Erste Hilfe

Medizin

Erste Hilfe

Deutschland hat ein perfekt ausgebautes Rettungssystem, der Notarztwagen ist meist in weniger als 15 Minuten zur Stelle. Trotzdem: Im Notfall kann die Mithilfe von Ersthelfern über Leben und Tod entscheiden. Allerdings haben nur rund 20 Prozent der Bevölkerung einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert und noch weniger - etwa zehn Prozent - trauen sich im Notfall auch wirklich einzugreifen. Dabei ist Erste Hilfe nicht schwer. Jeder kann und muss helfen, denn dazu ist man per Gesetz verpflichtet.

Was ist Erste Hilfe?

Egal ob bei einem Unfall, einer plötzlich auftretenden Erkrankung oder einer Vergiftung: Erste Hilfe ist die sofortige, vorläufige Hilfeleistung und zwar so lange, bis ein Arzt kommt, um die medizinische Versorgung zu übernehmen. Deshalb sind es meist nicht Rettungssanitäter, die Erste Hilfe leisten, sondern Menschen, die im Notfall anwesend sind oder als Erste dazustoßen. Zur Ersten Hilfe gehört neben der Betreuung des Verletzten auch der Notruf und - wenn nötig - das Absichern der Unfallstelle.

Die meisten Unfälle ereignen sich übrigens nicht im Straßenverkehr. Wesentlich mehr Unglücke geschehen im Haushalt, am Arbeitsplatz oder in der Freizeit. Zudem benötigen auch viele Opfer plötzlicher Erkrankungen Erste Hilfe. Zum Beispiel erleiden allein 100.000 Menschen jährlich in Deutschland den plötzlichen Herztod.

Die Angst zu helfen

Erste-Hilfe-Kurs.

Immer wieder auffrischen

Von sich aus haben die wenigsten Menschen Interesse daran, sich in Erster Hilfe zu bilden. In Deutschland ist eine Erste-Hilfe-Ausbildung nur für den Erwerb eines Führerscheins Pflicht. Doch oft scheuen sich selbst Menschen mit Erste-Hilfe-Wissen, im Notfall aktiv einzugreifen. Notfälle stehen eben nur für Rettungssanitäter und Mediziner auf der Tagesordnung, nicht für den normalen Bürger. Da wundert es nicht, dass die meisten Menschen laut einer Studie der Universität Würzburg schon zwei Jahre nach ihrem Erste-Hilfe-Kurs 50 Prozent der Inhalte vergessen haben und glauben, im Notfall nicht helfen zu können.

In anderen Ländern, wie etwa den USA oder im skandinavischen Raum, haben die Menschen mit Erster Hilfe weniger Berührungsängste. Die Erklärung dafür ist simpel: Erste-Hilfe-Kurse sind dort keine einmalige Angelegenheit, sondern gehören von Anfang an dazu - erst in der Grundschule, dann in höheren Schulen und auch in Betrieben.

Mit Erster Hilfe ist es wie mit allem anderen: Nur durch regelmäßige Übung wird man vertraut und verliert die Hemmungen. Unsicherheit hingegen schürt Angst und lähmt, erst Recht in Extremsituationen. Angst etwa davor, sich mit einer ansteckenden Krankheit wie Aids oder Hepatitis B zu infizieren. Der häufigste Grund dafür, keine Erste Hilfe zu leisten, ist aber die Angst davor, etwas falsch zu machen und dem Verletzten mehr zu schaden als zu helfen.


Pflicht zur Ersten Hilfe

Notfallmediziner betonen, es sei ein größerer Fehler Erste Hilfe zu unterlassen als während der Hilfe etwas falsch zu machen. Wer einige wenige Erste-Hilfe-Regeln verinnerlicht, kann gar nicht so viele Fehler machen. Für eine falsche Hilfeleistung wird man auch nicht zur Rechenschaft gezogen - es sei denn, der Helfer handelt vorsätzlich oder grob fahrlässig. Im Rahmen der Ersten Hilfe ist es aber sehr unwahrscheinlich, dass jemand bewusst und gewollt einem anderen Schaden zufügt. Wenn bei der Ersten Hilfe dem Helfer selbst etwas zustößt, ein materieller Schaden oder eine Verletzung, haftet eine gesetzliche Unfallversicherung der Länder und Gemeinden.

Unterlassene Hilfeleistung hingegen ist strafbar. In Deutschland ist jeder Bürger zur Ersten Hilfe gesetzlich verpflichtet. Wer in Not geratenen oder hilflosen Menschen nicht beisteht, muss mit einer Geldstrafe oder gar einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr rechnen. Ein Notruf gilt bereits als Erste-Hilfe-Leistung.

Es gibt auch Situationen, die von der Pflicht zur Hilfeleistung befreien. Nämlich dann,

  • wenn man sich durch die Erste Hilfe selbst in Gefahr bringt. Zum Beispiel muss ein Nichtschwimmer nicht ins Wasser springen,   um einen Ertrinkenden zu retten.
  • wenn man andere wichtige Pflichten vernachlässigen müsste, etwa die Aufsicht eines Kindes.
  • wenn eine höher qualifizierte Person (zum Beispiel ein Arzt) anwesend ist, welche die Erste Hilfe übernehmen kann.

Jede Minute zählt

Ein Notarztwagen fährt auf der Straße.

Erste Hilfe beginnt, bevor der Rettungsdienst kommt

Viele Menschen glauben, dass sie mit einem Notruf den wichtigsten Beitrag zur Ersten Hilfe leisten, denn schon nach wenigen Minuten ist der Rettungsdienst da und kann sich professionell um das Unfallopfer kümmern. In der Stadt sind es meist weniger als acht Minuten, bis die Sanitäter vor Ort sind; auf dem Land kann es länger dauern - um die 15 bis 20 Minuten.

Der Notruf ist in der Tat ein wesentlicher Teil der Ersten Hilfe, doch nicht der einzige. Oft ist entscheidend, was in den ersten Minuten geschieht - also bevor der Rettungswagen da ist. Diese Erste Hilfe kann die Folgen einer Verletzung abmildern oder gar dafür sorgen, dass das Opfer überlebt. Notfallmediziner betonen, dass Laien schon mit einfachen Maßnahmen viel erreichen können. Einen Herzstillstand etwa überleben ohne Erste Hilfe nur ein bis zwei Prozent der Betroffenen, während mit Erster Hilfe 35 Prozent gerettet werden können.

Nur wer übt, kann helfen

Erste-Hilfe-Kurs.

Immer wieder auffrischen

An nur einem Tag kann man die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen erlernen. Wichtig ist allerdings, sein Wissen immer wieder aufzufrischen, damit man im Notfall auch handelt und nicht vor Angst gelähmt ist. Experten raten, spätestens alle fünf Jahre die Erste-Hilfe-Ausbildung zu wiederholen, besser noch alle zwei bis drei Jahre. In eintägigen Kursen lernt man die wichtigsten lebensrettenden Sofortmaßnahmen: Absichern der Unfallstelle, Überprüfung des Bewusstseins, Atemkontrolle, stabile Seitenlage, Wiederbelebung mit Herzdruckmassage und Beatmung, Stillen von Blutungen, angemessene Reaktion bei Schockzustand, Versorgung lebensbedrohlicher Verletzungen. In mehrtägigen Kursen wird zudem gelehrt, was bei Verbrennungen und Vergiftungen zu tun ist.

Neben den Kursen, die allgemeine Erste-Hilfe-Grundlagen lehren, gibt es auch spezielle Angebote für sogenannte Risikogruppen. So gibt es etwa spezielle Kurse für die Erste Hilfe bei Kindern. Nicht nur, weil Kinder sich schneller verletzen oder vergiften als Erwachsene, sondern auch, weil zum Teil andere Maßnahmen erforderlich sind. So funktioniert etwa die Herz-Lungen-Wiederbelebung anders. Während bei Erwachsenen zuerst mit der Herzdruckmassage begonnen wird, müssen Kinder erst beatmet werden. Bei Säuglingen folgt dann die Herzmassage mit nur zwei Fingern, bei Kleinkindern mit nur einer Hand. Und weil die Herzfrequenz von Kindern höher ist, muss auch die Frequenz der Massage höher sein. Weitere spezielle Erste-Hilfe-Angebote gibt es für Senioren, Behinderte und Herz-/Kreislaufpatienten.

Autor/in: Melanie Kuss

Autor/in: Melanie Kuss

Stand: 16.10.2013, 13:00

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