Wie Meditation auf das Gehirn wirkt - Interview mit Dr. Britta Hölzel

Porträt von Dr. Britta Hölzel

Achtsamkeit

Wie Meditation auf das Gehirn wirkt - Interview mit Dr. Britta Hölzel

Kraft und Ruhe durch innere Versenkung: Meditation hilft, den Geist zu beruhigen und zu sammeln. Doch das Gehirn ist dabei keineswegs abgeschaltet. Wie es sich bei einer Meditation verhält, hat die Psychologin und Hirnforscherin Dr. Britta Hölzel untersucht, unter anderem an der Harvard Medical School in Boston.

Was passiert im Gehirn, wenn Menschen meditieren?

Wir haben herausgefunden, dass regelmäßige Meditationspraxis die Struktur des Hippocampus verändert. Der Hippocampus liegt im Temporallappen und spielt eine wichtige Rolle bei Lernprozessen und beim Gedächtnis. Er hat auch viel mit Stress und seiner Verarbeitung zu tun: Wenn wir Stress haben, stirbt Gewebe dort ab. Wenn wir "entstressen", können im Hippocampus prinzipiell Nervenzellen wieder neu entstehen.

Was bedeutet das, wenn der Hippocampus gestärkt wird: Erleben Menschen dann Gefühle intensiver und erinnern sich besser?

Der Hippocampus beeinflusst die Emotionsverarbeitung, also die Regulation von Gefühlen oder auch von Stress. Wir wissen, dass das unter Umständen nicht mehr so gut funktioniert, wenn das Gewebe geschädigt ist.

Sie haben auch Veränderungen bei der grauen und weißen Substanz festgestellt. Was hat es damit auf sich?

Graue Substanz findet sich an der Oberfläche beider Hirnhälften. In ihr werden alle Signale verarbeitet - wenn wir sehen, hören, schmecken, fühlen und auch denken. Die weiße Substanz liegt dahinter; sie ist das, was die verschiedenen Hirnregionen miteinander verbindet. Verschiedene Forschungsarbeiten zeigen, dass durch die Meditationspraxis sowohl die graue als auch die weiße Substanz in bestimmten Arealen zunehmen und sich verändern kann.

Und was bringt das?

Da steht die Wissenschaft noch ganz am Anfang. Es gibt ein paar Untersuchungen, die Veränderungen zeigen. Wir machen gerade weitere Studien dazu. Wir vermuten, dass Meditation Aufmerksamkeitsprozesse unterstützt. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sich die Regulation von Emotionen verbessert. Darüber ist aber noch nicht viel bekannt.

Wie untersuchen Sie das denn?

Wir legen Menschen in einen Magnetresonanztomographen (MRT). Es gibt auch andere Studien, mit Elektroenzephalografie (EEG) zum Beispiel, aber wir arbeiten mit Magnetresonanztomographie. Damit schauen wir uns die Veränderungen in der Struktur des Gehirns an. Auch Veränderungen in der Funktionsfähigkeit, also Aktivierungen von Hirnregionen, lassen sich so abbilden. Aktivere Nervenzellen brauchen mehr Sauerstoff und Energie, das zeigt sich in einer besseren Durchblutung des Gehirns. Und wenn Hirnstrukturen häufig aktiviert werden, wachsen sie.

Interview: Kerstin Deppe

Stand: 23.09.2014, 13:00

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