TCM in der Praxis

Traditionelle Chinesische Medizin

TCM in der Praxis

Die Akzeptanz der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) in der Bevölkerung ist hoch. Das hat eine repräsentative Umfrage des "Instituts für Demoskopie" in Allensbach aus dem Jahr 2005 ergeben. Demnach würden sich 61 Prozent der Bundesbürger, wenn sie die freie Wahl hätten, für eine kombinierte Behandlung mit westlicher Schulmedizin und fernöstlicher Heilkunde entscheiden. Aber wer darf eigentlich die TCM anwenden? Welche Krankheiten können mit der TCM behandelt werden? Und was bezahlen die Krankenkassen?

Wer darf die TCM anwenden?

Ein Arztgespräch.

Wer darf die TCM anwenden?

Die Traditionelle Chinesische Medizin und Teilbereiche daraus, wie die Akupunktur oder die Ernährungslehre, dürfen zum einen Ärzte und Zahnärzte anwenden. Aber auch Angehörige nicht-ärztlicher Berufsgruppen wie Therapeuten, Heilpraktiker, Hebammen und Ernährungsberater dürfen sich der TCM bedienen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie eine spezielle Ausbildung absolviert haben. So bietet die "Deutsche Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin" (DGTCM) für Ärzte einen fünfjährigen Studiengang an, der - je nach Vorkenntnissen - auch in zwei bis drei Jahren absolviert werden kann. Zudem können sie über die DGTCM an der Universität Porto in Portugal einen Studiengang besuchen, der mit einem international gültigen "Master"-Titel abschließt.

Daneben können Ärzte und Angehörige nicht-ärztlicher Berufsgruppen einzelne Kurse der TCM belegen und damit Teilbereiche erlernen wie zum Beispiel die Akupunktur. So können sie ein allgemein anerkanntes Diplom bekommen, das ihnen bescheinigt, dass sie die Akupunktur fachgerecht anwenden können. Speziell für Ärzte hat die Bundesärztekammer Richtlinien für die Weiterbildung auf dem Gebiet der Akupunktur herausgegeben, die die Mediziner nach erfolgreich absolvierter Weiterbildung berechtigt, die Zusatzbezeichnung "Akupunktur" zu führen.

Zahlen die Krankenkassen die Behandlung?

Der Unterarm einer Person liegt auf einem Kissen mit chinesischen Schriftzeichen. Die Hand einer anderen Person tastet am Handgelenk den Puls.

Pulsdiagnostik am Handgelenk

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Untersuchung und Behandlung nach der fernöstlichen Heilkunde nicht - mit Ausnahme der Akupunktur: Sie ist nach einem Beschluss des "Gemeinsamen Bundesausschusses" (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen aufgrund wissenschaftlicher Studien zumindest bei chronischen Schmerzen im Kniegelenk und im Bereich der Lendenwirbelsäule Kassenleistung. Der behandelnde Arzt muss jedoch über eine entsprechende Qualifikation verfügen, die ihn berechtigt, die Akupunktur durchzuführen. Darüber hinaus fördern einige gesetzliche Krankenkassen Kurse der Bewegungstherapien Qigong und Taiji.

Die privaten Krankenkassen sind nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes zumindest immer dann verpflichtet zu zahlen, wenn die Behandlung einer Erkrankung mit schulmedizinischen Verfahren nicht zum Erfolg führt.

Welche Krankheiten lassen sich behandeln?

Ein Patient liegt nur mit Unterhose bekleidet auf einer Liege. Ein TCM-Arzt sticht eine Akupunkturnadel in seinen linken Knöchel.

Ein TCM-Arzt bei der Akupunktur

Der Einsatz der Traditionellen Chinesischen Medizin hat sich bei einer Vielzahl von Erkrankungen bewährt. Außerdem können zahlreiche Alltagsbeschwerden von heute behandelt werden. Sie kann sogar zur Entwöhnung vom Rauchen eingesetzt werden. Unter anderem wirkt die TCM bei:

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates

  • Wirbelsäulenerkrankungen
  • Gelenkerkrankungen
  • Sehnenerkrankungen (zum Beispiel "Tennisellenbogen")
  • Rheumatische Erkrankungen

Neurologischen Erkrankungen

  • Migräne und Kopfschmerzen
  • "Nervenschmerzen"
  • Schmerzen nach einer "Herpes Zoster"-Erkrankung (Gürtelrose)
  • Multiple Sklerose (MS)

Psychosomatischen Störungen

  • Erschöpfungszustände
  • Unruhe und Angstzustände
  • Nikotinentzug (Raucherentwöhnung)

Hauterkrankungen

  • Neurodermitis
  • Psoriasis (Schuppenflechte)
  • Akne
  • Juckreiz
  • Chronische Wunden

Lungenerkrankungen

  • Asthma bronchiale
  • Überreagierendes Bronchialsystem
  • Chronische Bronchitis

Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes

  • Chronischer Durchfall
  • Reizdarmsyndrom
  • Chronisch-entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
  • Entzündungen der Speiseröhre

Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen

  • Chronische Nasennebenhöhlenentzündung
  • Störungen von Geruch und Geschmack
  • Zungenbrennen
  • Tinnitus (Ohrgeräusch)

Gynäkologischen Erkrankungen

  • Regelbeschwerden
  • Geburtsvorbereitung
  • Brustschmerz
  • Beschwerden während der Wechseljahre

Urologischen Erkrankungen

  • Bettnässen
  • Blasenentzündungen

Augenerkrankungen

  • Entzündung der Bindehaut
  • Sehschwäche
  • Grüner Star
  • Altersbedingte Makuladegeneration/Altersblindheit
  • Trockene Augen

Allgemeinen Beschwerden

  • Chronische Müdigkeit
  • Leistungsschwäche

Hilft die TCM auch zur Vorbeugung?

Eine weiße Teeschale enthält kupferfarbenen Tee. Daneben liegt ein weißer Löffel mit getrockneten Kräutern.

Das Erkrankungsrisiko sinkt

Die Traditionelle Chinesische Medizin dient nicht nur zur Behandlung von Erkrankungen. Vielen der oben aufgeführten Krankheiten und Beschwerden kann sie auch vorbeugen. So lässt sich nach Ansicht von Experten zum Beispiel mit der Ernährung, den Bewegungstherapien Qigong und Taiji und/oder der Anwendung von Heilkräutern das energetische Gleichgewicht von Körper, Seele und Geist bewahren. Der Fluss der Lebensenergie Qi bleibt harmonisch und das Risiko zu erkranken sinkt.

Autor/in: Thomas Schwarz

Stand: 23.07.2013, 13:00

Darstellung: