Adoptivkinder

Eine Familie mit drei Kindern auf dem Sofa.

Familie

Adoptivkinder

Die Gründe, warum sich Paare oder manchmal auch Alleinstehende um eine Adoption bewerben, mögen vielfältig sein. In den meisten Fällen steckt jedoch die eigene Kinderlosigkeit hinter dem Wunsch, ein fremdes Kind als eigenes anzunehmen und aufzuziehen. Doch den Eltern in spe steht damit meist ein psychisch belastendes und langwieriges Adoptionsverfahren bevor. Und häufig warten die Paare vergeblich. Dann wird unter Umständen nach Alternativen im Ausland gesucht, die bisweilen auch kostspielig und illegal sein können.

Zwölf Elternpaare auf ein Kind

3805 Kinder wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2014 in Deutschland adoptiert, mehr als die Hälfte – über 60 Prozent – allerdings von einem Stiefelternteil oder von Verwandten. "Echte" Adoptivkinder sind dagegen etwas seltener. Gegen Jahresende 2014 waren in Deutschland noch 755 Kinder und Jugendliche für eine Adoption vorgemerkt. Ihnen standen 5765 Adoptionsbewerbungen, also gut sechs mögliche Elternpaare gegenüber.

Dass die Zahl der Adoptionswilligen die Zahl der zu adoptierenden Kinder bei weitem übersteigt, ist nur ein Grund dafür, dass ein Adoptionsverfahren in Deutschland sehr lange dauern kann. Viele Paare, die jahrelang vergeblich auf die Vermittlung eines Kindes gewartet haben, suchen schließlich die Erfüllung ihres Kinderwunsches im Ausland.

Das Adoptionsverfahren

Wer sich zur Adoption eines Kindes bewirbt, muss nicht nur gewisse Voraussetzungen erfüllen, sondern sollte auch sich selber eingehend prüfen, ob er der Belastung des Adoptionsverfahrens standhalten kann. Denn vom Alter der Bewerber über ihren Gesundheitszustand bis hin zu ihrer allgemeinen Lebens- und Wirtschaftssituation wird alles geprüft, was sich auf das zukünftige Zuhause eines Kindes auswirkt.

Eine Adoption muss unbedingt dem Wohle des Kindes dienen und wird nur dann durchgeführt, wenn ein "echtes" Eltern-Kind-Verhältnis entstehen kann. Viele chronische Krankheiten, eine zu kleine Wohnung, die volle Berufstätigkeit beider Elternteile, schwierige soziale Verhältnisse und ein niedriger Bildungsstand sowie ein geringes Haushaltseinkommen stehen einer Inlandsadoption im Wege.

Wer die strengen Voraussetzungen erfüllt und nach langer Wartezeit das Glück hat, ein Adoptivkind vermittelt zu bekommen, muss sich auf eine flexible, meist ein- bis zweijährige Prüfungszeit einstellen, die sogenannte Adoptionspflege. Die Adoptiveltern sind in dieser Zeit schon für das Kind zuständig und haben bereits alle Ansprüche, zum Beispiel auf das Erziehungs- und das Kindergeld. Die Adoptionsurkunde ist allerdings noch nicht unterzeichnet, das Kind ist somit auch noch nicht angenommen.

Für viele Paare wird diese Prüfzeit als sehr belastend empfunden, da sie sich an das Kind gewöhnen und es lieben lernen, sich aber nicht sicher sein können, dass es auch tatsächlich bei ihnen bleiben darf. Die Zeit des Bangens ist erst beendet, wenn die Adoptionsurkunde unterzeichnet ist. Nur in den seltensten Fällen wird eine Adoption wieder aufgehoben.

Die Sorgen der Adoptivkinder

Eine Adoption ist natürlich nicht nur für die zukünftigen Eltern eine psychische Belastung. Manche Adoptivkinder leiden in ihrem späteren Leben darunter, dass sie nicht bei ihren leiblichen Eltern aufgewachsen sind. Da es sich bei Adoptionen in den meisten Fällen um sogenannte anonyme Adoptionen handelt, bei denen die Identität der leiblichen und der Adoptiveltern nur der Vermittlungsstelle bekannt ist, lernen die Kinder ihre leiblichen Eltern meist nie kennen.

Allerdings haben Adoptivkinder ein Recht darauf zu erfahren, dass ihre Adoptiveltern sie nicht gezeugt und auf die Welt gebracht haben. Welcher Zeitpunkt der richtige für die Eröffnung dieser Tatsache ist, hängt selbstverständlich von der Entwicklung und der Reife des Kindes ab. Nur: Sagen müssen es die Eltern ihrem Zögling, da er ein Recht auf die Kenntnis seiner eigenen Abstammung hat.

Bei einigen Adoptivkindern stellt sich daraufhin das Gefühl ein, verlassen worden zu sein, dass die Eltern einen nicht "haben" wollten. An manch einem Kind geht das nicht spurlos vorüber. Experten und Psychologen raten daher immer dazu, den Kindern nie das Gefühl zu vermitteln, dass ihre leiblichen Eltern schlechte Menschen seien. Denn die Gründe, warum sich Eltern gegen ein Kind entscheiden, sind ebenso vielfältig wie die Gründe, ein anderes Kind als eigenes anzunehmen.

Nicht nur im Film, auch im wirklichen Leben suchen anonym adoptierte Kinder häufig jahrelang – und oft vergeblich – nach ihren leiblichen Eltern, um dem Gefühl der Entwurzelung zu entkommen. Selbsthilfegruppen haben sich gebildet, in denen Adoptierte ihre Erfahrungen austauschen können – oder sich in der Suche nach ihren "anderen" Eltern unterstützen.

Die Nöte der leiblichen Eltern

Eine junge Frau im rosa Top hält ihren schlafenden Säugling im Arm und kuschelt liebevoll mit ihm.

Neuer Nachwuchs, weil andere helfen

Vor allem Frauen, die ihre Kinder zur Adoption freigegeben haben, erscheinen vielen als Rabenmütter. Meist jedoch ist es keine herzlose Tat, wenn Eltern ihre Kinder zur Adoption freigeben, sondern eine schwere Entscheidung, die sich aus ihren gegenwärtigen Lebensumständen ergibt.

Insbesondere für die Mütter ist die Freigabe ihrer Kinder zur Adoption eine schwere seelische Belastung. Sie werden direkt nach der Geburt von ihrem Kind getrennt. Nach einer achtwöchigen Schutzfrist, in der sie ihre Entscheidung überdenken können, müssen sie – wie auch die Väter – ihr notarielles Einverständnis zur Adoption geben.

Die Einwilligung ist unwiderruflich. Von diesem Moment an erlischt das Sorgerecht und die leiblichen Eltern haben von nun an auch kein Umgangsrecht mit dem Kind mehr. Viele Mütter machen sich jahrelang Vorwürfe. Häufig bereuen sie ihre Entscheidung, wenn sich die Lebensumstände gebessert haben. Adoptionsstellen empfehlen daher insbesondere den Müttern, frühzeitig psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Autorin: Melanie Wieland

Stand: 21.07.2015, 09:00

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