Formeln fürs Glück

Ein Seniorenpaar balanciert zwischen den Köpfen einen Apfel.

Glück

Formeln fürs Glück

Glücklich sein möchte eigentlich jeder. Nur wie wird ein Mensch wirklich glücklich? Weltweit erforschen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen das Glück, darunter Psychologen, Neurologen, Biophysiker, Soziologen, Philosophen, Ethnologen und Wirtschaftswissenschaftler. Sie haben tatsächlich verallgemeinerbare Glücksformeln gefunden, die theoretisch jedem helfen, glücklicher zu sein.

Zutaten fürs Glück

Für das Glück benötigen wir ganz bestimmte Zutaten, ähnlich wie zum Kuchen backen. So einfach lässt sich die Glücksformel des derzeit wohl bekanntesten Glücksforschers Ed Diener zusammenfassen. Butter, Eier, Mehl und Zucker brauchen wir für einen Kuchen. Um unser Glück zu backen, benötigen wir ebenfalls vier Dinge: Eine Aufgabe, in der wir uns kompetent fühlen, enge soziale Bindungen zu anderen Menschen, immer wieder mal was Neues im Leben und eine Prise Spiritualität.

Der US-amerikanische Psychologe versteht unter Spiritualität den Glauben daran, der Teil eines sinnvollen, großen Ganzen zu sein. Dies kann der Glaube an einen Gott sein, der Glaube an andere Mächte oder auch der Glaube, der aus der Verbundenheit mit der Natur entsteht. Die Zutaten fürs Glück sind überschaubar - doch so mancher scheitert an der Zubereitung.

Glück im Buddhismus: Lieben und Sein

Buddhisten verstehen unter Glück Zufriedenheit oder wörtlich: zum Frieden finden. Mit täglichen Achtsamkeitsübungen und Meditationen wollen Praktizierende der buddhistischen Lehre genau das trainieren: Frieden finden und glücklich sein mit dem, was ist. Lieben und Sein sind die Zutaten dieser einfachen Glücksformel.

Beides muss allerdings mühselig gelernt und jahrelang geübt werden, damit sie glücklich machen, erklären der Dalai-Lama und andere weise Buddhisten in ihren Schriften. Die Soziologen verstehen - ähnlich wie die Buddhisten - ebenfalls Lebenszufriedenheit als Glück.

Allerdings gehört zur soziologischen Glücksformel neben dem Lieben und Sein auch noch das Haben. Bei den Soziologen steht Lieben für die sozialen Beziehungen, das Sein für eine erfüllte Lebensgestaltung und das Haben für die materiellen Lebensbedingungen.

Der Soziologe Jan Delhey forscht an der Bremer Jacobs University zu den Glücksformeln. Er sagt, dass jeder Mensch die drei Säulen für sich anders gewichtet. Zum Glück seien nach dieser Theorie jedoch alle drei Säulen nötig.

Das Glück beginnt im Körper

Ein Mädchen läuft über eine Sommerwiese.

Ein gutes Körpergefühl und Bewegung machen glücklich

"Das Glück entspringt ebenso sehr unserem Körper, Armen und Beinen, Herz und Haut, wie unseren Vorstellungen und Gedanken", schreibt der Biophysiker und Philosoph Stefan Klein in seinem Buch "Die Glücksformel". Der Körper sendet Signale über unser Wohlbefinden an unser Hirn. Bewusst nehmen wir diese nicht wahr. Geht es dem Körper gut, bestimmt dieses Gefühl wesentlich unser Glücksempfinden.

Deshalb ist die einfachste der Glücksformeln von Stefan Klein, den Körper wirklich wichtig zu nehmen. Unangenehme Gefühle wie Angst und Stress wirken sehr körperlich: Die Muskeln verspannen, der Magen rebelliert, das Herz kommt aus dem Rhythmus. Geht es dem Körper gut, leuchten unsere Augen, das Blut fließt schneller durch die Adern, wir spüren die Energie und lächeln oft, sagt Klein.

Er empfiehlt, möglichst viele Dinge zu tun, die uns ein gutes Körpergefühl geben. Das können sinnliche Dinge sein wie gutes Essen, Bewegung, Gerüche oder Berührungen. Genauso können es auch positive Gedanken sein. Die Erinnerung an einen schönen Urlaub oder die Vorfreude auf eine Verabredung finden im Gehirn statt, beeinflussen von dort aber unser unwillkürliches Nervensystem - und wirken somit direkt auf den Körper.

Lächeln macht glücklich

Eine Großmutter und ihre Enkelin lächeln.

Wirklich glücklich macht nur das ehrliche Lächeln

Es reicht nicht allein, sich bewusst vorzunehmen, Glück zu fühlen oder mehr zu lächeln. Zwar ist positiv denken und sich bewusst glücklich fühlen eine populäre Glücksformel. Doch ganz so einfach geht es nicht. Nur ein echtes Lächeln ist wirklich förderlich fürs Glücksempfinden. Zu diesem Ergebnis kam der amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman bereits Ende der 1960er Jahre.

Nach Ekman gibt es 18 Arten des gewollten Lächelns und nur eine Art des echten Lächelns. Beim gewollten Lächeln, etwa dem höflichen, freundlichen oder kaschierenden Lächeln, benutzt der Mensch nur die Muskeln des Mundes. Beim echten Lächeln ziehen sich auch die Augenringmuskeln zusammen.

Nur das Zusammenspiel von Mund- und Augenringmuskulatur bewirkt eine Ausschüttung von Endorphinen. Diese Hormone wirken unter anderem schmerzlindernd. Forscher gehen davon aus, dass diese Hormone an der Entstehung von Glücksgefühlen (Euphorie) beteiligt sind.

Ekmans Quintessenz: Positiv denken und lächeln funktionieren als Glückszutaten - allerdings nur, wenn beides echt ist und tief von Herzen kommt.

Das Hirn formen bis ins hohe Alter

Viele Wissenschaftler sind sich heute einig, dass wir unser Glück zu einem großen Teil beeinflussen und auch steuern können. Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubormirsky von der Riverside-Universität von Kalifornien hat zu diesem Thema über Jahre geforscht und beschreibt die Ursachen für Glück in klaren Zahlen: 50 Prozent unseres Glücks hängen vom Erbgut ab, zehn Prozent vom Zufall - und 40 Prozent von unserem bewussten Handeln. Diese 40 Prozent sind der Spielraum, den ein Mensch durch positives Denken aktiv beeinflussen kann.

Hirnforscher attestieren dem Denkorgan, dass es sich bis ins hohe Alter verändern kann. Ein Beispiel: das Pendeln zur Arbeit. Die Fahrt lässt sich kaum vermeiden - anders als der Umgang mit der Situation. Beginnen wir die Zeit sinnvoll oder angenehm zu nutzen, vielleicht für ein Hörspiel oder einen Hörsprachkurs, entstehen plötzlich ganz andere, nämlich gute Gefühle und Gedanken.

Wendet ein Mensch diese Methode regelmäßig an, kann er sein Hirn dadurch tatsächlich umformen. Dies ist sicherlich die langwierigste und schwierigste Glücksformel. Doch wer sie anwendet, dem verspricht sie auf Dauer Erfolg, sagen Lyubormirsky und auch andere Forscher.

Autorin: Marika Liebsch

Stand: 11.04.2016, 13:17

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