Symbolik der Haare

Frisuren

Symbolik der Haare

Klischees über Frisuren und ihre Träger gibt es jede Menge. Im Mittelalter galten rote Haare als Indiz für eine Hexe. Heute heißt es, Männer mit langen Haaren seien unangepasst und Karriere-Frauen hätten eher Kurzhaarfrisuren. Männern, die eine Glatze tragen, sagt man gar erhöhte Potenz nach. Haare sind auch heute noch symbolisch aufgeladen. Planet Wissen gibt Einblicke in die kulturellen Hintergründe von langem und kurzem Haar.

Lange Haare

Rothaarige Frauen wurden im Mittelalter der Hexerei verdächtigt

Verbrennung der Hexen und Ketzer durch Aufheben und Niedersenken in das Feuer zu Paris.

Es gibt eine Menge Männer mit langen Haaren - schon in der Bibel sind sie zu finden: Samson hatte langes Haar. Als Dalilah es ihm abschnitt, verlor er seine Kraft. Lange Haare stehen für Natürlichkeit, dem Gegenteil von kultivierter Erscheinung. Mit politischen Motiven behaftet waren die langen Haare bei den 68ern - als Rebellen, die sich gegen die gesellschaftlichen Zwänge auflehnen, provozieren wollten. Bei den Hippies überwog der Gedanke der Natürlichkeit. Bei Frauen stehen lange Haare für Weiblichkeit und Verführungskraft, so wie Eva, die immer mit langen Haaren abgebildet ist.

Haar-Schnitte

Zwei Hippies in Nordamerika im Jahr 1968.

Hippie-Frisuren sind für sie und ihn

Das Haar darf nicht geschnitten werden, weil man sonst die Kraft (das Leben) verliert. Indem man das Haar abschneidet, gerät man in die Gewalt (oder Obhut) desjenigen, der in den Besitz des Haares gelang. Ein Beispiel aus der Bibel: Wenn Dalilah Samson die Haare schneidet und dieser dadurch seine Kraft verliert, symbolisiert dieser Vorgang sowohl den sexuellen Akt als auch die Kastration des Mannes. Die Haare abschneiden ist mit unterschiedlichen Inhalten konnotiert, aber es hat im weitesten Sinne stets etwas mit Kontrolle zu tun. Das kann die symbolische Kastration sein oder der Prozess der rituellen Separierung von einer sozialen Gruppe.

Ein radikaler Bruch mit dem Frauenbild machte der Bubikopf in den 20er Jahren: Frauen brachen mit ihrer bisherigen Rolle aus, die ersten Schritte der Emanzipation. Haare abschneiden kann zudem stehen für soziale Kontrolle, Sich-Einordnen in die Gesellschaft, Disziplinierung (z.B. im Militärdienst, im Gefängnis) oder auch Askese (durch vollständige Kopfrasur bei unterschiedlichsten Mönchsgruppen).

Haare "bändigen"

Schöne und erotische Haare erscheinen als Geschenk der Natur, genauso wie schöne Körper. Körperbehaarung gilt aber auch als "animalischer Rest", als zivilisatorischer Fremd-Körper. Besonders die exponierten Kopfhaare müssen kultiviert werden. Haare abschneiden, zusammenbinden, hochstecken oder kunstvoll frisieren hat mit Entsexualisierung zu tun, mit Kultivieren und Einschränken. Dafür ist das Rokoko ein gutes Beispiel, mit den gepuderten Zöpfen der Männer, den Riesenreifröcken und kunstvoll aufgetürmten Hochfrisuren der Frauen. Auch die 50er-Jahre waren "gebändigte" Jahre, in der Politik wie in der Frisurenmode: toupierte, hochgesteckte Haarspray-Frisuren dominierten.

Autor/in: Nathalie Muntermann

Stand: 08.08.2014, 13:00

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