Arzneimittel

Pharmaindustrie

Arzneimittel

Pillen, Salben, Saft: Medikamente sollen Krankheiten heilen und Beschwerden lindern. Ein Arzneimittel herzustellen, ist oft kompliziert und teuer.


Von der Herstellung bis zum Verkauf

In den Schränken der Apotheken lagern Tausende von Arzneimitteln – als Tabletten, Kapseln oder Ampullen. Medikamente im Wert von 28 Milliarden Euro werden jedes Jahr in Deutschland verkauft.

Früher haben die Apotheker die Arzneien selbst hergestellt. Heute stammen die Mittel in der Regel aus der Massenproduktion. Um die Pillen, Kapseln, Salben oder Flüssigkeiten anzufertigen, wenden die Hersteller verschiedene Verfahren an.

Die häufigste Darreichungsform ist die Tablette: Die Inhaltsstoffe werden gewogen, gemischt, in Form gepresst und anschließend mit einem Überzug versehen.

Die Richtlinien für die Produktion sind streng: Die Pharmaunternehmen müssen die Arzneien steril herstellen. Sie müssen stetig die Beschaffenheit, Qualität und Reinheit des Medikaments kontrollieren. Jeden Schritt müssen die Hersteller ausführlich dokumentieren.

In einem Pharmaunternehmen werden Medikamente hergestellt.

Pharmafirmen entwickeln permanent neue Medikamente

Patente schützen neue Medikamente

Innovative Medikamente zu entwickeln, ist teuer. Die Forschung und Entwicklung kann mehr als zehn Jahre dauern. Damit sich der Aufwand für die Pharmafirmen lohnt, lassen sie den neuen Wirkstoff zehn bis 15 Jahre lang durch ein Patent schützen.

In diesem Zeitraum darf kein anderes Unternehmen das Medikament herstellen. Glivec zum Beispiel: Das ist ein wichtiges Medikament zur Behandlung von Leukämie, das in Deutschland bis 2016 geschützt war.

Patentgeschützte Medikamente sind meist sehr teuer. Obwohl sie nur sieben Prozent aller verschriebenen Medikamente ausmachen, verursachen sie fast die Hälfte der Kosten auf dem Markt.

Holzstempel mit der schwarzen Aufschrift "Patent".

Patentgeschützte Arzneimittel sind oft sehr teuer

Generika: Arzneimittel mit gleicher Wirkung

Ist das Patent eines Medikaments abgelaufen, dürfen andere Hersteller den Wirkstoff verwenden und ein Generikum produzieren. Das ist ein Arzneimittel, das den gleichen Wirkstoff enthält, aber einen anderen Namen trägt.

Ein prominentes Beispiel ist Acetylsalicylsäure (ASS). Das Pharmaunternehmen Bayer verkaufte die Arznei zunächst unter der Marke Aspirin. Heute sind zahlreiche andere Medikamente auf dem Markt, die ASS enthalten.

In Deutschland konzentrieren sich einige Pharmafirmen wie Ratiopharm oder Hexal auf die Produktion von Generika. Sie bieten viele verschiedene Wirkstoffe an. Diese Medikamente sind meist günstiger als die Originalpräparate.

Außerdem ist die Zulassung von Generika für die Pharmafirmen einfacher, weil sie sich auf die Unterlagen des Original-Herstellers beziehen können.

Wenn das Patent eines umsatzstarken Medikaments ausläuft, kommen in der Regel nach kurzer Zeit mehrere Generika auf den Markt. Da die Generika preisgünstiger sind, verschreiben die Ärzte diese bevorzugt. Der Hersteller des Originals ist dann häufig dazu gezwungen, den Preis zu senken.

Eine Frau nimmt Arzneimittel aus ihrem Medikamentenschrank.

Ein Generikum ist meist günstiger als das Originalpräparat

Medikamentenfälschung ist ein globales Problem

Trotz Richtlinien und strenger Kontrollen ist die Fälschung von Medikamenten ein weltweites Problem. Ein Arzneimittel gilt als gefälscht, wenn es keinen, zu wenig oder einen falschen Wirkstoff enthält. Etwa ein Zehntel aller Medikamente seien davon betroffen, schätzt die Food and Drug Administration (FDA) in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Fälscher produzieren vor allem jene Arzneien, mit denen sich ein hoher Umsatz erzielen lässt. Das sind oft lebensrettende Präparate wie Antibiotika oder Mittel gegen Malaria, Tuberkulose und HIV.

Die Arzneimittel werden häufig in den Ländern gefälscht, in denen es keine ausreichenden Kontrollen gibt: In Afrika, Asien und Lateinamerika sind zwischen zehn und 30 Prozent der Medikamente verunreinigt oder wirkungslos.

In den Vereinigten Staaten, Australien und in der Europäischen Union liegt der Anteil hingegen unter einem Prozent, sagen die Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Dennoch: Fälschungen gibt es auch in Deutschland. 2006 hat der deutsche Zoll Medikamente im Wert von etwa 2,5 Millionen Euro beschlagnahmt, 2007 waren es 8,3 Millionen Euro – in dem Jahr hat das Bundeskriminalamt 2400 Fälle von Arzneimittelfälschungen erfasst. Die Fälscher vertrieben die Mittel vor allem über das Internet.

Packung mit blauen Pillen in Karton vom Deutschen Zoll.

Die Zollfahnder finden immer wieder gefälschte Arzneimittel

Online-Apotheken sind im Trend

Die Patienten beziehen ihre Medikamente immer häufiger übers Netz. Sie schicken das Rezept an eine Online-Apotheke und lassen sich das Medikament nach Hause liefern.

Jeder zweite Internetnutzer hat bereits einmal Arzneien über eine Online-Apotheke bestellt. Das hat der Bundesverband der Informationswirtschaft (Bitkom) mit einer Umfrage herausgefunden.

Zwei Fünftel kaufen demnach sogar regelmäßig im Internet Arzneien. Entgegen der Erwartung bestellen auch ältere Personen online: Mehr als die Hälfte der 50- bis 64-Jährigen haben schon einmal in einer Online-Apotheke Medikamente bestellt.

Die Vorteile der Online-Apotheke: Die Patienten können orts- und zeitunabhängig bestellen und bargeldlos bezahlen. Rezeptfreie Arzneimittel sind zudem häufig günstiger, da für die Online-Händler viele Kosten entfallen, die herkömmliche Apotheken stemmen müssen, etwa für die Miete und das Personal.

Nutzer können sogar rezeptpflichtige Arzneien ordern, indem sie das Rezept in einem Brief an die Versand-Apotheke schicken. Diese bieten zunehmend auch Beratung an – per Telefon, E-Mail oder Live-Chat.

Wer seine Medikamente in einer Online-Apotheke kaufen will, sollte darauf achten, dass die Online-Apotheke im Versandhandels-Register des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) registriert ist.

Medikamente befinden sich in einem Versandumschlag.

Immer mehr Menschen bestellen ihre Medikamente im Internet

Autorin: Katrin Ewert

Stand: 04.10.2017, 09:57

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