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Bibliotheken geben nicht nur dem Weltwissen der Menschheit ein Zuhause, sondern sind selbst ein Stück Heimat, mitunter sogar Zufluchtsort. In den Kathedralen des Geistes haben sich die berühmtesten Literaten inspirieren lassen und ihre wichtigsten Werke zu Papier gebracht. Geistiges Leben wäre ohne Bibliotheken und ihre Schätze, die sie bewahren, nicht möglich. Seitdem die Menschen die Schrift entwickelt und sich zunutze gemacht haben, gibt es auch Bibliotheken.

Die Anfänge in der antiken Welt

Bibliotheken waren bereits im Leben der mesopotamischen Hochkultur im 4. Jahrtausend vor Christus ein fester Bestandteil. Vor allem im Umfeld des königlichen Hofes, der eine große Verwaltung unterhielt, entstanden Bibliotheken. Sie hatten oft einen praktischen Nutzen, dienten als Wirtschaftsarchive, um zu erfassen, was gekauft und verkauft wurde. Letztendlich waren Bibliotheken ein Machtinstrument, denn sie bildeten das einzige Zentrum für Information, das alles relevante Wissen der Zeit speicherte und entsprechend weitergab. Die Hofbeamten verfassten ihre Texte in Keilschrift auf Tontäfelchen. Meist wurden die Tontafeln in Archiven auf Holzgestellen den Wänden entlang aufgestellt oder geschichtet.

Die berühmteste und größte Schatzkammer des Wissens in der Antike war die Bibliothek von Alexandria. Sie wurde vom griechischen Wissenschaftler Ptolemäus im Jahr 288 vor Christus gegründet. Bereits in der Mitte des 3. Jahrhunderts vor Christus soll die Bibliothek einen Bestand von 400.000 Schriftrollen gehabt haben, der sich im Lauf der Zeit noch um 300.000 Dokumente vergrößerte. Nach Zeitzeugenberichten griff man bei der Beschaffung von Büchern auf ein unkonventionelles System zurück: Die im Hafen von Alexandria einlaufenden Schiffe mussten alle Dokumente und Schriftrollen, die sie mitführten, abgeben, damit sie abgeschrieben werden konnten. Angeblich erhielten die ehemaligen Eigentümer nur Kopien zurück.

Bibliothek in Alexandria

Das geistige Zentrum der antiken Welt

Die Bibliothek von Alexandria galt als das geistige Zentrum der antiken Welt, in dem sich Philosophen, Gelehrte und Wissenschaftler trafen und forschten. Das Alte Testament wurde dort zum ersten Mal aus dem Hebräischen ins Griechische übersetzt. Nur 300 Jahre nach ihrer Gründung verbrannte ein Teil der Bibliothek. Julius Cäsar hatte den Hafen von Alexandria 48 vor Christus in Brand stecken lassen; dabei ergriffen die Flammen auch die Bibliothek. Bei einem zweiten Brand im 4. Jahrhundert nach Christus wurde sie fast völlig zerstört

Klosterbibliotheken und Fürstenbibliotheken

In Westeuropa beginnt die Geschichte der Bibliotheken mit der Gründung der Klosterbibliotheken. Die älteste und noch heute zugängliche Bibliothek ist die des Klosters von St. Gallen. Wichtige Aufgabe der Mönche in den klösterlichen Skriptorien war das Abschreiben und Illustrieren religiöser Literatur. Vor allem die Bibel sollte auf diese Weise verbreitet werden. Diese mühselige Arbeit verstand man als eine Art Gottesdienst in anderer Form. Durch die Leistung der Kopisten entstanden wiederum ganz einmalige Werke. Die Mönche retteten durch ihre Kopierleistung ebenfalls Schriften antiker Autoren vor dem Vergessen.

Die Erfindung des Buchdrucks Ende des 14. Jahrhunderts in Europa bedeutet für die Verbreitung von Bücherwissen eine Revolution. Dynamik kommt in die Sammlungen der Bibliotheken. Zuvor war die Anschaffung und Herstellung neuer Bücher mit erheblichen Kosten und Zeit verbunden; durch die neue Technik erhöhte sich die Büchermenge um ein Vielfaches. Vor allem im romanischen Raum trugen beispielsweise die Medici in Florenz oder der burgundische Hof bedeutende Bibliotheken zusammen. Nördlich der Alpen setzte die Leidenschaft, Bücher zu sammeln, erst im Zeitalter des Barock ein.

Die Bibliothek der Benediktinerabtei Maria Laach.

Klosterbibliotheken retteten antike Schriften vor dem Vergessen

Die neu gegründeten Fürstenbibliotheken wie die "Anna Amalia Bibliothek" in Weimar oder die “Herzog August Bibliothek“ in Wolfenbüttel sollten irdische Macht symbolisieren. Prestigedenken und der Wunsch, in einer unsterblichen Büchersammlung weiterzuleben, waren Antrieb der Sammlerpersönlichkeiten. Die fürstlichen Bücherfreunde bauten nicht nur herrliche barocke Bibliotheksneubauten, sondern zeigten sich als Mäzene von Wissenschaftlern, Dichtern und Künstlern. Goethe leitete die Bibliothek in Weimar, Leibniz und Lessing die Bibliothek in Wolfenbüttel.

Staats- und Nationalbibliotheken

Ab 1800 wächst der Einfluss des Bürgertums und seiner Interessen auch im Hinblick auf die Buchproduktion und das Bibliothekswesen. Der Bau großer und prächtiger Nationalbibliotheken wird in Frankreich, England und den USA im Verlauf des 19. Jahrhunderts Angelegenheit des Staates. Nicht so in Deutschland. Hier übernimmt der Börsenverein diese Aufgabe und gründet die deutsche Bücherei in Leipzig. Der Bau wird privat finanziert und die Verleger treten Exemplare ihrer Neuerscheinungen an die Bücherei ab. Heute hat die Bibliothek den Auftrag, jedes in Deutsch publizierte Werk im In- und Ausland zu sammeln.

Die griechische Natioalbibliothek.

Auch in Zukunft wird es Bibliotheken geben

Die Zahl und Vielfalt der heutigen Bibliotheken ist immens. Unterschieden wird zwischen öffentlichen, zu denen Stadt- und Ratsbibliotheken gehören, sowie Instituts-, Präsenz-, Universitäts- und Spezialbibliotheken. Trotz Internet und digitaler Bibliotheken wird es auch in Zukunft, da ist sich die Fachwelt einig, Bibliotheken geben. Der Schwerpunkt wird voraussichtlich in der Archivierung und Aufbereitung der digitalen Medien liegen. Obwohl sich die Zahl der gedruckten Bücher wahrscheinlich verringern wird, bleibt doch der Ort Bibliothek als sozialer und kommunikativer Raum weiterhin bestehen.

Autor/in: Sabine Kaufmann

Stand: 15.08.2014, 13:00

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