingedeckt.

Tischmanieren

Eine unterhaltsame, genussvolle und gesellige Zeit - das zeichnet ein gutes Essen aus. Störend wirkt da der anschauliche Erlebnisbericht der letzten Prostataoperation oder das permanente Klingeln des Handys. Sowohl Gastgeber als auch Gast sollten alles dafür tun, dass das gemeinsame Essen Freude bereitet.

  • Absolute Tabus am Tisch sind deshalb: Rülpsen, Schmatzen, Schlürfen, Pupsen, hinter vorgehaltener Hand flüstern, in der Nase bohren oder Fingernägel kauen. Unappetitliche Themen oder Streitgespräche gilt es zu vermeiden.
  • Der Zahnstocher wird nur hinter vorgehaltener Hand oder Serviette benutzt. Besser ist es die Zähne auf dem "stillen Örtchen" zu reinigen.
  • Parfüm oder Aftershave bitte nur sparsam auflegen, damit das Essen nicht nach den Düften schmeckt.
  • Das Handy stellt man ab. Für Notfälle gibt man die Telefonnummer des Gastgebers an oder gibt das Handy im Restaurant beim Oberkellner ab. Falls es klingeln sollte, informiert dieser den Gast.
  • Das Essen beginnt, wenn der Gastgeber zur Serviette greift oder zum Gruß sein Glas erhebt.
  • Das Anstoßen mit Gläsern ist heutzutage etwas aus der Mode gekommen. Der Ursprung dieser Sitte ist eine Vorsichtsmaßnahme. Früher wurde der Wein aus Tonhumpen getrunken. Mit ihnen stieß man derart stark an, dass der Inhalt überschwappte und sich vermischte. Falls der Gastgeber Gift in den Wein getan hatte, lief er nun ebenfalls Gefahr zu erkranken.
  • Besonders bei Kindern ein unbeliebtes Thema: die richtige Körperhaltung beim Essen. Ellbogen gehören nicht auf, die Hände nicht unter dem Tisch. Man sitzt aufrecht, ohne unruhig hin und her zu rücken. Die Beine werden nebeneinander gestellt, nicht überschlagen oder um die Stuhlbeine gewickelt. Die Schuhe bleiben in jedem Fall an.

Ohne Stress im Restaurant

Kind isst mit Messer und Gabel eine Currywurst.

Kinder tun sich mit Tischmanieren oftmals schwer

Nur nicht vom luxuriösem Ambiente einschüchtern lassen! Auch im edelsten Restaurant wird nur mit Wasser gekocht. Und je besser die Küche, umso aufmerksamer ist in der Regel das Personal. Doch schon bei der Anrede der Bedienung steht so mancher vor einem Problem. Die Kellnerin mit "Fräulein" an den Tisch zu rufen, ist in Zeiten der Emanzipation überholt. "Herr Ober" ist dagegen noch durchaus möglich. Am besten versucht man sich Blickkontakt zu verschaffen, um mit kleiner Geste den Kellner an den Tisch zu bitten.

Zudem gibt es zwischen Gast und Service eine Zeichensprache. Schließt der Gast die Speisekarte und legt sie auf den Tisch, gilt dies dem Kellner als Signal die Bestellung aufzunehmen. Ist man mit dem Essen fertig, legt man das Besteck parallel nebeneinander auf den rechten Tellerrand. Der Kellner wird dann abräumen. Macht man hingegen nur eine Pause, wird das Besteck gekreuzt oder offen auf den Teller abgelegt.

Geht es ans Bezahlen, ist Takt gefragt. Übernimmt ein Gastgeber die Kosten, macht er dies dem Kellner klar. Ein "Bringen Sie mir die bitte die Rechnung" reicht da völlig aus. Möchte man hingegen getrennt bezahlen, was durchaus üblich ist, teilt man dies ebenfalls rechtzeitig der Bedienung mit. Die Bezahlung sollte diskret geschehen. Viele Restaurants haben deshalb Mappen oder Karten, in die man das Geld verdeckt hineinstecken kann. Noch diskreter geht es natürlich mit der Scheckkarte. Trinkgeld für den Service gibt man hingegen bar. Das erleichtert dem Kellner, das Geld später auseinander zu rechnen. In Deutschland gibt man, je nach Zufriedenheit mit dem Service und der Höhe der Gesamtsumme, zwischen drei und zehn Prozent Trinkgeld. Ist man mit dem Service unzufrieden gewesen, geht dieser leer aus.

Autor/in: Birgit Amrehn

Stand: 31.10.2014, 12:00

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