Krankenhaus

Das Krankenhaus Porz am Rhein mit Helikopter-Landeplatz davor.

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Hightech-Medizin und digitales Datenmanagement, ausgefeilte Logistik und straffes Personalmanagement: Die Anforderungen an moderne Kliniken sind hoch. Die Patienten möchten so gut wie möglich versorgt werden und das Krankenhaus schnell wieder verlassen. Die Einrichtungen müssen zudem effizienter wirtschaften als früher, da sie je Diagnose nur noch eine Fallpauschale erhalten.

Das Erdgeschoss – wie eine ambulante Praxis

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen eine neue Hüfte. Sie betreten das Krankenhaus und melden sich am Empfang an. Alle Untersuchungen, die bis zur Operation am Tag darauf erfolgen, finden im Erdgeschoss statt, von der Vorbesprechung mit dem Arzt über die Blutabnahme bis zur Röntgenaufnahme. So die Wunschvorstellung.

Die Wege in einer modernen Klinik sollen möglichst kurz sein, die Abläufe schlank. "Heutzutage versucht man, das Erdgeschoss eines Krankenhauses wie eine große, ambulante Praxis aufzubauen", sagt Linus Hofrichter, der den Bau von Kliniken plant.

Die Radiologie steigt aus ihrem Kellerloch

Der Architekt plant seit fast 30 Jahren den Bau neuer und den Umbau alter Kliniken. "Früher war die Radiologie im Untergeschoss, weil die Geräte so riesig waren", sagt er. Im Erdgeschoss hatte jeder Chefarzt sein Büro plus ein Zimmer für die Sekretärin, ein Studierzimmer sowie die Bibliothek. "Auch die Verwaltungschefs haben gerne im Erdgeschoss gesessen, da sie gerne gesehen werden wollten", sagt der Architekt. Heute sei das anders.

Wenn Sie aber eine neue Hüfte brauchen und vielleicht auf Krücken gehen, dann müssen Sie fortan nicht mehr in die zweite Etage zum Orthopäden humpeln. Der Arzt empfängt seine Patienten heute in den Sprechzimmern unten im Erdgeschoss. Büros, Vorzimmer und Bibliotheken befinden sich nun in den oberen Etagen.

Und wenn Sie fit genug sind, können Sie noch einmal zu Hause schlafen. Denn die Patienten sollen so wenig Zeit wie möglich im Krankenhaus verbringen: So spart das Krankenhaus Geld für die Unterbringung und Sie laufen nicht Gefahr, sich kurz vor der OP noch mit Krankenhauskeimen anzustecken.

Erste Etage: Hier wird operiert

Auf einem grünen Tuch liegen Instrumente für eine Herzoperation bereit.

Das OP-Besteck ist eingedeckt

Der Tag der OP: Heute sollen Sie die neue Hüfte bekommen. Sie nehmen den Lift in die erste Etage und gelangen in den Bereich vor den Operationssälen. Hier ziehen Sie die OP-Kleidung an und legen sich auf eine Pritsche. Ein Anästhesist kommt und gibt Ihnen die Narkose.

Früher lief das in der Regel anders: Der OP-Saal wurde zunächst geputzt. Eine Schwester deckte das OP-Besteck ein und anschließend wurde der Patient hereingefahren. Erst dann wurde die Narkose eingeleitet. Der Chirurg konnte nun mit der Arbeit beginnen, wenn die Visite nicht mal wieder länger dauerte und alle im OP warten mussten.

Der Operationssaal wurde mal mehr, mal weniger für das genutzt, wozu er eigentlich da ist: zum Operieren. "Dabei ist ein OP-Saal der teuerste Raum im gesamten Krankenhaus", sagt Linus Hofrichter. Nicht wegen der teuren Geräte, sondern wegen der Lufttechnik verursacht der Raum so hohe Kosten. Die Belüftungsanlage sorgt dafür, dass die Luft im Operationssaal so rein wie in einer Silicium-Chip-Fabrik ist.

Um Zeit und damit Kosten zu sparen, versuchen die Krankenhäuser heutzutage, möglichst viele Prozesse parallel laufen zu lassen: Sie bekommen die Narkose noch im Vorraum, während der OP gereinigt wird und eine Schwester in einem sterilen Bereich das Tablett mit den Instrumenten vorbereitet.

Der Trend geht zum separaten Bettenhaus

Bettenhaus der Charité in Berlin-Mitte aus der Ferne.

Berlin Mitte: das Bettenhaus der Charité

Die Hüft-OP ist überstanden und Sie werden in den Aufwachraum gebracht. Später bringen Krankenpfleger Sie auf Ihr Zimmer. Die Bettenstation ist für gewöhnlich über der Etage mit den Operationssälen. Der Trend geht Linus Hofrichter zufolge aber zum separaten Bettenhaus.

Die Vorteile: Die Patienten haben eher das Gefühl, sich in einem Hotel auszukurieren als in einer Klinik. Zudem kann ein Krankenhaus so die Brandschutzbestimmungen umgehen, die für Häuser gelten, die höher als 20 Meter sind. Die Nachteile: Die Patienten müssen längere Wege zurücklegen, wenn sie zur Nachuntersuchung müssen oder – im Notfall – zum Operationssaal.

Im Untergeschoss: das Logistik-Zentrum

Ein Mann kontrolliert desinfiziertes OP-Besteck.

Ein Mann kontrolliert desinfiziertes OP-Besteck

"Für Patienten müssen die Wege in der Horizontalen kurz gehalten werden", sagt Hofrichter. Das sei eine Maxime im Krankenhausbau. "Für die Waren müssen zudem die Wege in der Vertikalen kurz gehalten werden."

Abteilungen wie die Großküche und die Zentral-Sterilisation sind darum im Untergeschoss angesiedelt. Boxen mit gereinigtem und sterilisiertem Operationsbesteck können so etwa über einen speziellen Fahrstuhl in die erste Etage transportiert werden. Die Patienten nutzen andere Fahrstühle. Die Trennung in der Vertikalen soll verhindern, dass sich Keime im Krankenhaus ausbreiten.

Auch die Rohrpost erfährt gerade ein Revival: Mit ihr lassen sich schon seit Jahrzehnten Blutproben, Dokumente und andere kleine Dinge schnell und unkompliziert durchs ganze Krankenhaus schicken. "In immer mehr Krankenhäusern gibt es zudem kleine Transportroboter", sagt der Architekt. Die Roboter schieben etwa die Wagen mit den Medikamenten durchs Haus, indem sie Induktionsschleifen im Boden folgen. Steht jemand im Weg, folgt eine Ansage: "Bitte gehen Sie zur Seite."

Weniger Krankenhäuser, mehr Patienten

Eines der modernsten Krankenhäuser Europas: das Uniklinikum in Jena (Rechte: ddp)

Eines der modernsten Krankenhäuser Europas: das Uniklinikum in Jena (Rechte: ddp)

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Krankenhäuser zusammengelegt oder ganz geschlossen. Das Statistische Bundesamt zählte im Jahr 1991 genau 2411 Krankenhäuser in Deutschland, im Jahr 2014 waren es nur noch 1980 Krankenhäuser – und in Zukunft werden es wohl noch weniger.

Während die Zahl der Krankenhäuser sinkt, steigt die Zahl der Patienten: Waren es 1991 noch etwa 14,6 Millionen Patienten, die stationär behandelt wurden, so waren es 2014 mehr als 19,1 Millionen. Es müssen also weniger Kliniken mehr Patienten aufnehmen. Von den bestehenden Krankenhäusern werden manche saniert, andere erhalten einen Anbau. Nur selten wird neu gebaut.

Autorin: Franziska Badenschier

Stand: 11.05.2016, 13:40

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