Der Kampf um die Hose

Männer und Frauen in Business-Anzügen

Hose

Der Kampf um die Hose

In tropischen Ländern tragen Männer Rock, Wickeltuch oder Schurz, in Asien sind weite Pluderhosen bei Frauen weit verbreitet, in eher kalten Gebieten tragen Mann wie Frau lange Fellhosen. Auch in unserem Kulturkreis war die Kleidung von Mann und Frau lange Zeit ähnlich. Lange Gewänder wurden von Mann und Frau bis zum späten Mittelalter getragen. Das Tragen von Hosen, dem "neuen" Kleidungsstück bei Hofe, wurde ab diesem Zeitpunkt dem Mann allein überlassen und schnell verknüpften sich die Merkmale des Hosentragens mit den Merkmalen des starken Geschlechts. Wer die Macht besaß, hatte die Hosen an, und umgekehrt.

Streit um die Macht

Aber auch schon wesentlich früher als heute angenommen, begannen die Frauen, dem Mann die Macht streitig zu machen. Der Kampf um die Hose begann: Zahlreiche Stiche und Holzschnitte ab dem 15. Jahrhundert belegen das: Eine Frau reißt ihrem Mann die Hose vom Leib, sich gegenseitig an den Haaren zerrend kämpfen Mann und Frau um eine einzige Hose, beide haben schon je ein Hosenbein ergattert.

Zu einem regelrechten Krieg der Geschlechter scheint sich der Streit um Hose und Macht aber erst gegen Anfang des 17. Jahrhunderts ausgeweitet zu haben. Die "debatte pour la coulotte" ging in die Vollen. Die ersten öffentlichen Emanzipationsdebatten wurden geführt.

Erste Frauen in Hosen

Zu Beginn der Französischen Revolution war der Anspruch der Frau auf Mitsprache auf dem Höhepunkt. Auch die Kleidung der Frauen wurde immer männlicher und die ersten Frauen erschienen in Hosen auf der Straße. Es waren die ersten frauenemanzipatorischen Bewegungen und sie fanden interessanterweise schon lange vor der ersten Vorzeige-Frauenrechtlerin George Sand statt.

Aber der Versuch der Frauen, die neuen Bürgerrechte und Errungenschaften der Revolution auch den Bürgerinnen zukommen zu lassen, misslang. Frauen wurden erneut aus dem öffentlichen Bereich ausgeschlossen.

Während der Mann sich im Anzug zum leistungsorientierten Geschäftsmann entwickelte, sollte die Frau sich auf ihre "natürlichen Dispositionen" besinnen, sanft, zurückhaltend und mit karitativen Neigungen. Das Tragen von Hosen war für Frauen erst einmal wieder passé.

Grundsatzdebatte in den USA

Das Frauenrecht auf Hosen wurde anderswo weiterdiskutiert und zwar dort, wo es sowieso um den Aufbau einer neuen Gesellschaft ging, in der neuen Welt. Die Amerikanerin Amelia Bloomer wurde zur Leitfigur einer neuen Grundsatzdebatte und erregte auch in Europa großes Aufsehen mit ihrem neu kreierten Hosenkostüm. Dies bestand aus einer knöchellangen Hose und einem Kleid, das darüber getragen wurde.

Viele Frauen in Amerika und Europa waren begeistert. Im Nordosten der Vereinigten Staaten wurde das "Bloomer-Kostüm" von einigen wenigen Damen der Gesellschaft sogar zu offiziellen Anlässen getragen.

In Europa wagten es aber nur einige sehr couragierte Frauen, in Bloomers Hosen aufzutreten. Verschiedene Initiativen zur "Verbesserung der Frauenkleidung" gab es auch in Europa, aber letzten Endes waren drei weitere Faktoren ausschlaggebend, die den Durchbruch der "Hose für die Frau" einleiteten: Unterhosen, Sport und Krieg.

Unterhosen, Sport und Krieg

Eine Dame in Unterwäsche um 1900.

Die "Unaussprechliche"

Die Unterhose für die Dame, die "Unaussprechliche", da in für damalige Bürgertumsverhältnisse in so intimer Position, hatte sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts etabliert. Diese ersten "offiziellen" Hosen für Frauen waren weit und lang und wurden "darunter", als Unterrock-Ersatz, getragen. Das war ein Anfang.

Gymnastik, Reiten und Fahrradfahren taten ihr Übriges. Der Sport eroberte auch die Frauenwelt und praktische, für diverse Sportarten geeignete Kleidung, hatte Vorrang. Praktisch waren die langen Unterhosen in Kombination mit einem kürzeren Oberteil. Der Sport half, Traditionen zu stürzen.

Auch als Arbeitskleidung war die Hose für die Frau bald unersetzlich. Im Krieg waren die Männer an der Front. Die Arbeit in Kokereien und Munitionsfabriken musste von Frauen gemacht werden. Die Hose für die Frau gehörte nun zum Alltagsbild.

Der Siegeszug der Frau in Hose

Marlene Dietrich im Herrenanzug mit Zigarette und Zylinder.

Marlene Dietrich

In den nachfolgenden Jahren war der Siegeszug der Frauen in Hosen nicht mehr aufzuhalten.

Und spätestens seit Marlene Dietrich im Männeranzug auftrat – das war in den 1930er Jahren – waren die letzten Schranken gefallen.

Kino und Fernsehen verbreiteten die neue Mode inflationsartig und auch die internationalen Modemacher griffen die Hose für ihre Kundinnen begeistert auf.

Die Jeans aus Amerika, die "Blue Denim", die blauen Hosen aus dem Stoff aus Nîmes, taten ihr übriges, um eine ganze Generation von Menschen für einen neuen, als freier empfundenen Lebensstil zu begeistern, Mann wie Frau.

Autorin: Sabine Coen

Stand: 17.01.2017, 11:09

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