Vater-Sohn-Konflikte

Vater und Sohn streiten sich

Väter

Vater-Sohn-Konflikte

Missverständnisse, Ansprüche, Auflehnung – die Beziehung zwischen Vätern und ihren Söhnen ist oft schwierig und voller Konflikte. Auch prominenten Kindern ergeht es da nicht anders: Ob Preußenkönig Friedrich der Große, Schriftsteller Franz Kafka oder Popstar Michael Jackson - alle standen sie unter dem Eindruck eines dominanten Vaters. Ein anderes Beispiel gab dagegen Abraham Mendelssohn Bartholdy, der seinen Sohn Felix stets unterstützte und ihm so half, ein großer Komponist zu werden.

Friedrich der Große (1712-1786) und sein Vater Friedrich Wilhelm I.

Auf Befehl des Vaters Friedrich Wilhelm I. soll der kleine Friedrich mit Zinnsoldaten und Spielzeugkanonen spielen. Damit zeigt der preußische "Soldatenkönig" schon früh, was er von seinem Sohn erwartet: die Übernahme der eigenen Anschauungen – im Leben wie in der Politik. Das Dumme ist nur: Friedrich interessiert sich nicht fürs Soldatentum, kann schlecht schießen und verabscheut die Jagd.

Der König muss mehr und mehr erkennen, dass Friedrich nicht fleißig oder pünktlich ist. Der Prinz neigt zur Verschwendungssucht und Bequemlichkeit. Um die Kontrolle über den Sohn nicht zu verlieren, legt der Vater den Tagesablauf genau fest.

Alle diese Maßnahmen führen zu einer tiefen Entfremdung zwischen Vater und Sohn. Die Aufsässigkeit von Prinz Friedrich nimmt zu. Hohn und Spott verbreitet er auch in Gegenwart seines Vaters. Er witzelt über die sich wiederholenden Gesprächsthemen und über die derben Witze des Königs.

Dem rigiden Erziehungsdruck und der Monotonie des genau festgelegten Alltags durch den Vater kann er aber damit nicht entkommen. Ohne Wissen seines Vaters legt Friedrich eine Bibliothek an. Als der König die Bücher entdeckt, lässt er sie allesamt verkaufen.

Friedrich weiß keinen anderen Ausweg und flieht 1730 vom Hof des Vaters. Der Fluchtversuch misslingt, der Kronprinz wird unter Arrest gestellt. Der Vater verhört ihn zunächst persönlich, von Thronverzicht und sogar von Hinrichtung ist die Rede.

Alle Beteiligten, darunter Friedrichs Fluchthelfer Hans Hermann von Katte, werden vor ein Kriegsgericht gestellt. Um ein Exempel zu statuieren und den Gehorsam seines Sohnes einzufordern, verurteilt der König Katte zum Tode. Friedrich muss die Hinrichtung mit ansehen und fällt vor Schock in Ohnmacht.

Der Kronprinz bleibt zunächst in Arrest und wartet auf die Entscheidung seines Vaters. Dieser begnadigt ihn schließlich. Nun ordnet sich Friedrich zumindest nach außen seinem Vater unter. Erst gegen Ende der Regierungszeit Friedrich Wilhelm I. entspannt sich das Verhältnis. Im Mai 1740 wird Friedrich Nachfolger seines Vaters auf dem preußischen Thron.

Porträt Friedrich Wilhelm I.

Friedrich Wilhelm I. war ein sehr herrischer Vater

Franz Kafka (1883-1924) und sein Vater Hermann

Ein Mann versucht vergeblich, das Schloss zu erreichen, eine andere Hauptfigur verwandelt sich eines Tages in einen Käfer – in Franz Kafkas Büchern ist das Bizarre und Albtraumhafte normal. Beim Versuch Kafkas Werk zu deuten, verweisen viele Literaturkenner immer wieder auf die Hassliebe des Schriftstellers zu seinem Vater Hermann: Stets habe der Sohn versucht ihm näher zu kommen, sei aber jedes Mal gescheitert.

Hermann Kafka hatte eine schwierige Jugend. Er wuchs bescheiden auf und musste bereits sehr früh seinen Vater unterstützen, der als Fleischhauer arbeitete. Seinem Sohn Franz hält er das ständig vor. Für den Vater sind die gesellschaftliche Anerkennung und das Geld ungeheuer wichtig. Er lebt vor allem für seine Arbeit, steht fast immer in seinem Geschäft und ist deshalb kaum zuhause.

Seinem Sohn erteilt Hermann Kafka während der gemeinsamen Mahlzeiten Anweisungen. Franz bleibt der Vater fremd. Der dominanten und kräftigen Art des Vaters steht die empfindliche und sensible Seite des Sohnes gegenüber. Franz Kafka zieht sich mehr und mehr in sich zurück.

Schon während der Schulzeit schreibt er seine ersten Werke. Der Vater reagiert misstrauisch und verständnislos auf die schriftstellerische Arbeit des Sohnes. Auf Wunsch des Vaters studiert Franz Jura, innerlich zieht es ihn aber zur Germanistik.

In vielen seiner Werke verarbeitet Kafka die Beziehung zu seinem Vater. 1919 schreibt er den "Brief an den Vater", in dem er die Qualen der Kindheit aufzeigt. Diesen Brief kennen inzwischen ganze Generationen von Deutsch-Schülern – nur Franz Kafkas Vater Hermann hat ihn nie erhalten.

Porträt des jungen Franz Kafka.

Kafkas "Brief an den Vater" wurde berühmt

Michael Jackson und sein Vater Joseph

Er war ein Ausnahmekünstler und ein Medienphänomen. Seine Musik, seine Schönheitsoperationen und seine Gerichtstermine beschäftigten die Gazetten. Michael Jackson war ohne Zweifel einer der bekanntesten Menschen unserer Zeit. Die Geschichte hinter der Pop-Ikone Jackson ist dagegen nicht so bekannt:

Bereits im Alter von fünf Jahren ist Michael Jackson Mitglied der "Jackson Five". Die Gruppe besteht aus fünf Brüdern der Familie Jackson. Das bedeutet Proben vor der Schule und nach der Schule. 1968 folgt der erste Plattenvertrag, 1970 der erste Nummer 1-Hit der Brüder. Hinter dem Erfolg steht der Vater Joseph Jackson.

Die Familie stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Joseph Jackson entdeckt die Begabung der Kinder, formt sie zu einer Band und schickt sie zu Talentwettbewerben. Der Erfolg soll Geld in die Familienkasse bringen. Funktionieren die Kinder nicht, setzt es Schläge.

Michael wird von seinem Vater am häufigsten verprügelt, heißt es in einer Biografie über Michael Jackson – vor allem wenn er sich in der Probe einen Fehler erlaubt, zum Beispiel einen Tanzschritt nicht nach dem Wunsch des Vaters einübt.

Der Sohn lehnt sich auf und provoziert den Vater manchmal absichtlich. In dieser Zeit beginnt er, den Vater zu hassen. Auf Freizeit und das Spielen mit anderen Kindern muss Michael Jackson weitgehend verzichten. Sein Leben ist von der Musik und seinem Vater bestimmt.

1972 beginnt Michael Jackson zusätzlich eigene Platten zu produzieren und versucht langsam sein eigenes Leben zu leben – zumindest musikalisch mit Erfolg.

Porträt des jungen Michael Jackson.

Jackson war bereits als Kind ein großer Star

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) und sein Vater Abraham

Welches Mädchen kennt ihn nicht, den berühmten Hochzeitsmarsch? Nicht so bekannt ist der Schöpfer des Stückes, Felix Mendelssohn Bartholdy. Geboren in Hamburg, aufgewachsen in Berlin, erhält er früh eine umfassende Bildung.

Sein Vater, der vermögende Bankier Abraham Mendelssohn Bartholdy, ist der Sohn des jüdischen Aufklärungsphilosophen Moses Mendelssohn und damit durch seine eigene Erziehung aufgeschlossen für Musik und Kunst. Er erzieht seine vier Kinder zu Bescheidenheit und Natürlichkeit.

Felix Mendelssohn wird zunächst von den Eltern unterrichtet. Dann lässt der Vater sich die Erziehung des Sohnes einiges kosten: Er engagiert sehr gute Lehrer wie Carl Friedrich Zelter, der Felix unterrichtet. Bereits im Alter von elf Jahren beginnt Felix regelmäßig zu komponieren.

Die Erziehung des Vaters ist geprägt von Strenge, wie es zu dieser Zeit üblich ist. Trotzdem ist der Junge umgeben von Liebe und Wärme und wächst problemlos und fröhlich auf. Der Vater geht mit dem Sohn auf Reisen, sie besuchen die Schweiz und Frankreich. Bis zu Abrahams Tod 1835 haben Vater und Sohn Mendelssohn Bartholdy ein gutes Verhältnis.

Porträt Felix Mendelssohn Bartholdy.

Durch Vaterliebe und Talent zum Erfolg

Autorin: Adina Jähn

Stand: 21.09.2016, 12:35

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