Diagnose: Hirntod

Organverpflanzung

Diagnose: Hirntod

Eine Organspende ist oft gar nicht möglich, denn nur Organe von Hirntoten können überhaupt transplantiert werden. Für die Transplantation müssen die Organe noch durchblutet sein, damit die Chirurgen sie bei der Entnahme so präparieren können, dass sie den Weg zum Empfänger überstehen.

Eine männliche Hand mit edlem Füller Unterschreibt einen Organspendeausweis

Die meisten Organspender kommen nicht zum Spenden

Dabei ist der Hirntod im Krankenhaus alles andere als wahrscheinlich: Von 900.000 Todesfälle im Jahr sterben in Deutschland circa 400.000 im Krankenhaus. Davon werden nur 1 Prozent, also 4000 Menschen, überhaupt als hirntot diagnostiziert. Das heißt weniger als 0,5 Prozent aller Todesfälle kommen überhaupt als Spender in Frage, unabhängig davon, ob sie zu Lebzeiten dafür oder dagegen waren. Von diesen 4000 wurden 2012 nur knapp 1050 tatsächlich zu Spendern, weil nur bei diesen die Organe noch in gutem Zustand waren und die Angehörigen der Organentnahme zugestimmt haben. Die meisten Organspender sind Unfallopfer, die auf der Intensivstation sterben.

Was ist der Hirntod?

Das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass einem potenziellen Organspender erst dann Organe entnommen werden dürfen, wenn der Hirntod endgültig festgestellt wurde. Alle Funktionen des gesamten Gehirns - also des Großhirns, Kleinhirns und Stammhirns - müssen erloschen sein. Ursprünglich wurde diese Definition eingeführt, um einen Zeitpunkt zu finden, an dem lebenserhaltende Maßnahmen beendet werden dürfen.

Dennoch ist der Begriff des Hirntodes für viele Menschen schwer zu verstehen und mit Unsicherheit verbunden. Denn ein hirntoter Mensch unterscheidet sich äußerlich nicht von einem tief bewusstlosen Menschen: Die Hautfarbe ist rosig, er wird beatmet, der Brustkorb hebt und senkt sich, auch das Herz schlägt - das alles jedoch wird nur noch von der Intensivmedizin aufrecht erhalten. Beim Hirntod ist das Gehirn völlig ausgefallen und eine Rückkehr ins Leben ist unmöglich.

Methoden zur Feststellung des Hirntods

Entnahme eines Spenderorgans

Entnahme einer Spender-Niere

Bevor Organe entnommen werden dürfen, diagnostizieren zwei unabhängige und dafür qualifizierte Ärzte, die nicht an der Transplantation beteiligt sein dürfen und keinem Transplantationschirurgen unterstehen, den Hirntod. Die Bundesärztekammer hat dafür den Ablauf und das Verfahren genau festgelegt. Zunächst werden die sogenannten Hirnstammreflexe und die Spontanatmung getestet. Beim Pupillenreflex wird zum Beispiel geprüft, ob sich die Pupillen bei Lichteinfall verengen. Bei Hirntoten fehlt dieser Hirnstammreflex. Weitere Hirnstammreflexe sind der Hornhautreflex, bei dem sich das Augenlid schließt, wenn man die Augenhornhaut berührt. Der Husten- und Würgereflex wird ausgelöst, wenn der Rachenraum berührt wird. Selbst Koma-Patienten haben Schmerzreaktionen im Gesicht und wenn man den Kopf schnell kippt, machen die Pupillen eine langsame Gegenbewegung.

Wenn alle diese Reflexe ausbleiben, wird die Spontanatmung geprüft. Schaltet man die Beatmung aus, wird normalerweise das Atmungszentrum aktiviert. Löst dies kein Atemzug aus, liegt ein Ausfall des Atemzentrums vor. Nun setzen weitere Untersuchungen ein. Beispielsweise wird ein EEG gemacht. Liegt dann ein Null-Linien-EEG vor und wird außerdem bei der sogenannten Doppler-Sonografie mit Ultraschall kein Blutfluss im Gehirn nachgewiesen, gilt der Hirntod als zweifelsfrei. Weitere Untersuchungen zur Feststellung des Hirntodes sind die Perfusionsszintigraphie, bei der eine schwach radioaktive Substanz injiziert und ihre Verteilung im Gehirn gemessen wird, und die Angiografie, bei der die Gefäße geröntgt werden.

Weiterführende Infos

Autor/in: Christiane Gorse

Stand: 05.09.2014, 13:00

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