Trauma

Eine Frau steht vor einer Mauer und blickt sich ängstlich um. An die Mauer wird ein Schatten geworfen.

Angst

Trauma

Entsetzliche Ereignisse, die ganz plötzlich unser Gefühl der Sicherheit und Unverwundbarkeit durchbrechen, können das Verhältnis zu den eigenen Emotionen und zur Umwelt tiefgreifend verändern. Kriegserlebnisse, körperliche und sexuelle Übergriffe, Unfälle und andere natürliche oder vom Menschen verursachte Katastrophen können zum Auslöser des posttraumatischen Syndroms (PTS) werden. Danach ist nichts mehr wie zuvor. Denn die Angst kommt immer wieder zurück.

Was ist ein Trauma?

Ein entgleister und demolierter Zug steht quer auf einer Schiene. Davor geht ein Mann auf den Betrachter zu.

Unfälle können "wie im Film" ablaufen

Unabhängig davon, ob sich ein belastendes Erlebnis plötzlich oder erwartet ereignet - die Betroffen erleben stets starke Gefühle von Hilflosigkeit und Ohnmacht, Entsetzen oder Todesangst. Sie können der Situation nicht entfliehen oder sie wirkungsvoll bekämpfen. Als Reaktion kommt es häufig zu einer veränderten Wahrnehmung, der sogenannten "peritraumatischen Dissoziation". Das heißt, der Betroffene erlebt das Geschehen oft distanziert und unbeteiligt.

Dafür typisch sind Äußerungen wie "alles wie im Film" erlebt zu haben, vom Körper "wie abgetrennt gewesen zu sein" oder alles in Zeitlupe beziehungsweise rasend schnell erlebt zu haben. Wenn die Betroffenen für das Erlebte keine Bewältigungsstrategie und auch keine Unterstützung in ihrem sozialen Umfeld finden, entwickeln sie oft chronische Belastungsstörungen.

Neurologische Vorgänge

Die Bilder vom Amoklauf in Erfurt oder der 11. September 2001 haben sich bei vielen ins Gedächtnis eingebrannt. Doch was heißt das eigentlich? Was passiert in diesen Momenten in unserem Gehirn? Veränderungen in der Funktion bestimmter Hirnstrukturen und neuro-endokrinologische Veränderungen werden für das Auftreten der typischen Symptome verantwortlich gemacht.

Emotional sehr aufregende und belastende Situationen führen zur Ausschüttung der Hormone ACTH, Adrenalin, Noradrenalin sowie Vasopressin. Diese sorgen dafür, dass die entsprechende Situation im Gedächtnis besser verankert wird. Gerüche, Geräusche, Gefühle, Farben oder Stimmungen des Traumas prägen sich im Hirn des Opfers überscharf ein. Diese sensorischen Erfahrungen werden später als Bedrohung interpretiert. Offenbar findet eine Verhaltensenthemmung statt, bei der die Reize stets so interpretiert werden, dass sie eine Notreaktion, etwa Flucht, auslösen.

EMDR-Therapie

Blaues Augenpaar einer Frau.

Trauma-Bewältigung über die Augen

"Eye movement desensitization and reprocessing" (EMDR) - hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich eine Therapieform aus den USA, die erfolgreich zur Behandlung von Angstzuständen und Traumata eingesetzt wird. Die Opfer von Gewalt, sexuellem Missbrauch oder schweren Unglücken leiden oft unter quälenden inneren Bildern, Alpträumen, Schweißausbrüchen, Zittern und ständiger Unruhe. Während der EMDR-Behandlung lässt der Patient die Horrorerlebnisse vor seinem geistigen Auge erneut ablaufen, durchlebt wieder die Emotionen und Gedanken, die er dabei hatte.

Zugleich folgt er mit den Augen der sich hin- und herbewegenden Hand des Therapeuten. Dabei beschleunigen die Augenbewegungen den Verarbeitungsprozess im Gehirn. Die schlimmen Bilder verblassen allmählich, verlieren ihre Macht über die Psyche, positivere Gedanken stellen sich ein. Bei leicht traumatisierten Menschen reichen oft schon wenige Sitzungen aus, bis sich der Erfolg einstellt. Forscher vermuten, dass die schnellen Augenbewegungen Blockaden auflösen, die die Informationsverarbeitung im Gehirn behindern.

Erlebnisse, die mit starkem Stress verbunden sind, werden in tieferen Hirnregionen als gefühlsbeladene Bilder gespeichert. Bei Trauma-Patienten bleiben sie dort "eingesperrt" und können nicht in der Großhirnrinde - wo Sprache und Bewusstsein ihren Sitz haben - rational verarbeitet werden. Eine Hypothese ist auch, dass sich beim EMDR ähnliche Prozesse abspielen, wie beim REM-Schlaf (Rapid eye movement), der ebenfalls von schnellen Augenbewegungen begleitet wird. Im REM-Schlaf werden aktuelle Tageserlebnisse verarbeitet.

Psychotherapie

Oft leiden die Opfer unter "sprachlosem Terror". Therapieberichte haben gezeigt, dass die Patienten zwar intensive Gefühle erlebten, aber kaum erzählen konnten, was sie durchmachen. Ein wichtiger Bestandteil jeder Therapie ist daher das Gespräch. Psychologen und Psychiater müssen den Betroffenen erst mühsam helfen, eine Sprache zu finden, in der sie ihre Erfahrungen selbst verstehen und anderen mitteilen können. Eingesetzt werden fast alle Formen der Psychotherapie wie Hypnose, Psychoanalyse, Psychodrama, Verhaltens-, Gesprächs- oder Gestalttherapie.

Autorin: Bettina Wiegand

Weiterführende Infos

Stand: 09.05.2016, 14:09

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