Substanzen in der Kleidung

Chemiker experimentiert in einem Labor.

Hightech-Kleidung

Substanzen in der Kleidung

Nicht nur elektronische Bauteile lassen sich in Funktionskleidung verarbeiten, auch chemische, metallische oder pharmazeutische Substanzen könnten die Kleidung der Zukunft aufwerten. Im Blickpunkt des Interesses der Textilforscher stehen vor allem Substanzen, die auf oder in der Haut wirken und neben schützenden auch heilende Effekte haben. Neurodermitis, Schuppenflechte oder Allergien – eine kontrollierte Freisetzung von lindernden Substanzen aus der Kleidung könnte eine Zukunft haben.


Altes Übel – gesundheitsgefährdende Zusätze

Früher war klar: Beginnt die Haut unter dem Wollpullover zu jucken, dann ist die kratzige Wolle Schuld. Wenn uns der Pullover heute kratzt, kann das vielfältige Gründe haben: Es kann an der kratzigen Wolle liegen – oder aber an chemischen Hilfsmitteln, die die Textilindustrie in unsere Kleidung einbringt. Sie sollen unsere Kleidung wohlriechend, knitterfrei oder besonders weich machen.

Leider sind sie nicht immer gesundheitsförderlich und viele dieser Zusatzstoffe lassen sich auch mit Waschen nicht komplett entfernen. Laut TÜV Rheinland setzt die Textilindustrie pro Jahr in Deutschland rund 75.000 Tonnen chemische Hilfsmittel ein.

Manche dieser Zusatzstoffe können sogar krank machen: Vor allem chemische Farbstoffe, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Pentachlorphenol (PCP) können gesundheitliche Schäden oder Allergien verursachen.

Zucker gegen Mief

Neben diesen gesundheitsgefährdenden Zusätzen gibt es in letzter Zeit auch vermehrt textile Zusätze, die wohltuende Effekte hervorrufen können. Die sogenannten Cyclodextrine können die erwünschten Substanzen nicht nur kontinuierlich abgeben, sondern auch unangenehm riechende Substanzen wie Schweißgeruch oder Tabakqualm aufnehmen.

Cyclodextrine sind Zuckermoleküle, deren Struktur einen Hohlraum besitzt, der mit funktionellen Substanzen gefüllt werden kann. Zur Zeit werden Cyclodextrine zum überwiegenden Teil noch mit gut duftenden Substanzen angereichert, die unsere Kleidung wohlriechend machen sollen.

Die Zuckermoleküle sind völlig unbedenklich im Kontakt mit der Haut und inzwischen gibt es schon Jacken, Anzüge, Bettwäsche oder Gardinen mit Duftstoff freisetzenden Molekülen. Man erkennt die Textilien mit Zusatzfunktionen an den Aufschriften "antismell" und "fresh".

Medizin im T-Shirt

Erforscht werden die Cyclodextrine aber noch unter einem anderen Aspekt: Ihre Hohlräume könnten mit pharmazeutischen Stoffen oder Kosmetika befüllt werden. Die sollen dann beim Tragen kontinuierlich an die Haut abgegeben werden.

Ein Ziel der Forschung ist es, spezielle Wirkstoffe für Allergiker in die Textilien einzuarbeiten. Das Problem dabei ist noch die richtige Dosierung, denn die Wirkstoffe müssten über einen langen Zeitraum – und auch noch nach mehrmaligem Waschen – kontinuierlich an die Haut abgegeben werden.

Außerdem ist diese Art der Medikamentenverabreichung nur für spezielle Krankheiten geeignet – zum Beispiel zur Behandlung von Neurodermitis.

Ein Kinderarm mit Neurodermitis-Ausschlag.

Wäsche für Neurodermitis-Patienten enthält Silber

Vitaminbombe

Eine spektakuläre Erfindung ist einer japanischen Firma gelungen: Sie hat eine Faser entwickelt, die bei Hautkontakt Vitamin C freisetzt. Nach Angaben des Unternehmens enthält das T-Shirt so viel Vitamin C wie zwei Zitronen.

Selbst häufiges Waschen soll dem Vitaminspender nichts anhaben können. Europäische Textilforscher reagieren darauf allerdings mit verhaltener Skepsis und raten dazu, den Vitaminbedarf auch weiterhin durch die Ernährung zu decken.

Keine Chance für UV-Strahlung

Sonnenschutzkleidung besteht meistens aus einem sehr eng gewebten Stoff, auf den als Hilfsmittel das Pigment Titanoxid aufgetragen wird. Titanoxid reflektiert das Sonnenlicht besonders gut und gilt als weitgehend unbedenklich für die Gesundheit.

Eher selten werden dem Stoff zur Herstellung von UV-Schutz-Bekleidung auch Oxal-Aniline zugesetzt. Einige chemische Bestandteile stehen im Verdacht, die Entstehung von Krebs zu begünstigen.

Autorin: Marion Werner

Stand: 11.10.2017, 16:02

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