Bananenhandel

Bananen

Bananenhandel

Die Banane ist nicht nur lecker und gesund, sondern auch eine lohnende Handelsware. Der Bananenhandel ist schon seit mehr als 100 Jahren ein umkämpftes Geschäft. Kleinbauern und Großkonzerne, korrupte Staatschefs und Streiter für fairen Handel, amerikanischer und europäischer Markt – in der Bananenwirtschaft prallen viele Interessen aufeinander. Und sogar Kriege sind schon wegen des lukrativen Geschäfts mit der gelben Frucht geführt worden.

Ein Bananen-Imperium entsteht

Drei gelbe Bananen.

Der Handel mit Bananen ist umkämpft

Ihren Ursprung hat die Banane in Südostasien. Von dort gelangte sie durch Seefahrer nach Indien und Afrika und durch die spanischen Eroberer auf die Kanarischen Inseln, wo sie auch heute noch angebaut wird. Mit der Eroberung Mittel- und Südamerikas kam die Banane in die Neue Welt. Allerdings wurde die leicht verderbliche Frucht anfangs fast nur für den Eigenbedarf angebaut.

Der Beginn der großen Bananenplantagen Mittelamerikas fällt zusammen mit dem Bau der Eisenbahnen. Es ist vor allem ein Amerikaner, der sich hier einen Namen gemacht hat: Minor C. Keith. 1871 reist Keith zu seinem Onkel nach Costa Rica und steigt in dessen Bahnbauprojekt ein. Entlang der Bahnstrecke lässt er Bananenplantagen für den Export bauen. Dank der Bahn lassen sich die schweren Früchte leichter zu den eigenen Umschlagsanlagen in den Häfen transportieren.

Ein Zug transportiert Bananen vorbei an einer Menge jubelnder Menschen.

Bahnen und Bananen

Der Erfolg gibt ihm recht, und schon bald plant Keith Bahnbauprojekte und Plantagen in anderen Ländern Mittelamerikas. Allerdings fehlen ihm eigene Schiffslinien und ein gutes Vertriebsnetz, um die Bananen in den USA absetzen zu können. 1899 schließt Keith sich deshalb mit der "Boston Fruit Company" zusammen. Diese besitzt zwar keine Eisenbahnen, dafür aber Schiffslinien und einen funktionierenden Vertrieb. Die "United Fruit Company" ist gegründet. Bis zum heutigen Tag kontrolliert sie - heute unter dem Namen "Chiquita Brands Co." - mit zwei weiteren großen Konzernen das Bananen-Exportgeschäft weltweit.

Das Bananen-Imperium wächst

Fast zur selben Zeit als Keith sein Bananenimperium aufbaut, beginnen auch zwei aus Sizilien in die USA eingewanderte Brüder mit dem Bananenhandel. Die Vaccaro-Brüder lassen sich in Honduras nieder und bauen dort eine Eisenbahnstrecke und eine Hafenmole. Als Dank bekommen sie von Honduras Ländereien und Privilegien für den Bananenhandel. 1926 bekommt ihre Firma den Namen "Standard Fruit and Steamship Company" (SFCO). Es sind gute Jahre im Bananengeschäft - allerdings nicht für alle: Viele kleinere Firmen versuchen, sich am Markt zu halten, doch nur den wenigsten gelingt es. Schon bald kontrolliert die "United Fruit Company" (UFCO) 80 bis 90 Prozent des US-Bananenmarktes. Lediglich die SFCO, der Vorläufer der heutigen Dole, bleibt neben der UFCO bestehen.

Das Bananengeschäft erfordert von allen Beteiligten größte Aufmerksamkeit, denn die Frucht ist leicht verderblich und muss so schnell wie möglich geerntet und transportiert werden. Weil sie sich dadurch einen reibungslosen Ablauf auf den Plantagen versprechen, strukturieren die Konzerne ihre Plantagen streng hierarchisch: Die oberen Leitungspositionen werden von ausländischen Kräften besetzt. Sie leben getrennt von den einheimischen Arbeitern, in besseren Wohnungen und mit anderen Freizeiteinrichtungen.

Hamburg, 04.1988. Hafenarbeiter bei der Verladung einer Lieferung von Dole-Bananen im Hamburger Hafen. Bild: Arbeiter im Container, Kisten hebend

Vorläufer der Firma Dole war die SFCO

Aber nicht nur die Plantagen gehören zu den Bananenimperien. Da die mittelamerikanischen Staaten in der Regel nicht über entsprechende Infrastrukturen verfügen, sorgen die Konzerne selbst dafür. Bald besitzen sie neben dem Transportwesen auch die Kontrolle über das Telefonwesen, die Wasser- und Elektrizitätswirtschaft und schließlich über die Politik.

Bananenkriege

Bald dreht sich in Mittelamerika alles nur noch um die Banane. Die wirtschaftliche Abhängigkeit der meisten Staaten von den Bananenplantagen ist enorm. Viele der Regierungschefs sind zudem leicht zu manipulieren, solange ihnen von den Bananenkonzernen Macht und persönlicher Wohlstand eingeräumt wird. Funktionieren sie nicht, so zeigt sich schnell, bei wem die Macht in Wahrheit liegt.

In den etwas über hundert Jahren des Bananenanbaus in Mittelamerika finden 28 Übergriffe der USA im Interesse US-amerikanischer Firmen auf die "Bananenrepubliken" statt, von denen manche erst Jahrzehnte später auch der breiten Öffentlichkeit bewusst werden. Einer davon ereignet sich in Guatemala: 1951 wird Jacobo Arbenz Guzman zum Präsidenten des Landes gewählt.

Der im Exil lebende ehemalige Präsident von Guatemala, Jacobo Arbenz Guzman (M), und seine Ehefrau (l) beantworten bei ihrem Aufenthalt in Paris am 4.1.1955 die Fragen von Journalisten.

Jacobo Arbenz Guzman (m.) wurde von der CIA gestürzt

In seiner kurzen Amtszeit bringt er ein Gesetz durch, das den guatemaltekischen Kleinbauern das Recht auf jenes Land zuspricht, das zwar im Besitz der UFCO ist, welches diese jedoch brach liegen lässt. Er plant außerdem den Bau eines eigenen Hafens und eines eigenen Elektrizitätswerks, um das Land unabhängig von der UFCO zu machen. Die Reaktionen von Seiten der USA kommen prompt: Die CIA inszeniert den Sturz des demokratisch gewählten Präsidenten. Die Agrarreform wird eingestellt und das Land erlebt unter wechselnden Militärregierungen einen sozialen Rückschritt.

Neue Wege?

Mitte der 1970er Jahre finden sich die mittelamerikanischen Staaten in der "Union Bananen produzierender Länder" zusammen, um wenigstens einen kleinen Teil der Gewinne für die eigenen Staaten erwirtschaften zu können. Sie unterstützen kleinere Plantagen, die jetzt für die großen Konzerne als Vertragsbauern arbeiten können. Erst allmählich erkennen die Konzerne, dass auch sie Vorteile daraus ziehen, da sie nach wie vor die Kontrolle über den Bananenanbau behalten, viele Risiken allerdings an die Bauern weiterleiten können.

Figur mit Bananen im Kreisverkehr.

Die türkische Stadt Anamur ist bekannt für ihre Bananen

Weniger Einsicht haben die Konzerne mit den Gewerkschaften. Die schweren, oft menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen haben den Gewerkschaften in den Anfängen des Bananenanbaus einen großen Zulauf gebracht. In Costa Rica reagieren die Konzerne zunächst mit Verfolgung und polizeilicher Gewalt, später finden sie einen moderateren Weg, sich der Gewerkschaften zu entledigen: Sie führen interne Arbeiterkomitees ein und unterstützen diese gegen die Gewerkschaften - mit Erfolg: In Costa Rica ist die Gewerkschaft auf den Bananenfeldern an der Atlantikküste praktisch tot.

Neue Werte

Nicht nur politische Krisen begleiten die Geschichte des Bananenanbaus in Mittelamerika. Pflanzenkrankheiten, Unwetter und andere Katastrophen beeinflussen das Geschäft mit der Banane seit über hundert Jahren. Zu wehren weiß man sich in der Regel nur mit neuen Errungenschaften der Forschung, die allerdings dem Land und den Menschen, die dort arbeiten oft neuen Schaden zufügen. Die Müllberge aus Plastiktüten wachsen und der jahrzehntelange Einsatz von chemischen Giften hat Folgen für die Gesundheit der Arbeiter auf den Plantagen. Zunehmend auftretende Fälle von Sterilität, Missgeburten und Nervenleiden werden öffentlich bekannt. Sie schaden dem Image der großen Konzerne und zwingen sie zu Konsequenzen.

Ein Greenpeace-Aktivist präsentiert einen Korb Obst, das mit mit Pestiziden belastet ist.

Jahrzehntelanger Einsatz von chemischen Giften

Die 1990er Jahre bringen endlich auch ein Umdenken in ökologischer Hinsicht. Die großen Konzerne entschließen sich zu einer freiwilligen Kontrolle. Seit Ende der 1990er Jahre gibt es ein Gütesiegel. Das Siegel ISO 14.001 stellt sicher, dass einige Pflanzenschutzmittel nicht mehr verwendet werden dürfen, und dass bestimmte Maßnahmen zur Sicherung der Umwelt eingehalten werden.

Autor/in: Stephanie Hiller/Sine Maier-Bode

Stand: 19.09.2013, 13:00

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