Rheuma und Arthrose

Krankheiten

Rheuma und Arthrose

Über 100 Gelenke federn Tag für Tag enorme Stöße auf unseren Körper ab. Aber schon ab Mitte 30 beginnt die schleichende Abnutzung im Gelenk, die schließlich zu Arthrose führen kann. Und auch entzündliche Gelenk-Erkrankungen wie Rheuma sind keine "Alte-Leute-Krankheit". Immer häufiger sind mittlerweile auch Kinder von Rheuma betroffen.

Das Gelenk

Frauenfüße mit Sportschuhen und Walking-Stöcken auf einem Kiesweg

Was passiert, wenn Stöße nicht mehr abgefedert werden?

Im Gelenk treffen zwei Knochen aufeinander, die durch Sehnen und Muskeln miteinander verbunden sind. Die Knochen sind innerhalb des Gelenks mit einer schützenden Knorpelschicht überzogen. Sie verhindert, dass die Knochen bei Bewegungen direkt aufeinander reiben. Das Gelenk wird umschlossen von der Gelenkkapsel, die wiederum mit der Gelenkinnenhaut ausgekleidet ist. Für eine optimale Gelenkschmierung befindet sich im Gelenk die Gelenkflüssigkeit oder Gelenkschmiere, die sogenannte Synovia. Sie wird von der Gelenkinnenhaut (Synovialmembran, Synovialis) gebildet. Die Knorpelschicht auf den Knochenenden hat keine eigenen Blutgefäße, die sie versorgen. Die Versorgung des Knorpels und des Gelenks mit Nährstoffen erfolgt allein über die Gelenkinnenhaut - und zwar nur bei Bewegung des Gelenks. Deshalb ist nicht Schonung, sondern Bewegung ohne Belastung bei rheumatischen Erkrankungen so wichtig.

Arthrose - ein natürlicher Alterungsprozess

Colorierte Röntgenaufnahme eines menschlichen Knies mit Arthrose

Kniegelenk eines Arthrose-Patienten

Bei Arthrose ist die Knorpelschicht auf dem Knochen stark angegriffen, weil sie abgenutzt ist. Die Oberfläche ist rau, wird immer dünner und fasert auf. Dieser Prozess kann bis zum kompletten Knorpelverlust führen. Im späten Stadium reibt dann Knochen auf Knochen. Als Arthrose bezeichnet man eine alters- oder verschleißbedingte Veränderung des Gelenks. Mit dem Lebensalter wächst das Risiko, eine Arthrose zu bekommen. Während nur vier Prozent der 20-Jährigen eine Arthrose haben, sind von den über 70-Jährigen 70 Prozent betroffen, Frauen häufiger als Männer. Ursache kann eine regelmäßige Überlastung zum Beispiel durch viel Sport sein, aber auch frühere Verletzungen wie zum Beispiel Meniskusschäden. Angeborene oder erworbene Gelenkfehlstellungen wie X- oder O-Beine können ebenfalls zur Arthrose führen. Auch Übergewicht stellt - durch die ständige Überlastung etwa der Kniegelenke - ein hohes Arthrose-Risiko dar. In schweren und fortgeschrittenen Fällen von Arthrose müssen künstliche Gelenke eingebaut werden. Am häufigsten betrifft dies Hüfte und Knie, aber auch für kleinere Gelenke gibt es Prothesen.

Symptome der Arthrose

Schmerzen und Steifigkeit der Gelenke sind typische Symptome bei Arthrose. Bei kalter und feuchter Witterung und durch Belastungen können die Schmerzen stärker werden. Vor allem bei stoßartigen Belastungen, wie zum Beispiel beim Treppe hinunterlaufen, nehmen Schmerzen in den Knien oft zu. Fahrrad fahren dagegen ist meist ohne Probleme möglich. Typisch für Arthrose ist der sogenannte Anlaufschmerz. Das heißt, die ersten Bewegungen nach einer Ruhephase sind besonders schmerzhaft, der Schmerz lässt aber nach, wenn sich die Gelenke "eingelaufen" haben. Wenn die Schmerzen allerdings auch im Ruhezustand auftreten, ist das ein Zeichen dafür, dass das Gelenk überlastet worden ist. Dann kann sich das Gelenk entzünden, der Mediziner spricht von einer aktivierten Arthrose. Die Folge der Entzündung am Knie ist oft ein Kniegelenkerguss.

Was ist Rheuma?

Rheuma wird oft als die "Krankheit mit vielen Gesichtern" bezeichnet. Über 400 unterschiedliche Krankheitsbilder werden unter diesem Begriff zusammengefasst. Es können Gelenke, Wirbel, Knorpel, Gelenkinnenhaut, Sehnen, Muskeln und Nerven betroffen sein, teilweise mit sehr schwerwiegenden Krankheitsverläufen. Gemeinsam ist allen Ausprägungen ein ziehender, reißender Schmerz. Er hat dem Rheuma seinen Namen gegeben (Griechisch = fließender Schmerz). Schmerz ist daher das Leitsymptom rheumatischer Erkrankungen.

Die Hand einer bettlägerigen Patientin, die durch Rheuma schwer deformiert ist

Ein schwerer Fall von Rheuma

In der Medizin unterscheidet man vier Hauptgruppen rheumatischer Erkrankungen. Am häufigsten sind die degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, zu denen die Arthrose, Bandscheibendegenerationen und verschiedene Neuralgieformen (Nervenschmerzen) zählen. Ebenfalls häufig ist der Weichteilrheumatismus, die Fibromyalgie. Er kann Sehnen, Bindegewebe und Muskeln befallen, und fast jeder Mensch ist irgendwann in seinem Leben einmal davon betroffen. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht können mit rheumatischen Beschwerden einhergehen. Was im Volksmund als Rheuma bezeichnet wird, umfasst am ehesten die Gruppe der entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Hierzu gehören beispielsweise die rheumatoide Arthritis oder Polyarthritis und der Morbus Bechterew. Die Endsilbe "-itis" zeigt dabei an, dass es sich um einen Entzündungsprozess handelt.

Rheuma auch bei Kindern

Ein 10-jähriges Mädchen auf einer Liege wartet auf eine Massage

Eine junge Rheuma-Patientin bei der Therapie

Das entzündliche Rheuma befällt am häufigsten die Gelenke. Typische Symptome sind Morgensteifigkeit, gleichzeitiger Befall desselben Gelenkbereiches an beiden Körperhälften, Druckschmerzempfindlichkeit, Veränderungen am Skelett und die sogenannten "Rheumaknoten".

Unter rheumatoider Arthritis leidet etwa ein Prozent der Deutschen, Frauen dreimal häufiger als Männer. Da meist mehrere Gelenke von der Entzündung betroffen sind, wird die rheumatoide Arthritis auch als chronische Polyarthritis (Griechisch: poly, viel; Arthritis, Gelenksentzündung) bezeichnet. Sie beginnt häufig in den Finger-, Hand- und Fußgelenken und breitet sich dann auf andere Gelenke wie Knie und Schultern aus.

Hier kommt es zu immer wiederkehrenden oder ständig bestehenden Entzündungen. Diese führen mit der Zeit zu einer immer stärkeren Zerstörung der Gelenke bis hin zu Gelenksverformungen. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Grundsätzlich kann die Arthritis aber in jedem Lebensalter auftreten, sogar schon bei Kindern. In Deutschland sind rund 50.0000 Kinder von Rheuma betroffen. Wie und warum eine rheumatoide Arthritis entsteht, ist noch immer nicht endgültig geklärt.

Unterschied Rheuma und Arthrose

Arthrose und rheumatoide Arthritis - meist Rheuma genannt - werden oft verwechselt, weil ihre Namen ähnlich klingen. Dabei unterscheiden sie sich, wie oben beschrieben, im Krankheitsbild und auch in ihrer Ursache: Bei der Arthrose schmerzen die Gelenke, weil die Knorpelschicht angegriffen ist, entweder durch Überbelastung wie exzessiven Sport, durch Übergewicht oder durch Altersabnutzungen. Beim Rheuma ist das Immunsystem gestört, deswegen entzünden sich die Gelenke. Arthrose entwickelt sich schleichend über mehrere Jahre, beim Rheuma gibt es Schübe, die teilweise schnell wieder verschwinden können. Ein weiterer Unterschied: Rheuma-Patienten fühlen sich oft krank und erschöpft und haben Fieber, Arthrose-Patienten kennen solche allgemeinen Krankheitsgefühle nicht.

Autor/in: Ulrike Wilhelm

Stand: 13.11.2014, 12:00

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