Müllentsorgung

Müll

Müllentsorgung

Müll gibt es, seit es Menschen auf der Erde gibt. Reste von Kleidung und vor allem Nahrung wurden jahrtausendelang einfach weggeworfen. Daran hat sich bis auf den heutigen Tag nicht viel geändert. Immer noch wird - oft gedankenlos - weggeworfen, was nicht mehr gebraucht wird. Müll wird zwar inzwischen professionell entsorgt. Doch je moderner der Mensch wird, desto problematischer wird sein Müll. Synthetische Stoffe wie zum Beispiel Plastik verrotten entweder gar nicht oder viel langsamer als organisches Material.

Die Pest und der Müll

Im Mittelalter schütteten die Menschen ihren Müll einfach auf die Straße oder sie benutzten einen Misthaufen auf dem eigenen Grundstück. Dadurch stanken die Gassen zwar erbärmlich - da der Unrat aber größtenteils aus organischen Stoffen bestand, verrottete er langsam von selbst. Nach dem Ausbruch der Pest im späten Mittelalter kam man auf die Idee, dass die tödliche Krankheit und die hygienischen Zustände zusammenhingen. Viele Städte regelten die Hygienevorschriften daraufhin neu.

Potsdam zum Beispiel machte 1660 die Straßenreinigung zur Staatsangelegenheit, allerdings auch, weil Kurfürst Friedrich Wilhelm die Stadt zur zweiten Residenz machte. Nun fuhr ein Gassenmeister mit einem Karren durch die Stadt, auf den die Bürger ihren Dreck laden mussten.

Vor ungefähr 120 Jahren begann man dann zumindest in den großen Städten mit der systematischen Müllentsorgung. Der Abfall privater Haushalte wurde entweder auf Deponien geschüttet oder unter freiem Himmel verbrannt. Die erste richtige Müllverbrennungsanlage (MVA) wurde 1896 in Hamburg in Betrieb genommen, als der Platz für große Deponien allmählich knapp wurde.

Müllverbrennung - Pro und Kontra

Müllverbrennungsanlage von oben.

MVA in Herten

Moderne Müllverbrennungsanlagen stehen im Ruf, für ihre Betreiber nicht nur Goldgruben zu sein, sondern den Müll auch relativ schadstoffarm verschwinden zu lassen. Noch 2001 kam allerdings eine von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Auftrag gegebene Studie zu dem Schluss, dass aus den Schloten der MVAs zahlreiche giftige Stoffe in die Atmosphäre gelangen, vor allem Treibhausgase und krebserzeugende Dioxine.

Das Bundesumweltministerium legte 2005 dagegen Zahlen vor, wonach das Dioxinaufkommen aus MVAs drastisch zurück gegangen ist. Während im Jahr 1990 noch ein Drittel aller Dioxin-Emissionen in Deutschland aus Müllverbrennungsanlagen kamen, machte der MVA-Anteil im Jahr 2000 weniger als ein Prozent aus, so das Ministerium.

Wird Müll nicht verbrannt, wird er auf Deponien gelagert. Im ersten Abfallbeseitigungsgesetz von 1972 wurde die Schließung der sogenannten wilden Deponien beschlossen, auf die jedes kleine Dorf seinen Abfall kippte. Große, zentrale Deponien wurden eingerichtet, die für heutige Verhältnisse zunächst laxen Umweltbestimmungen unterworfen waren.

Das Problem dieser Kippen lag vor allem darin, dass die Böden unter den Müllbergen nicht ausreichend versiegelt waren. Durchsickernder Regen wusch giftige Schadstoffe aus, die anschließend in den Erdboden gelangten und das Grundwasser verseuchten.

Ehemalige Deponien als Bauland?

Auf modernen Deponien wird viel Aufwand betrieben, um den Boden so gut wie möglich - zum Beispiel mit Plastikfolien - abzudichten. Das belastete Sickerwasser soll dadurch nicht mehr in den Boden eindringen, sondern wird aufgefangen und in Kläranlagen geleitet.

Doch bis 2005 waren in Deutschland mehr als die Hälfte der Mülldeponien sogenannte Altdeponien, die noch nicht nach neueren Standards abgedichtet waren. Erst dann trat eine neue Verordnung in Kraft, welche die schrittweise Stilllegung der alten Anlagen vorschrieb.

Laster auf der Mülldeponie.

Mülldeponie Ende der 1970er Jahre

Doch was passiert mit alten Müllkippen, wenn sie geschlossen werden? Die Kippen einfach nur zu versiegeln und zu begrünen reicht nicht aus. Häufig genug gab es auch Fälle, in denen versiegelte, ehemalige Deponien als Bauland ausgeschrieben wurden. Jahre später musste dieses Land dann als erheblich belastet und gesundheitsgefährdend eingestuft werden - zum Schaden der Anwohner.

Was nicht in den Hausmüll darf

Rund 36,6 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle fielen 2013 in Deutschland an. Doch nicht alles, was nicht mehr gebraucht wird, kann einfach in eine Tonne geworfen werden: Sondermüll wie beispielsweise Batterien darf nicht mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden. Chemikalien, giftige oder explosive Stoffe könnten auf Deponien oder in Müllverbrennungsanlagen großen Schaden anrichten.

Zwei Fläschchen Nagellack

Nagellack enthält Chemikalien

Doch oft ist gar nicht klar, was schon Sonderabfall ist. Leere Nagellack-Flaschen gehören eigentlich nicht in den Hausmüll, denn der Lack enthält Chemikalien. Die einzelne kleine Flasche schadet der Umwelt natürlich nicht, es kommt wie so oft auf die Menge an. Auf einer einzigen Müllkippe können sehr schnell mehrere Hunderttausend Nagellack-Fläschchen zusammenkommen.

Auch in Putz- und Desinfektionsmitteln sind schädliche chemische Stoffe enthalten. Werden die Flaschen nicht völlig entleert, sollte man sie lieber gesondert entsorgen. In jeder größeren Stadt gibt es spezielle Sammelstellen für Sondermüll. Kühlschränke, Motoröl, alte Computer oder Haus- und Hobbychemikalien können dort - oft gegen eine geringe Gebühr - abgegeben werden. Im Hausmüll haben diese Dinge nichts verloren.

Autorin: Melanie Wieland

Stand: 03.08.2015, 06:00

Darstellung: