Hightech-Kleidung

Outdoor-Jacke

Mode

Hightech-Kleidung

Als Hightech-Kleidung bezeichnet man Textilien, die durch eine spezielle Behandlung zusätzliche Funktionen erfüllen. Atmungsaktive Jacken, UV-Schutz-Wäsche und bügelfreie Hemden sind schon auf dem Markt. Aber das ist erst der Anfang.

Smart Clothes – Elektronik in der Kleidung

Künstliche Intelligenz erobert unseren Alltag – die Bauteile werden immer kleiner und platzsparender. Wen wundert es da, dass auch die Bekleidungsindustrie an diesem Trend teilnimmt.

Als "Smart Clothes" bezeichnet man die Kombination von Kleidung mit Mikroelektronik. Die Möglichkeiten, die sich dabei eröffnen, sind vielfältig.

Es gibt wärmende und kühlende Kleidung, leuchtende Jacken, Sportschuhe, die Schritte zählen und die Schweißproduktion messen und sogar Bekleidung, die bei chronisch Kranken zum Beispiel den Insulinspiegel überwacht.

Sportliche Frau mit Mulitfunktions-Uhr am Handgelenk.

Pulsmesser am Handgelenk – bald ein alter Hut für Sportler

Neben der Unterhaltungselektronik spielt zunehmend auch die medizinische Elektronik eine größere Rolle. Sportler haben schon Puls- und Blutdruckmessgeräte beim Training schätzen gelernt. Demnächst könnten solche Anwendungen, die die Vitalfunktionen des Körpers überwachen, direkt in die Kleidung integriert sein.

Am Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf wurde zum Beispiel Bekleidung entwickelt, von der vor allem ältere oder chronisch kranke Menschen profitieren. Stürze, veränderte Vitalfunktionen oder längere Regungslosigkeit könnten automatisch registriert und ein Notruf abgesetzt werden.

Integration chemisch-pharmazeutischer Substanzen

Nicht nur durch elektronische Komponenten lässt sich Alltagskleidung aufwerten. Auch chemisch-pharmazeutische Substanzen lassen sich in Textilien integrieren.

Beispielsweise gibt es Kleidungsgegenstände, die die Substanz "Triclosan" enthalten – ein Stoff aus der Chlorchemie, der auch als Desinfektionsmittel benutzt wird und die bakterielle Schweißproduktion reduziert. Solche Kleidungsstücke tragen das Etikett "antismell" (Anti-Geruch).

Ganz so harmlos scheint Triclosan jedoch nicht zu sein. In Experimenten an Mäusen konnten Forscher Rückstände der Substanz in der Leber nachweisen. Auf Dauer könnte der direkte Kontakt mit Triclosan auch für den Menschen gesundheitsschädlich sein.

Athletin startet aus dem Startblock

Sportkleidung könnte bald nicht mehr nach Schweiß riechen

Auch Socken, die unempfindlich gegen Schweißgeruch sind, oder Anzüge, die keinen Tabakgeruch annehmen, sind auf dem Markt. Möglich machen das sogenannte Cyclodextrine.

Das sind Zuckermoleküle, die in das Gewebe integriert werden und unangenehme Gerüche absorbieren oder angenehme Gerüche absondern.

In Verbindung mit den Zuckermolekülen können Pharmazeutika in die Kleidung eingeschlossen werden. Während des Tragens werden die medizinisch wirksamen Substanzen nach und nach freigegeben. Hautpflegemittel oder Salben könnten auf diese Weise Neurodermitis oder andere Hautkrankheiten lindern.

Eine Frau kratzt sich am Arm

Hilfe für Neurodermitis-Geplagte

Eine weitere Möglichkeit Bakterien in der Kleidung entgegenzuwirken sind Textilien mit eingewobenen Silberfäden und silberhaltigen Polymeren. Sie hemmen das Wachstum von Bakterien, töten sie aber nicht ab. Sinnvoll kann das zum Beispiel bei Socken und Unterwäsche sein.

Auch bei Krankheiten wie Neurodermitis, Schuppenflechte, Allergien, übermäßiger Schweißproduktion und Hautekzemen kann Silberwäsche Linderung bringen und die Haut schützen.

Schutzfunktionen vor Sonne, Regen und Kälte

Der Schutz unserer Haut durch UV-Schutz-Kleidung wird mit abnehmender Ozonschicht immer wichtiger. Damit der UV-Schutz auch tatsächlich belegt ist, muss sich die Kleidung einer ganzen Reihe von Testst unterziehen.

Eine Frau cremt sich mit Sonnencreme ein

Mit der richtigen Kleidung kann man sich das Eincremen sparen

Das Hohensteiner Institut für Textilforschung hat zu diesem Zweck ein strengeres Zertifizierungssystem, das sogenannte UV-Standard 801, entwickelt. UV-Schutzkleidung wird dabei unter ausgedehnten Alltagsbelastungen getestet.

Erst danach wird der verlässliche UV-Schutzfaktor angegeben. Es lohnt sich also, sich das Prüfsiegel vor dem Kauf genauer anzusehen.

Kleidung, die vor Elektrosmog schützt

Neben dem Schutz vor zu viel Sonnenstrahlung soll Kleidung künftig auch besseren Schutz vor Regen, Wind, Kälte, Wärme, Strahlung, Gasen oder mechanischen Einflüssen bieten.

Waldarbeiter könnten zum Beispiel von speziellen Hosen profitieren, die dank strapazierfähigem Gewebe sogar vor abgerutschten Motorsägen schützen.

Waldarbeiter sägt einen Baum durch

Vielleicht die Zukunft: Hosen, die vor Sägeschnitten schützen

Schutz gegen mechanische Einflüsse bieten heute vor allem Spezialkleidungen. Der Anzug von Fechtern ist stichfest, die Westen der Polizei schusssicher. Eine Innovation für den Alltag könnten Textilien mit integrierten Airbags sein. Durch sie können Stürze aufgefangen werden – eine sehr wichtige Funktion für ältere Menschen.

Einige Menschen fürchten sich vor Elektrosmog, also Strahlung, die von Mobiltelefonen, WLAN oder Bluetooth abgeht. Auch ihnen kann spezielle Kleidung helfen – durch Strahlenschutzkleidung, die nach dem gleichen Prinzip wie ein Faradayscher Käfig funktioniert:

In den Stoff wird ein leitendes Metall eingewoben, das Strahlung abhält. Um ihre Gesundheit besorgte Menschen könnten mit einem Strahlenschutzvorhang auch Schlafstellen abschirmen.

Bionische Textilforschung

Textilforscher können eine ganze Menge von den "Patenten der Natur" lernen und Prinzipien für die Weiterentwicklung von Textilien übernehmen. Einige Zeit sorgten immer weiter entwickelte Schwimmanzüge für ständig neue Weltrekorde, bis sie vom Schwimm-Weltverband 2010 verboten wurden:

Der Reibungswiderstand im Wasser wurde mit speziellen Oberflächenbehandlungen gesenkt. So standen zum Beispiel die wasser- und schmutzabweisenden Oberflächen der Lotus-Pflanzen Pate bei der Entwicklung neuer Hightech-Schwimmanzüge.

Lotos-Blatt mit Wassertropfen, die abperlen

Der bekannte Lotus-Effekt

Auch der wasserabweisende Pelz der Wasserjagdspinne erregte die Aufmerksamkeit der Bioniker: Eine feine Haarstruktur sorgt für Luftpolster, die den Körper gegen das Wasser abschirmen und ihn trocken halten. Das Prinzip könnte Vorbild für Textilien werden, die nicht mehr nass werden.

Der Lotus-Effekt dagegen könnte auch dafür sorgen, dass Kleidung zukünftig sauber bleibt.

Interessant für Textilien der Zukunft ist auch das Vorbild der Spinnenfäden. Extrem stabil, reißfest, dabei leicht und gut verwebbar. Einem Forscher-Team der Technischen Universität München ist es 2011 gelungen, den reißfesten Faden nachzubilden.

Für normale Kleidung ist die Herstellung zwar noch zu teuer. Der Spezialfaden könnte jedoch im militärischen Bereich in Schutzkleidung eingewebt werden und so den Tragekomfort für die Soldaten erhöhen. Auch im Operationssaal könnte der Faden in Zukunft eingesetzt werden, um bespielsweise Wunden zu vernähen.

Autorinnen: Marion Werner/Wiebke Ziegler

Weiterführende Infos

Stand: 08.12.2016, 16:00

Darstellung: