Der Placebo-Effekt

Alternativmedizin

Der Placebo-Effekt

Nicht wenige alternative Verfahren helfen den Patienten, obwohl nachgewiesenermaßen keinerlei Wirkung von ihnen ausgehen kann. Fachleute sprechen dabei vom Placebo-Effekt. Interessanterweise haben Scheinmedikamente wie Zuckerpillen oder Kochsalzlösungen aber nicht nur positive Effekte. Sie können auch Krankheiten auslösen. Wie Placebos genau funktionieren, ist noch unklar, aber die Forscher sind ihnen auf der Spur.

Der schöne Schein

Tabletten, Spritzen oder sogar Operationen – Placebos gibt es in vielen Varianten. Dass sie wirken, zeigen zahlreiche Erfahrungsberichte und Studien. So wurden unter anderem bei der Therapie von Parkinson Scheinmedikamente eingesetzt.

Mit Erfolg: Das Zittern, das für die Parkinson-Krankheit typisch ist, ließ bei vielen Studienteilnehmern nach, obwohl die Medikamente keine Wirkstoffe enthielten. Tests mit angeblich schmerzlindernden Salben und anderen Scheinpräparaten brachten ähnliche Ergebnisse.

Entdeckung aus Zufall

Gemälde: Porträt des griechischen Arztes Hippokrates.

Schon Hippokrates setzte auf Placebos

Placebos gibt es schon seit der Antike. Damals wandte der griechische Arzt Hippokrates Methoden an, die eigentlich wirkungslos waren und trotzdem halfen. Auch im Mittelalter arbeiteten die Heiler mit solchen Verfahren.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema begann im Zweiten Weltkrieg. Auslöser war eine Beobachtung des Militärarztes Henry Beecher. Er sah, wie eine Krankenschwester einem verwundeten Soldaten eine Kochsalzlösung spritzte, weil das Morphin knapp geworden war. Dem Kranken ging es trotzdem besser. Daraufhin begann Henry Beecher sich genauer mit dem Placebo-Effekt zu beschäftigen.

Auf Beecher geht auch ein Studiendesign zurück, das heute noch in der Pharmaforschung angewandt wird: Viele Medikamente, die neu auf den Markt kommen, müssen seitdem in sogenannten Doppelblindstudien gegen ein Placebo "antreten". Dabei wissen die Probanden nicht, ob sie ein echtes Medikament oder ein Scheinmedikament bekommen. Manchmal kommt es sogar vor, dass die Placebos besser wirken als die "echten" Mittel.

Vorsicht, Nebenwirkungen

Der Placebo-Effekt reicht sogar so weit, dass selbst Operationen, die nur zum Schein durchgeführt werden, bei einigen Patienten helfen. Während solche Scheinoperationen noch weitgehend unerforscht sind, haben Forscher mittlerweile einiges über die Placebos in Pillenform herausgefunden. So spielt zum Beispiel die Größe der Tablette eine Rolle. Viele kleine Tabletten oder eine große helfen in der Regel besser als eine normal große Pille.

Auch der vermeintliche Preis hat Einfluss auf die Wirkung. Dabei gilt: Je teurer die Mittel angeblich sind, desto besser sprechen die Patienten darauf an.

Es gibt aber auch eine Kehrseite der Scheinmedikamente. Denn wie echte Medikamente helfen sie nicht nur, sondern haben auch negativen Einfluss. So mussten sich beispielsweise Studienteilnehmer tatsächlich übergeben, denen man gesagt hatte, sie würden ein vermeintliches Brechmittel testen.

Keine Einbildung

Ein Patient unterhält sich mit einer Ärztin.

Ob Placebos wirken, hängt auch vom Arzt ab

Die Wissenschaftler wissen mittlerweile, dass der Placebo-Effekt keineswegs nur auf Einbildung beruht. Wenn Patienten von einem Placebo erwarten, dass es hilft, werden im Körper schmerzstillende Hormone freigesetzt. Gesteuert wird dieser Mechanismus vom Gehirn.

Ob er funktioniert, hängt ganz entscheidend von den Rahmenbedingungen ab, unter denen das Scheinmedikament verabreicht wird. Werden die Placebos zum Beispiel wortlos gegeben, wirken sie schlechter, als wenn der Arzt dabei auf den Patienten eingeht und ihm zum Beispiel Mut zuspricht.

Da im Bereich der Alternativmedizin häufig ein enges Verhältnis zwischen Patient und Therapeut besteht, wirken Placebos in diesen Fällen oft besonders gut. Bei all den positiven Wirkungen sind Scheinmedikamente aber auch ethisch umstritten.

Wenn Ärzte und Therapeuten mit Placebos arbeiten, setzt das immer voraus, dass sie ihren Patienten nicht die Wahrheit über das Medikament sagen. Denn würden die Kranken wissen, dass sie nur eine Zuckerpille schlucken, würde sie nicht wirken.

Autorin: Christiane Tovar

Weiterführende Infos

Stand: 27.10.2016, 11:00

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