Hutlexikon Teil 1: Vom Barrett bis zum Homburg

Hüte

Hutlexikon Teil 1: Vom Barrett bis zum Homburg

Wissen Sie, was man unter einem Bowler versteht? Oder was der Schlapphut mit Emanzipation zu tun hat? In unserem Hutlexikon finden Sie die Antwort – und noch mehr: Wir beschreiben bekannte und weniger bekannte Hutformen und erläutern ihre Herkunft sowie ihren geschichtlichen Hintergrund.

Das Bild zeigt zwei Damen vor blauem Himmel. Die eine trägt einen riesigen, rosafarbenen und die andere einen riesigen, schwarzen Hut.

Wenn Hut, dann bitte ausgefallen!

Barett: (lateinisch, von "birrus": kurzer Mantelumhang mit Kapuze) Halbkugelige Kappe (Ende 12. bis 14. Jahrhundert). Ab der Synode von Bergamo 1311 auch liturgische Kopfbedeckung. Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Barett als flache, meist runde Kopfbedeckung aus Samt, Seide oder Tuch von Männern und Frauen der Oberschicht getragen. Den unteren Ständen wurde es in Deutschland mehrmals verboten oder nur in einfacher Ausführung erlaubt. Zu dieser Zeit wurde das Barett breiter, so entwickelte sich das platte Tellerbarett. In den europäischen Ländern entstanden verschiedene, ständig wechselnde Formen des Baretts (siehe Baskenmütze). Ende des 16. Jahrhunderts kam das Barett aus der Mode.

Baseballkappe: Steife Kappe, die US-Baseballspieler seit Mitte des 19. Jahrhunderts als Schutz tragen. Die Baseballkappe entwickelte sich aus dem Bowler. Seit den 1980er Jahren bei jungen Männern und teilweise auch Frauen immer wieder in Mode.

Baskenmütze: Schirm- und randlose Filzmütze mit dünnem Zipfel in der Mitte. Die Baskenmütze entwickelte sich wahrscheinlich Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Barett. Sie wurde zur nationalen Kopfbedeckung der Basken, aber auch allgemein der Fischer. Die Baskenmütze ist meist dunkelblau. Seit den 1920er Jahren zeitweilig bei Männern wie Frauen in Mode.

Das Bild zeigt einen älteren Mann im Bistro. Er trägt eine Baskenmütze und trinkt einen Drink.

Mit Baskenmütze und Aperitif lässt sich´s leben

Boater: (englisch: "Bootsfahrer") Steifer, mit Schellack überzogener Strohhut. Der Boater wurde von Admiral Nelson um 1800 als Sommerhut für Matrosen eingeführt. Nelson zur Ehre wird er von den Schülern des britischen Eton College jährlich zum "Boat Day" getragen. Ende des 19. Jahrhunderts Herrensommerhut in England und den USA.

Der Damenhuttyp Borsalino

Borsalino: Später gab´s auch Damenhüte

Borsalino: Weicher, handgearbeiteter, eleganter Herrenhut, dessen Filz aus drei Jahre gereiftem Naturfell besteht. Benannt nach dem italienischen Hutmacher Giuseppe Borsalino, der 1857 eine Hutfabrik bei Mailand gründete. Bis in die 1930er Jahre waren Borsalinos weltweit sehr begehrt. Inzwischen stellt das Unternehmen im italienischen Alessandria auch andere Kopfbedeckungen (auch für Damen) sowie seit 2004 Männermode her.

Bowler: Steifer Herrenhut aus schwarzem Filz mit halbkugelförmigem Kopf, der 1850 von Thomas William Bowler & Son in London entworfen wurde (in Deutschland später: Melone). Der Bowler wurde zunächst mit Schellack versteift und hatte eine steife Krempe mit aufgebogenem Rand. Er sollte als Hutform nicht so provokant sein wie der Zylinder nach der 1848er-Revolution, sich aber dennoch klar vom Schlapphut unterscheiden. Der Bowler wurde bei halboffiziellen Anlässen zu bestimmten Anzügen getragen. Seit 1933 ist er in Deutschland aus der Mode.

Das Bild zeigt einen Mann vor der Flagge Großbritanniens. Er trägt einen eleganten, schwarzen Anzug und einen Bowler, einen steifen Herrenhut aus schwarzem Filz mit halbkugelförmigem Kopf. In der Hand hält er eine Tasse.

Der Gentleman trägt Bowler

Chapeau bras: (französisch: "Arm-Hut") Dreispitz zur Zeit der aufwendigen Perücken (Ende des 17. Jahrhunderts), der unter den linken Arm geklemmt wurde, um die Frisur nicht in Unordnung zu bringen.

Chapeau claque: (französisch: "Klapphut") Ein mittels einer Feder zusammenklappbarer, mit Seide überzogener Zylinder; erfunden 1823 vom Pariser Hutmacher Gibus; 1837 patentiert. Ein Pariser Kollege perfektionierte einige Jahre später das Klappsystem durch eine bessere Feder. Der Chapeau claque wurde bis zum Ersten Weltkrieg bei Bällen zum Frack und im Theater unter dem Arm getragen.

Das Bild zeigt einen Mann, der einen roten Zylinder trägt. In beiden Händen hält er weitere Zylinder in verschiedenen Farben.

Wird noch heute hergestellt: der Klappzylinder

Chapka: (polnisch, von "czapka": "Mütze") Ursprünglich polnische Militärmütze. Es gab verschiedene Formen, doch die Chapka hatte immer einen viereckigen Deckel als Kopfabschluss. Im 20. Jahrhundert wurde Chapka zur allgemeinen Bezeichnung für die Pelzmütze des sowjetischen Militärs. Bei Männern und Frauen kam sie in den späten 1960er Jahren durch den Film "Dr. Schiwago" in Mode. Heute ist sie wieder modern - besonders bei jungen Frauen.

Friedrich der Große mit Dreispitz

Friedrich der Große mit Dreispitz

Dreispitz: Ende des 17. Jahrhunderts aufgekommener, steifer Herrenhut aus Filz, dessen Krempe auf drei Seiten aufgeschlagen ist. Der Dreispitz entwickelte sich aus dem Schlapphut des 17. Jahrhunderts, der durch seine große Krempe unbequem zu tragen war. Der Rand des Dreispitzes war mit Borten und zeitweise mit einer Kokarde (Rosette) verziert. Zur Zeit der Perücken wurde er meist als Chapeau bras unter dem linken Arm getragen. Der Dreispitz wurde ursprünglich von den oberen Ständen getragen; nach 1720 wurde er auch Hut der unteren Schichten. Bei den Damen war der Dreispitz zeitweise Teil der Reitkleidung.

Fes/Fez: (persisch: "Tarbusch") Kegelförmige, meist rote oder schwarze Filzkappe mit schwarzer oder blauer Quaste; nach der marokkanischen Stadt Fes benannt, in der er zuerst hergestellt worden sein soll. Ursprünglich wurde der Fes im Orient und in Nordafrika getragen. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (1453) kam er nach Europa und war dort zunächst die Kopfbedeckung der Diener. Zur modischen Kopfbedeckung des Mannes wurde er in abgewandelter Form in der Renaissance. 1832 ersetzte der Fes den Turban bei türkischen Staatsbeamten und Soldaten. Abgeschafft wurde er 1926 in der Türkei und 1953 in Ägypten. In Marokko und in der albanischen und griechischen Tracht wird der Fes noch heute getragen.

Dame mit Flügelhaube

Dame mit Flügelhaube

Flügelhaube: Niederländische Kopfbedeckung der bürgerlichen Frauen im 17. Jahrhundert. Die Flügelhaube setzte sich aus einer Ober- und einer Unterhaube zusammen; eine der Hauben berührte die Stirn der Trägerin in Bogenform. Die Oberhaube war aus gestärktem Leinen und stand an beiden Seiten des Gesichtes flügelartig ab (durch eine eingearbeitete Metallfeder). Charakteristisch war die Flügelhaube für die Kleidung der wohlhabenden holländischen Patrizierinnen.

Mittelalterliche Dame mit einem Hennin

Je höher der Hennin, desto höher der Stand

Hennin: (französisch; von arabisch "hanîn": "lieblich tönend") Kopfbedeckung der Frau in Form eines hohen, spitzen Kegels aus Metall, Pappe oder steifem Leinen und mit kostbarem Stoff überzogen. Die hoch ausrasierte Stirn wurde von einem Tuch bedeckt; von der Spitze fiel ein oft bodenlanger Schleier herab. Der Hennin wurde rund 100 Jahre (etwa 1385-1483) in fast ganz Europa getragen. Die verschiedenen Gesellschaftsschichten spiegelten sich in der Höhe der Kopfbedeckung wider: je höher der Stand, desto höher der Hennin. Bereits vor 1385 soll ihn auch eine spanische Königin getragen haben. Besonders extravagant war der Doppelhennin, auch Hörnerhaube genannt: Er bestand aus zwei hörnerartigen Kegeln über den Schläfen, zwischen die oft ein Schleier gespannt war, der über den Rücken herabfiel.

Homburg: Eleganter, steifer Herrenhut aus schwarzem oder grauem Filz mit hochgerollter und bordierter Krempe; in der Mitte hatte der Homburg eine dreieckige Einkerbung, verziert wurde er durch ein Schmuckband. Ursprünglich wurde dieser Herrenhut in Bad Homburg hergestellt und um 1900 vom Prince of Wales, der oft dort kurte, in Mode gebracht. Getragen wurde der Homburg bis in die 1950er Jahre bei offiziellen Anlässen zum eleganten Anzug.

Autor/in: Alexandra Stober

Stand: 08.08.2014, 13:00

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