Unterwäsche

Mode

Unterwäsche

Die Entwicklung reicht vom einfachen Lendenschurz frühester Zeiten über die Ära der engen Schnürleiber für Mann und Frau bis hin zu erotischen und edlen Dessous unserer Tage. Die Geschichte der Unterwäsche ist spannend und fast so alt wie die Menschheit selbst. Keine anderen Kleidungsstücke kommen unserer Haut so nahe, keine anderen können so verführerisch und reizvoll, keine anderen in Ausnahmefällen aber auch so unappetitlich und abstoßend wirken. Eine Reise durch die faszinierende Welt von Mode und Mythos der Miederwaren.

Adam, Eva und das Feigenblatt

Eine junge Frau in Unterwäsche mit Schnürmieder, Fotopostkarte.

Verführerische Miederware

Die Geschichte der Unterwäsche nimmt ihren Anfang bei Adam und Eva - zumindest was die biblische Auslegung der menschlichen Evolution angeht. Nachdem sie von der Schlange verführt wurden die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu naschen, werden sich Adam und Eva ihrer Nacktheit bewusst und schämen sich dafür. Daraufhin bedecken sie ihre primären Geschlechtsteile mit Feigenblättern. Weniger aus Scham, so sind sich Völkerkundler ziemlich sicher, sondern um ihre Geschlechtsteile vor Sonnenstrahlung, Kälte und Verletzung zu schützen, legten die Urmenschen ihren Lendenschurz aus Fell, Leder, Blattwerk oder Baumrinde an.

Ein Ölgemälde zeigt Adam und Eva im Paradies. Eva steht vor dem Baum der verbotenen Früchte. Die Genitalien des liegenden Adam sind mit einem Feigenblatt bedeckt.

Die erste Unterwäsche?

Eine erste frühe Form der Unterhose war so geboren, die freilich erst dazu wurde, als der Mensch begann, auch etwas darüber zu tragen. Wie im alten Ägypten, wo Priester, Männer höherer Stände und natürlich Könige zwei Leinen-Schurze übereinander trugen, um sich von der Kleiderordnung der niederen Schichten optisch abzuheben. Der obere Schurz war im Gegensatz zum unteren mit Verzierungen versehen. Auch die reichen Frauen verhüllten mehr und mehr ihre Körper, trugen bald reine Ober- und Unterwäsche. Kleidung und die Art wie man sie trug, gewann mehr und mehr an gesellschaftlicher Bedeutung. Besonders entwickelte sich dieser Trend im Griechenland des Altertums. Dort ersann die Damenwelt das so genannte Strophium: eine Brustbinde aus Stoff oder Leder, die auf die nackte Haut unter den Busen geschnürt wurde, um ihn möglichst vorteilhaft unter den Gewändern wirken zu lassen - ein Wonderbra der Antike also.

Subligaculum - die Unterhose der Römer

Frauen warten auf die Reinigungszeremonie - Ausschnitt aus einem Wandgemaelde ueber die Einweihung der Frauen in den Dionysoskult.

Junge römische Frau in Tunika

Mit Begeisterung übernahmen die römischen Frauen das Brustband ihrer griechischen Geschlechtsgenossinnen. Als Ergänzung für den unteren Körperbereich erfanden sie zusätzlich aber noch das Subligaculum. Das war ein Tuch, das zwischen den Beinen nach vorne und hinten hochgezogen wurde, so, dass es Gesäß und Genitalbereich bedeckte. Zum sicheren Halt verknotete man es über den Hüften. Die Frauen trugen diese Kombination, die an einen Bikini unserer Tage erinnert, zum Sport, manchmal aber auch wie Unterwäsche unter ihrer Tunika. Die Tunika war bei den Römern das vorherrschende Oberbekleidungsstück für beide Geschlechter. Man trug dieses lange und weite Gewand anfänglich direkt auf der Haut. Die Männer schmückten sich dazu noch mit einem in Falten gelegten Stoffüberwurf, der Toga. Mit der Zeit begannen die römischen Frauen damit, mehrere Tunika übereinander zu tragen. Die jeweils unterste wurde "Tunica Intima" genannt und erfüllte den Zweck eines Unterrocks. Die männlichen Römer entdeckten ihrerseits das Subligaculum für sich als Wäsche für den Intimbereich. Dieses Tuch entwickelte sich zur Unterhose der römischen Männerwelt.

Barbaren ohne Sinn für Unterwäsche

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches in einen West- und einen Ostteil begann der Niedergang des ehemals großen Imperiums. Das Ende für West-Rom wurde durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Zuge der Völkerwanderung eingeleitet. Im Jahre 476 hatten die Germanen endgültig die Oberhoheit über Rom gewonnen. Die Barbaren aus dem Norden hatten mit der römischen Hochkultur wenig im Sinn. Was die Mode anging, so übernahmen sie zwar den äußeren Habitus der Römer, doch für die Unterwäsche brach ein dunkles historisches Kapitel an. Im frühen Mittelalter verzichtete man nämlich gänzlich darauf. Im späteren Mittelalter setzte sich dann für beiderlei Geschlecht zumindest ein Langhemd aus grobem Leinenstoff durch. Bei den Frauen reichte es bis zu den Füßen, bei den Männern nur bis kurz übers Gesäß. Die Hemden sollten wärmen, die Haut vor der meist kratzigen Oberbekleidung schützen, aber auch als Nachthemd dienen. Neben diesen Hemden, die Tag und Nacht im Dauereinsatz waren, kam schließlich dann aber auch eine Kurzhose in Mode, die im Mittelhochdeutschen Bruche genannt wurde. Diese Bruchen wurden jedoch nur von wenigen Menschen in der Funktion einer Unterhose getragen. Das Hemd behielt seine Vormachtstellung, war es doch viel einfacher in der Handhabung, wenn man seine Notdurft verrichten musste. Es brauchte im Bedarfsfall nur gelupft zu werden.

In der Renaissance wird es eng

Maria Teresa um 1652

Eng geschnürt: Maria Teresa um 1652

Der Beginn der Renaissance brachte um 1500 vor allem für die Frauen des höheren Standes einen Modewandel mit sich. Die Prüderie und Nüchternheit des spanischen Hofes setzte sich im damaligen Europa durch. Weibliche Rundungen wurden durch steife Unterleibchen zusammengepresst. Flachbrüstigkeit war das Modediktat jener Zeit. Der weibliche Körper wurde mit diesen Hilfsmitteln, die versteckt unter der Oberbekleidung getragen wurden, künstlich modelliert. Aus den Schnürleibchen entwickelte sich dann später das Korsett, das bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts das Erscheinungsbild der Damenunterbekleidung bestimmen sollte. Für die einfachen Bevölkerungsschichten blieb das Hemd jedoch weiterhin die Universalunterwäsche für alle Gelegenheiten. Allerdings besaßen Bürger, die es sich leisten konnten, mehrere Hemden, die auch mit schmucken Verzierungen ausgestattet wurden. Dieses neue Bewusstsein für gepflegte Unterwäsche konnte sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollends durchsetzen. Es entstand ein ganzer Wirtschaftszweig von Weißzeugfertigung, Weißzeughandel und Weißzeugwaschanstalten. Auch auf den allgemeinen Hygienestandard hatte dieser Modetrend positiven Einfluss. Lediglich bei den ärmeren Menschen, denen das nötige Geld fehlte um diese Entwicklung mitzumachen, blieb es bei den schlimmen hygienischen Verhältnissen, die immer wieder Krankheiten hervorriefen.

Endlich ist sie da - die Männerunterhose

Ein Männermodel in Unterwäsche.

Modische Unterwäsche auch für den Mann

In den folgenden Jahrzehnten gab es zwar einen stetigen Modewandel in der Oberbekleidung, doch bei der Unterwäsche tat sich nicht viel. Nur wenige Adelige und reiche Kaufleute konnten und wollten sich den Luxus leisten, seidene Unterhosen zu tragen, die es vereinzelt gab. Und ebenso wenige Frauen des gehobenen Standes trugen beim Reiten und in extrem kalten Wintern eine Vorform des Damenslips unter ihren Röcken. Bei den meisten Frauen und Männern blieb der intime Bereich lange Zeit eine Unterhosen-freie Zone. Erst in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts brachte eine Erfindung des Wäscherherstellers Schiesser Bewegung in die triste Welt der Miederwaren. Durch ein neues Verfahren war es möglich, die Hemdschöße, die nach hinten durch die Beine gerafft wurden, mit Knöpfen zu befestigen. Nun dauerte es nicht mehr lange, bis man den Prototyp des heute gebräuchlichen Damen- und Herrenslips erfunden hatte. 1876 stattete die preußische Armee ihre Soldaten mit der neuen Baumwoll-Unterwäsche, die Trikotage genannt wurde, aus. Ein wahrer Boom setzte in diesem Wirtschaftszweig ein. Unterwäsche wurde nun als praktisch und schick angesehen. Es entstanden erste Modetrends auf diesem Sektor. Vor allem aufwändig gestaltete Damenunterwäsche entwickelte sich zum Sinnbild für Erotik. Heute ist dieser Spezialmarkt hart umkämpft. Im Jahr 2004 setzte der Handel zwei Milliarden Euro allein mit Damenwäsche um. Doch auch die Männer haben mittlerweile ein größeres Modebewusstsein für die Kleidungsstücke entwickelt, die als Verpackung für den kleinen Unterschied dienen.

Autor/in: Alfried Schmitz

Stand: 14.08.2014, 13:00

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