Behandlungsmethoden

Leukämie

Behandlungsmethoden

Das Problem bei der Behandlung von Leukämie ist die Vielzahl von Unterformen, die von der Art des jeweiligen genetischen Defektes abhängen. Dieser Defekt wird daher möglichst genau bestimmt. Dazu kommt noch die jeweilige körperliche Verfassung des Patienten. Daher gibt es nicht die eine typische Behandlung. Jeder Fall erfordert individuelle Strategien.

Medikamente

Es gibt nur eine ganz spezielle Form der Leukämie, bei der das Übel sozusagen an der Wurzel bekämpft werden kann. Bei vielen der an Chronischer Myeloischer Leukämie (CML) Erkrankten tritt ein Fehler im sogenannten Philadelphia-Chromosom auf. Dessen Fehlfunktion kann inzwischen durch ein spezielles Medikament gehemmt werden, die Zahl der kranken Zellen nimmt dadurch erheblich ab. Das Medikament ist zugelassen und wird erfolgreich eingesetzt.

Die Hoffnung auf weitere "maßgeschneiderte" Medikamente sollte nicht zu groß sein. Bei den vielfältigen Ursachen der Leukämien müssten Medikamente für wenige Patienten entwickelt werden. Das kann die medizinische Forschung heute noch nicht leisten.

Bei der Chronischen Lymphatischen Leukämie (CLL) verläuft die Krankheit oft so langsam, dass man mitunter möglichst lange gar nichts macht. Erst wenn zu viele kranke Zellen im Blut sind, werden diese mit einer milden Chemotherapie reduziert.

Chemotherapie - die herkömmliche Behandlung

Ein kahlköpfiger Leukämiepatient sitzt auf einem Krankenhausbett.

Nebenwirkung einer Chemotherapie: vorübergehender Haarverlust

Bei Akuten Leukämien muss meist schnell gehandelt werden. Im Gegensatz zu Chronischen Leukämien bleibt bei ihnen nicht viel Zeit, nach einer optimalen, auf den Patienten zugeschnittenen Behandlungsstrategie zu suchen.

Zunächst versuchen die Ärzte, mit einer möglichst milden Chemotherapie die Zahl der kranken Zellen zu verringern. Verwendet werden Zytostatika: Substanzen, die die Teilung von Zellen behindern. Wenn die Behandlung anschlägt, gelingt eine Reduzierung um rund 99 Prozent. Dann sind aber immer noch Milliarden kranker Zellen aktiv. Solange der Anteil dieser kranken Zellen unter fünf Prozent liegt, spricht man von einer Remission, das heißt, die Krankheitssymptome gehen zeitweise zurück.

Um die kranken Zellen zu beseitigen, werden meist drei Chemotherapien durchgeführt. Erst danach kann man hoffen, ausreichend viele der Krebszellen ausgeschaltet zu haben. Bei rund 30 bis 40 Prozent der Patienten können Ärzte so dauerhaft verhindern, dass sich die Leukämiezellen vermehren.

Neue Zellen für das Knochenmark

In vielen Fällen reicht die Chemotherapie alleine nicht aus. Eine Knochenmarkstransplantation ist notwendig. Dabei wird das körpereigene blutbildende System des Patienten durch eine Chemotherapie und gegebenenfalls eine Bestrahlung sehr stark zurückgedrängt und durch neue Stammzellen ersetzt. Diese wurden früher dem Knochenmark entnommen, daher der Name.

Heute kann man sie auch aus dem Blut extrahieren. Dabei wird das Blut des Spenders kontinuierlich durch ein Gerät geleitet, in dem eine Zentrifuge die Stammzellen abtrennt. Das restliche Blut erhält der Spender über eine zweite Kanüle zurück. Ein Vorgang, der einer Blutspende ähnelt.

In Ausnahmefällen verwenden Ärzte körpereigene Stammzellen des Patienten, die vor der Behandlung entnommen werden. Diese autologe Transplantation hat den Vorteil, dass der Körper die Zellen nicht abstößt. Allerdings gelangen dadurch auch zwangsläufig wieder neue, kranke Zellen in den Körper.

Für die meisten Stammzellentransplantationen werden Zellen eines Spenders verwendet. Bei einer solchen Fremdspende (allogene Transplantation) nimmt man das Risiko einer Abstoßungsreaktion bewusst in Kauf, da man diese Reaktion heute durch Medikamente kontrollieren kann.

Von Vorteil ist, dass man mit den Stammzellen des Spenders auch dessen Immunsystem importiert. Dieses richtet sich gegen die verbliebenen kranken Zellen des Patienten. So ist es oft gar nicht nötig, das gesamte Knochenmark durch eine harte Chemotherapie oder Bestrahlung frei von Blutzellen des Patienten zu machen. Diese Arbeit übernimmt das neue Immunsystem. Bei einer allogenen Stammzellenspende hat der Geheilte oft eine neue Blutgruppe - die des Spenders.

Heilung möglich?

Eine Familie an Strand.

Familienrückhalt ist für die Heilung wichtig

Ärzte sprechen bei Krankheiten wie der Leukämie ungern von Heilung. Dazu müsste geklärt sein, ob auch tatsächlich alle kranken Zellen beseitigt sind. Das ist nicht möglich. Ein Wiederauftreten der Krankheit, die Vermehrung kranker Zellen, ist letztlich immer möglich. Man nennt dies ein "Rezidiv". Wenn allerdings nach drei Jahren kein Anstieg der kranken Zellen mehr feststellbar ist, dann ist dies sehr vielversprechend, nach fünf Jahren ist mit einem Rückfall kaum noch zu rechnen.

Nebenwirkungen der Behandlung

Ein Patient in einer Isolationskammer.

Isolation schützt vor Infektionen

Die eigentliche Chemotherapie wird von vielen Patienten recht gut vertragen. Problematisch ist jedoch, dass die teilungshemmenden Medikamente nicht nur die kranken Blutzellen schädigen, sondern alle Gewebe, in denen sich Zellen schnell teilen. Dazu gehören alle Schleimhäute und der Magen-Darm-Trakt. Diese Beeinträchtigungen werden viel stärker wahrgenommen als die eigentliche Wirkung im Körper.

Die Leukämie-Behandlung ist für den Patienten sehr gefährlich, da mit den kranken Blutzellen auch sein Immunsystem extrem geschwächt wird. Bei der Stammzellentransplantation wird sogar eine Isolation des Patienten notwendig. Sie soll verhindern, dass er sich von außen ansteckt.

Auch durch eine unerkannte Infektion des Stammzellenspenders könnten Krankheitskeime den Empfänger ernsthaft schädigen. Aber selbst ohne diese direkte Übertragung besteht die Gefahr einer kritischen Infektion zumindest so lange, bis sich das Immunsystem wieder neu formiert hat.

Kann man sich vor einer Leukämie schützen?

Man kann nicht direkt testen, welche Chemikalien oder Lebensweisen eine Leukämie auslösen. Es bleibt nur die Beobachtung und Auswertung der Lebensweise von Leukämie-Patienten und der Vergleich mit Gesunden. Leukämie ist aus statistischer Sicht eine recht seltene Krankheit. Wenn verschiedene Lebensweisen, Altersgruppen und so weiter betrachtet werden, kommt man pro jeweiliger Leukämieform auf so wenige Fälle, dass renommierte Statistiker keine Interpretation mehr wagen.

Es gibt allerdings einzelne Ursachen, die feststehen: etwa Benzol, das in einer italienischen Firma Häufungen von Leukämien verursachte. Auch Strahlenbelastungen scheinen als Ursache gesichert zu sein. Dem Normalbürger helfen solche Einzelbefunde aber nicht sehr viel weiter.

Leukämie entsteht durch genetische Defekte und ist daher nicht ansteckend. Die Patienten tragen in der Öffentlichkeit nur einen Mundschutz, um sich selbst vor Infektionen zu schützen. Die Wahrscheinlichkeit, als Kind, als Bruder oder Schwester eines Kranken ebenfalls an Leukämie zu erkranken, ist nicht höher als in der sonstigen Bevölkerung.

Ähnliches gilt für die Vorbeugung. Leukämien entstehen durch Gendefekte, die vom körpereigenen Reparatursystem nicht beseitigt werden können. Allgemein kann man annehmen, dass alles zu empfehlen ist, was das Immunsystem stärkt. Eine gesunde Lebensweise etwa, mit abwechslungsreicher Ernährung, kann durchaus Gutes bewirken. Ob dadurch Leukämien verhindert werden, ist zwar statistisch nicht nachweisbar. Trotzdem: Selbst wenn dies nicht gegen die seltenen Leukämien helfen sollte, schützt man sich so zumindest vor den viel häufigeren Herz-Kreislauferkrankungen und anderen Zivilisationskrankheiten.

Autor: Vladimir Rydl

Stand: 30.09.2015, 15:35